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Niederlage in der Champions League: Wie man den FC Barcelona knackt

Auch ein FC Barcelona darf mal verlieren. Nur vielleicht nicht gerade im Champions-League-Achtelfinale. Vor allem die Art und Weise erinnerte an das Ausscheiden im vergangenen Jahr.

Seit fünf Jahren in Folge ist der FC Barcelona Dauergast im Champions-League-Halbfinale. Zweimal ging es danach ins Endspiel und zweimal gewannen die Spanier den Pokal. Dieses Jahr aber steht die beste Vereinsmannschaft der Welt bereits im Achtelfinale vor dem Aus. Ein Ghanaer und ein Berliner mit ghanaischen Wurzeln in Diensten des AC Mailand sorgten für die faustdicke Überraschung in der ersten K.o.-Runde des Landesmeisterpokals: Kevin-Prince Boateng und Sulley Ali Muntari schossen die Italiener zum Sieg - dem ersten gegen die Übermannschaft seit neun Jahren.

Im Mailänder San Siro-Stadion saß auch Jerome Boateng, Bruder des ersten Torschützen. "Forzaaaaa Kevin. Congrats to my Brothers Goal and the Big Win", jubelte der erkrankte Bayern-Verteidiger via Twitter nach dem Spiel. Zusammen mit den anderen 80.000 Zuschauern sah er, wie die katalanischen Gäste gewohnt den Ball in ihren Reihen zirkulieren ließen, aber eben auch nicht mehr zustande brachten. Exzellent eingestellt, taktisch hervorragend agierten die Spieler des AC, anders gesagt: Sie standen hinten drin, hetzten Mann um Mann auf Barca-Superstar Lionel Messi und ließen ihm und seinen Mitspielern keine Chance.

Boateng hätte auch zwei Tore schießen können

Zwar hatten die Gäste wesentlich mehr Ballbesitz (65 Prozent), konnten aber nichts damit anfangen. Den Barca-Strategen Xavi und Andres Iniesta fiel nichts ein gegen die tief gestaffelte Deckung der Gastgeber. Messi rannte sich mit seinen Dribblings zu oft fest. Das Ergebnis: Die Katalanen hatten nur eine Torchance im gesamten Spiel durch einen Schuss von Iniesta - erst in der 77. Minute. Da stand es aber bereits 1:0 für die Rot-Schwarzen durch Boateng in der 56. Minute, er hätte aber auch schon zwei Tore schießen können. Doch sein Direktschuss nach einer Ecke in der 16. Minute flog knapp am Tor der Spanier vorbei.

Nach dem ersten Treffer ergab sich Barcelona seinem Schicksal: Gegen zehn Mailänder, die den eigenen Strafraum umzingelten, wollte und konnte das Starensemble aus Spanien nicht ausrichten, vor allem nicht gegen einen überragenden Kevin-Prince Boateng. In der 81. Minute machte dann Muntari mit dem 2:0 den Sack zu und die Überraschung perfekt.

Das Rezept, Barcelona zu schlagen

Der FC Barcelona muss im Rückspiel zu Hause am 12. März einen Kraftakt leisten, um doch noch eine Runde weiterzukommen. Sollten die Italiener nur ein Tor erzielen, müssten die Katalanen schon vier schießen, um auch im sechsten Jahr in Folge das Halbfinale anvisieren zu können. Einige Experten, wie Jens Lehmann, diagnostizierten nach dem Match Überheblichkeit. Barcas Innenverteidiger Gerard Piqué sagte: "Das ist kein gutes Ergebnis. Wir haben nicht gut gespielt, dafür gibt es keine Entschuldigung." Das größere Problem in zwei Wochen dürfte eher sein, dass der AC Mailand nun ein erprobtes Rezept hat, wie man den Favoriten besiegen kann. Es ist das gleiche, mit dem vergangenes Jahr Chelsea Barcelona aus dem Turnier gekickt hat: einfach hinten alles zustellen.

nik/DPA / DPA

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