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Michael Ballack: Fleischwunde zum Abschied

Mitschuldig am Gegentor, ausgepfiffen von den Fans und eine offene Wade: Die Rückkehr von Nationalmannschafts-Kapitän Michael Ballack in die Heimat verlief alles andere als optimal. Und dann war da noch die Kritik seines Trainers Jose Mourinho.

Für Michael Ballack war es eine schmerzhafte Rückkehr. Bei seinem ersten Auftritt mit dem FC Chelsea in der Heimat erwischte der Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft einen schlechten Tag, verlor 0:1 gegen Werder Bremen, hörte Pfiffe von den Rängen und verletzte sich zudem an der Wade. Und als wäre das alles noch nicht genug, musste der Mittelfeld-Star auch noch öffentlich vorgetragene Schelte des eigenen Trainers über sich ergehen lassen. "Er hat kein gutes Spiel gemacht", kritisierte der über die Niederlage sichtlich verärgerte Chelsea-Coach José Mourinho unverblümt die Leistung des 30-jährigen Deutschen.

Ballack hatte eine andere Sicht der Dinge. "Wir sind eine Runde weiter, das ist die gute Nachricht", sagte der nach dem Spiel heiß begehrte und freundlich Auskunft gebende Mittelfeldspieler. Dass er in seinem ersten Champions-League-Spiel gegen ein deutsches Team keine Akzente setzen konnte und im Schatten seiner Bremer Nationalmannschaft-Kollegen Torsten Frings und Tim Borowski stand, ärgerte ihn nicht weiter.

"Weiß nicht wer zuständig war"

Ballack wirkte zufrieden, aber nicht glücklich. "Wir verlieren nicht gern, wir haben hohe Ansprüche", erklärte er zur Gemütslage in der Kabine der Londoner Millionen-Truppe: "Entsprechend verärgert waren wir auch. Wir hätten uns hier schon den ersten Platz der Gruppe sichern können." So muss die teure Weltklasse-Auswahl im letzten Gruppenspiel gegen Levski Sofia gewinnen, um ganz sicher zu gehen.

Ballack selbst hatte mit einem schlecht platzierten Kopfball (33.) auf Werder-Keeper Tim Wiese die große Chance zum Ausgleich vergeben und zuvor beim Bremer Siegtreffer durch Per Mertesacker (27.) nur staunend zugeschaut. Mit großen Augen verfolgte er, wie sein neben ihm lauernder Nationalmannschafts-Kollege die Ecke von Frings mit der Stirn vorbei an Keeper Carlo Cudicini ins Netz wuchtete. "Ich war nicht zugeteilt", rechtfertigte sich Ballack. "Ich war für Naldo zuständig." Seinen weiter von Mertesacker entfernt stehenden Mitspieler Didier Drogba nahm er in Schutz: "Ich weiß nicht, wer zuständig war", sagte Ballack grinsend und erklärte: "Aber es ist immer schwer, gegen so große Spieler den Kopfball zu gewinnen."

Fleischwunde an der Wade

Überhaupt war der vor der Saison von Bayern München nach London gewechselte Profi eher nachsichtig und lobte stattdessen lieber den Einsatz der Bremer, die sich "sehr, sehr gut präsentiert" hätten. "Am Ende hat der letzte Wille gefehlt", sagte er über das eigene Team und bat angesichts der Tabellenkonstellation in der so genannten Todesgruppe um Nachsicht: "Wir brauchten nur einen Punkt und wussten, dass wir sogar mit diesem 0:1 weiter sind - da waren wir zu passiv am Anfang."

Seine Verletzung, wegen der er vorzeitig den Platz verlassen musste, nahm Ballack gelassen. "Ich habe eine ziemlich große Fleischwunde an der Wade", berichtete er. Doch bis zum Sonntag, wenn Chelsea zum Top-Match der englischen Premier League bei Manchester United antreten muss, glaubt er wieder fit zu sein: "Das wird schon."

DPA/kbe

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