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Mickael Essien: Ghanas Vorzeige-Profi

Am Abend des 8. Oktober 2005 herrschte Ausnahmezustand an der westafrikanischen Goldküste. 21 Millionen Ghanaer feierten ausgelassen die erste Qualifikation ihrer Nationalmannschaft für eine Fußball-Weltmeisterschaft. Mickael Essien und seine Jungs hatten das Unmögliche möglich gemacht.

In den Millionen-Metropolen Accra und Kumasi tanzten die Menschen ausgelassen auf den Straßen und Staatspräsident John Agyekum Kufuor ließ es sich nicht nehmen, die Fußball-Helden seines Landes nach dem entscheidenden 4:0 auf den Kapverdischen Inseln mit seinem Privatjet abzuholen und mit ihnen eine rauschende Party zu feiern.

Den vielleicht größten Anteil an Ghanas WM-Qualifikation hat Mickael Essien. Er ist der Topstar der "Black Stars", vielleicht auch deshalb, weil er mit seinen 22 Jahren bereits zu den absoluten Führungsspielern der Westafrikaner gehört. In die Phalanx der großartigen Einzelakteure, die Ghana immer wieder hervorgebracht hat (man denke nur an Abedi Pele oder Anthony Yeboah) hat sich Essien längst eingereiht. "Gute Spieler hatten wir zu allen Zeiten, aber erst unsere Generation ist zu einer herausragenden Mannschaft gewachsen“, sagt der Superstar des Teams, der auf Vereinsebene für den FC Chelsea London gegen den Ball tritt. Für sage und schreibe 38 Millionen Euro wechselte der Defensivspieler, der aus der Jugend des SC Bastia hervorging, im Sommer 2005 von Olympique Lyon an die Stamford Bridge. Laut seinem Agenten Fabien Piveteau lagen dem Mittelfeldspieler auch Angebote von Manchester United, Real Madrid, FC Barcelona, Arsenal London und Juventus Turin vor. Essien steht trotz aller Lobeshymnen, die ihn bereits zum besten defensiven Mittelfeldspieler der Welt erkoren haben, mit beiden Füßen auf dem Boden. "Wenn manche Leute behaupten, ich sei auf dieser Position der Beste der Welt, dann glaube ich das einfach nicht. Aber es stimmt, ich bin gerade dabei meine kühnsten Träume zu verwirklichen", verriet Essien der französischen Zeitung L'Equipe.

Lieblingsschüler von Mourinho

Seinen ersten Profivertrag erhielt der bissige Defensiv-Allrounder beim SC Bastia im Jahr 2000. Seitdem hat Essien kontinuierlich Fortschritte gemacht und seine Leistung permanent gesteigert. Der Lohn: Nach seinem zweiten Titelgewinn mit Olympique Lyon im Frühsommer 2005 wurde er von den Profi-Kollegen der Ligue 1 zum Spieler des Jahres gewählt. Das Faszinierende an Mickael Essien: Er ist vielseitig einsetzbar. Mal spielt er in der Innenverteidigung, mal auf der rechten Außenbahn, mal im zentralen Mittelfeld. Dort fühlt sich Michael Essien auch am wohlsten. "Ich genieße es, dem Gegner beim Zweikampf den Ball abzujagen", gesteht er seine Neigung als nimmermüder Kämpfer, "ich unterstütze meine Mitspieler gern, wenn sie in Schwierigkeiten sind." Essien, der perfekte Teamspieler. Doch in der abgelaufenen Saison machte der Ghanaer für Lyon auch als Torschütze auf sich aufmerksam. Fünf Treffer verbuchte er in der Champions League. Nicht zuletzt deshalb wurde auch der große FC Chelsea auf ihn aufmerksam.

Für Essien ist das kein Grund, große Töne zu spucken. Im Gegenteil: Still, verschlossen und zurückhaltend ist er. "Das ist meine Erziehung. Ich habe auch meiner Mutter nie widersprochen", sagt der artige Musterprofi, für den die Trainer Autorität sind. Insofern dürfte er sich also unter den Fittichen von Chelsea-Coach Jose Mourinho bestens aufgehoben fühlen.

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