Manuels Mauer Schäfchen auf flauschigen Wolken

Genug gelitten! stern.de-Kolumnist und Schalke-Torwart Manuel Neuer hat das düstere Kapitel 'Derbyniederlage' endgültig geschlossen. Der Blick richtet sich nach vorn. Eine letzte Hoffnung bleibt: Schalke macht es so wie die Bayern 2001.

Drei Tage ist das bittere Derby jetzt her und ich bin immer noch ein bisschen ratlos. Man muss ganz ehrlich sagen: Wir haben es selber verbockt, haben zu wenig Herz gezeigt und zu wenig investiert. Dortmund hat doch auch nicht besonders berauschend gespielt. Es war von beiden Mannschaften kein typisches Derby. Nicht zu begreifen, wenn man bedenkt, dass wir 20.000 Schalker im Westfalenstadion und weitere 62.000 in der Veltins-Arena beim Public Viewing hätten glücklich machen können. Da muss man mehr brennen. Genau das werfe ich uns auch vor: Wir haben nicht genug gebrannt!

Wir alle wussten: Das war zu wenig für den Titel. Über die Nacht nach dem Spiel will ich jetzt gar keine vielen Worte verlieren. Nur soviel: Von lustigen, niedlichen Schäfchen auf flauschigen Wolken hab ich nicht geträumt. Am Tag danach auf dem Trainingsgelände war die Stimmung immer noch mies. Ist doch völlig klar. Unser Trainer Mirko Slomka hat das Spiel glasklar analysiert und die Fehler angesprochen. Viel musste er gar nicht sagen.

Hausaufgaben machen

Positiv überrascht war ich von unseren Fans. Nach der Leistung in Dortmund hatte ich mit mehr Gegenwind gerechnet. Es gab viele aufmunternde und herzliche Worte. Kritik wurde auch geübt, aber die richtete sich gegen die Mannschaft als Ganzes. So muss es auch sein, weil wir alle schlecht gespielt haben. Damit schließe ich jetzt aber auch das düstere Kapitel "Derbyniederlage". Wir haben schließlich noch ein Spiel und auch wenn die Chancen sehr gering sind: Es ist immer noch möglich. Und was alles möglich ist, haben alle Schalker 2001 erleben dürfen. Dürfen ist gut, ich meine natürlich erleben müssen. Ich hab damals übrigens selber wie ein Hund in der Nordkurve gelitten…

Gegen Bielefeld müssen wir unsere Hausaufgaben erledigen. Wir müssen gewinnen. Ein frühes Tor wäre hilfreich. Was dann passiert, ist alles graue Theorie. Ich hab die Meisterschaft jedenfalls noch nicht ganz abgeschrieben, zumal ich Cottbus in Stuttgart durchaus etwas zutraue. Da bin ich mir sicher. Die Jungs sind schließlich Sportler, und Sportler wollen immer gewinnen. Abwarten heißt für uns die Devise und - ich wiederhole mich gerne noch mal - unsere Hausaufgaben erledigen. Das wird gegen Bielefeld schwer genug.

Stuttgart hat jetzt Druck, wir nicht

Stuttgart ist jetzt also vorne, aber nicht weil der VfB über die stärkeren Einzelspieler als Schalke verfügt. Sie haben sich Woche für Woche vor allem als Team stark präsentiert. Das ist ihre Stärke. Dazu kommt, dass die Schwaben über die gesamte Saison praktisch ohne Druck und völlig frei aufspielen konnten. Das ist vielleicht auch der Grund, warum sie nun vorne stehen. Uns hat der Druck bisher nichts ausgemacht, bis auf Samstag. Da hat er uns schon gehemmt. Schauen wir doch einfach mal, wie die Stuttgarter damit am kommenden Wochenende umgehen. Jetzt, wo ganz Fußball-Deutschland von ihnen den Titel erwartet.

Manuel Neuer

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