Münchner Stadion-Affäre "Katastrophe für das Image des Fußballs"

In der Münchner Stadion-Affäre geht der FC Bayern auf Konfrontationskurs zum Lokalrivalen 1860 : Der Verein will allein gegen die Baufirma Alpine Klage einreichen und bei der Neubesetzung der Allianz Arena GmbH soll kein Platz mehr für einen "Löwen"-Mann sein.

Eine neue Klage, viele offene Fragen und ein erboster Uli Hoeneß: Die Schmiergeld-Affäre um das Münchner WM- Stadion spaltet die Fußball-Bundesligisten FC Bayern und TSV 1860. Während die "Löwen" mit sich und dem von ihrem Ex-Präsidenten Karl- Heinz Wildmoser hinterlassenen Scherbenhaufen beschäftigt sind, geht die Führungsspitze des großen Nachbarn in die Offensive. "Wir werden Alpine verklagen", kündigte Uli Hoeneß nun auch juristische Schritte gegen die in die Bestechungsvorwürfe verwickelte Baufirma an. Die Auswirkungen des Skandals bezeichnete der Bayern-Manager als "absolute Katastrophe".

1860 noch mit sich selbst beschäftigt

Auch von den Sechzigern erwartet Hoeneß rechtliche Schritte gegen Ex-Führung und Baufirma: "Das ist kriminell. Es wurde der eigene Verein geschädigt." Auf Seiten des TSV ist dazu aber noch keine Entscheidung gefallen. Dabei geht es für Hoeneß nicht mehr nur um die Bestechungssumme von angeblich 2,8 Millionen Euro. Eine Prüfung soll ergeben, ob der Baupreis der Arena von 280 Millionen nicht "20 bis 30 Millionen Euro billiger" hätte sein können. Schon zuvor hatte der deutsche Rekordmeister seine Anwälte mit der Prüfung einer Zivilklage gegen den Hauptbeschuldigten Karl-Heinz Wildmoser junior beauftragt.

Hoeneß attackiert heftig Wildmsoer sr.

Mit dem abgetretenen Wildmoser senior ging Hoeneß ins Gericht. Lange habe man "seine barocke Figur und sein Auftreten" toleriert. Nach den öffentlichen Anschuldigungen gegen Franz Beckenbauer ("Steuergeschichten") und Karl-Heinz Rummenigge sowie der Darstellung des eigenen Handelns als "Kavaliersdelikt" habe man sich aber zum Konfrontationskurs entschieden. "Das alles ist katastrophal für das Image des Fußball", sagte Hoeneß. Ob die Absage der Bayern an eine weitere Zusammenarbeit mit dem 64-Jährigen zu dessen Rückzug beigetragen habe, wollte Hoeneß nicht beurteilen.

FC Bayern federführend bei Neuordnung der Allianz Arena

Bei der bevorstehenden Neuordnung der Allianz Arena München Stadion GmbH hat der FC Bayern längst das Ruder übernommen. Die Diskussion um die Besetzung der vakanten Geschäftsführer-Posten verdeutlicht das Ende der lange als harmonisch geltenden Kooperation der Lokalrivalen als Partner beim Stadionbau. Neben dem designierten Geschäftsführer Bernd Rauch als Bayern-Vertreter für den aus gesundheitlichen Gründen ausgeschiedenen Fritz Scherer soll kein Platz mehr für einen "Löwen"-Mann sein.

"Es muss doch dieses Proporzdenken aufhören, dass es unbedingt einer von da und einer von da sein muss - es müssen die besten dort rein. Und wir glauben, dass wir die Besten dafür haben", sagte Hoeneß in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung". .Der Bayern-Manager plädierte für eine "neutrale Person". Die Sechziger hingegen gehen nach der Abberufung von Wildmoser junior davon aus, selbst einen Nachfolger für die Spitze der Stadion GmbH vorschlagen zu können. "Alles andere wäre mir neu", sagte der neue Präsident Karl Auer.

Eine für Mittwoch anberaumte Gesellschafterversammlung wurde vom TSV kurzfristig abgesagt. Man habe im Moment zu viele "Baustellen" hieß es. Neben einem Kandidaten für das Stadion-Amt suchen die "Löwen" auch nach einem Geschäftsführer für ihre Fußball-Abteilung. Weiterhin wird der Ex-Manager von Borussia Mönchengladbach und VfB Stuttgart, Rolf Rüssmann, als heißer Kandidat gehandelt. Man werde über diese Thema reden, lautete die vorläufige Sprachregelung.

Arne Richter und Andrea Wimmer/DPA DPA

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