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Mitgliederversammlung: "Der HSV wurde beschädigt"

Dieses Mal flogen keine Bierbecher, und die Presse wurde auch nicht ausgeschlossen. Hoch her ging es trotzdem. Bei der Fortsetzung der Chaos-Mitgliederversammlung vom Dezember bekam vor allem HSV-Boss Bernd Hoffmann sein Fett weg.

Von Klaus Bellstedt

Mit harscher Kritik an der Vereinsführung, aber ohne Tumulte ist am Montagabend die Mitgliederversammlung des Hamburger SV fortgesetzt worden. Der erste Teil der Hauptversammlung war vor zwei Monaten nach chaotischem Verlauf und dem Ausschluss der Presse ohne Ergebnis abgebrochen worden. Diesmal wurden die Medienvertreter zugelassen. Der mit Spannung erwarteten Entlastung des Vorstandes für das Geschäftsjahr 2005/2006 stimmten die 954 anwesenden Mitglieder mehrheitlich zu.

Zu Beginn der Versammlung war es vor allem der emotionale Wortbeitrag von Vereinsmitglied Ingo Thiel, der die knapp 1000 Mitglieder im Hamburger CCH aufhorchen ließ. Thiel warf Club-Boss Bernd Hoffmann die alleinige Verantwortung für den sportlichen Niedergang vom Champions-League-Teilnehmer zum Tabellenletzten und Abstiegskandidaten vor. Er führe den Club nach Gutsherrenart, behauptete der Redner. "Herr Hoffmann, sie sind Angestellter bei diesem Verein, der HSV ist nicht ihr Besitz", sprach Thiel den Vorstandsvorsitzenden direkt an. "Alles geht über ihren Schreibtisch und deshalb müssen sie auch die Verantwortung übernehmen", erhob das Mitglied der "Supporters" unter dem Applaus der Mehrzahl der Anwesenden indirekt eine Rücktrittsforderung gegen den Vereinschef.

"Mussten die Uhren auf Null stellen"

Hoffmann selbst räumte ein, dass die sportliche Bilanz in der laufenden Saison als Tabellenletzter "so weit entfernt ist von den Erwartungen, dass wir auch im Vorstand bei mancher Entscheidung seit dem Sommer daneben gelegen haben. Dafür übernehmen wir die Verantwortung." Der Vorstandsvorsitzende begründete den Trainerwechsel von Thomas Doll zu Huub Stevens. "Ergebnisse und Auftreten der Mannschaft haben uns handeln lassen", sagte Hoffmann, der zugleich zugab, dass mit der Entlassung des beliebten Thomas Doll "auch ein Stück der Idee des neuen HSV beschädigt wurde".

Sowohl der Vereinschef als auch Beiersdorfer lehnten einen Rücktritt übrigens ab. Hoffmann: "Wir übernehmen auch die Verantwortung, den Verein auf Kurs zu halten." Schon vor der Versammlung hatte der Aufsichtsrat Beiersdorfer mitgeteilt, dass er im Amt bleiben dürfe. In seiner Rede begründete der Sportchef des HSV den Trainerwechsel mit folgenden Worten: "Wir mussten die Uhren bei den Spielern wieder auf Null stellen." Beiersdorfer machte in seinem Wortbeitrag wiederholt auf die angespannte personelle Situation beim Bundesliga-Dino aufmerksam: "Die Mannschaft, die wir vor der Saison zusammengestellt haben, konnte doch nie so auflaufen. Auch das darf man bei aller Kritik nicht vergessen."

Ex-Ober-Kontrolleur Bandow vorsichtig optimistisch

Aufsichtsratsvorsitzender Horst Becker, der drei Tage zuvor als Nachfolger des aus gesundheitlichen Gründen zurückgetretenen Udo Bandow gewählt worden war, appellierte an die Mitglieder, alle Kräfte zu bündeln: "Der HSV muss sowohl nach außen, als auch nach innen endlich wieder als Einheit auftreten. Es darf nur ein einziges Ziel geben: Klassenerhalt." Bandow, der für seine Verdienste mit der Goldenen Vereinsnadel geehrt wurde, äußerte trotz der prekären Lage Optimismus: "Das 3:0 gegen Dortmund gibt mir die Hoffnung, dass wir das kleine Wunder Nichtabstieg schaffen."

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