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Manchester-City-Stürmer Carlos Tevez Wenn ein Fußball-Star nicht mehr will


Er gehört zu den besten Fußballern der Welt: Carlos Tevez. Der Argentinier verdient bei Manchester City sagenhaft viel Geld, wird von den Fans verehrt und hat mit 26 die besten Jahre noch vor sich. Aber Tevez will nicht mehr. Der "Apache" hat genug vom oberflächlichen Fußballerleben.
Von Klaus Bellstedt

Sein Spitzname lautet "Apache" - auch weil er sich auf dem Platz leichtfüßig wie ein Indianer bewegt und im Torabschluss präzise und eiskalt ist. Der Argentinier Carlos Tevez gehört zu den besten Fußballern auf diesem Planeten. Seit 2009 schnürt der bullige Angreifer für die neureichen Engländer von Manchester City die Schuhe, hat in 50 Spielen für die "Citizens" sagenhafte 33 Tore erzielt. Tevez verdient im Monat etwa 600.000 Euro. Selbstverständlich netto. Der 26-Jährige ist Kapitän einer Spitzen-Mannschaft, die in der Premier League derzeit von Sieg zu Sieg eilt. Tevez ist der König im City of Manchester Stadium. Die Fans lieben den "Apachen" abgöttisch - aber selbst die Zuneigung der Fans ist dem Spieler kein dauerhafter Trost mehr. Carlos Tevez möchte nur noch weg aus dem Regen Nordenglands. Ihm werden Probleme mit seinem Trainer, Roberto Mancini, nachgesagt. Aber das stimmt nicht. "Es gibt keine Schwierigkeiten mit dem Coach", sagt Tevez. Und er will auch nicht mehr Geld. Tevez will nur zurück zu seiner Familie. Am liebsten sofort. Der Mann hat genug vom Leben eines erfolgreichen Fußballprofis.

Erste Andeutungen hinsichtlich eines vorzeitigen Abschieds von Carlos Tevez bei Manchester City hatte sein Teamkollege und Freund Roque Santa Cruz vor sechs Wochen geäußert. "Sein Herz hängt an seiner Familie. Wenn dein Heimatland dich ruft, könnte es passieren, dass du alles aufgibst, um zurückzugehen", sagte der Ex-Bayern-Spieler in einem Interview mit dem spanischen Radiosender Cadena Ser.

Dass Tevez über einen Abschied nachdenken könnte, wird kurz darauf auch in einem Interview mit einem argentinischen Radiosender deutlich: "Im Fußball geht es nur um Geld, das mag ich nicht. Es gibt so viele Agenten mit sehr jungen Spielern... es ist schrecklich. All diese Jungen wollen keine Titel gewinnen. Sie denken, sie hätten etwas gewonnen im Fußball, weil sie zwei Handys und ein Haus haben. Heutzutage sind so viele schlechte Menschen im Fußball-Geschäft unterwegs und jeden Tag muss man sich mit ihnen auseinandersetzen. Darauf habe ich keine Lust mehr", lautete das überraschende Plädoyer von Tevez.

Mega-Angebot für Tevez

Vor 14 Tagen suchte Tevez dann das Gespräch mit Citys Generaldirektor Garry Cooke, dem vor einer Woche ein Schreiben folgte, in dem der Stürmer offiziell um die Freigabe in der Winterpause bat. Der Club reagierte prompt, bestätigte den Eingang "mit Enttäuschung" - und lehnte ab. Das Gesuch sei eine "unglückliche und unwillkommene Ablenkung", hieß es in der Stellungnahme. Der 26-jährige Argentinier habe noch dreieinhalb Jahre seines Fünfjahresvertrags zu erfüllen und sei Citys bestbezahlter Spieler. "Wir alle haben in der Vergangenheit großes Verständnis für Carlos' persönliche Umstände gezeigt, einschließlich der Tatsache, dass seine Familie in Übersee lebt, und werden das weiterhin tun", teilte der Club mit.

Und die "Citizens" gingen sogar noch einen Schritt weiter: Der Verein bot Tevez eine Erhöhung seines Jahresgehalts auf 15,5 Millionen Euro an. Keine Chance. Der Argentinier schlug das Angebot, das ihn zum bestbezahlten Profi in der Premier-League-Geschichte gemacht hätte, aus und betonte in einer Erklärung: "Diese Entscheidung hat nichts mit Geld zu tun. Das habe ich dem Management auch mehrfach mitgeteilt. Das Angebot war sehr großzügig und ich möchte Scheich Mansour (Club-Besitzer von Manchester City, Anm. der Redaktion) für sein Verständnis und die Unterstützung danken."

Letzter Auftritt gegen Juve?

Carlos Tevez hat mit Manchester City abgeschlossen. Sein Plan sieht vor, möglichst schnell zu seinen Wurzeln zurückzukehren. „Ich wünsche mir mein früheres Leben zurück, das ich in einem Armenviertel von Buenos Aires geführt habe. Meinen aktuellen Lebensstil mag ich nicht.“ Dass er dem Fußball den Rücken kehren will, hat aber auch etwas mit seiner Familie, genauer gesagt mit seinen beiden Töchtern zu tun, die nach der Scheidung bei seiner Ex-Frau in Buenos Aires leben. "Es ist schon einige Monate her, dass ich meine Töchter das letzte Mal gesehen habe. Und das ist ziemlich hart", wird Tevez in der "Daily Mail" zitiert.

Beinahe alles deutet darauf hin, dass Manchester City den Kampf um den "Apachen" wohl endgültig verloren hat. Trotz eines gültigen Vertrages können die Engländer ihren stolzen Südamerikaner schließlich nicht dazu zwingen, aufzulaufen. In dieser Woche könnte der Argentinier auf der europäischen Bühne bereits zum letzten Mal das Trikot der "Citizens" überstreifen. In der Europa League geht es am Donnerstag gegen Juventus Turin. Die Reaktion der City-Fans auf seinen Abwanderungswunsch wird mit Spannung erwartet. Jede Wette: Sie werden ihm wieder zujubeln. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als sonst.


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