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Polen-Hools: Zehn Jahre Haft für die härtesten Hooligans Europas

In Polen randalieren die schlimmsten Schläger des Kontinents. Mit drakonischen Strafen will die polnische Polizei die Szene in Schach halten. Nachteil: Über das deutsche Strafrecht können die Polen-Hools nur lachen.

Flaschen und Steine fliegen den Polizisten und Grenzbeamten am deutsch-polnischen Grenzübergang entgegen. Wasserwerfer fahren vor dem Fanbus auf. Die martialische Szene ist diesmal nur eine Übung. Wie in Swiecko bereiten sich in diesen Wochen hunderte Polizisten und Grenzschützer im deutsch- polnischen Grenzgebiet auf den "Ernstfall WM" vor. "Wir gehen davon aus, dass tausende Fans aus Polen zur Fußball-WM fahren", sagt Mariusz Skrzynski, Sprecher des Grenzschutzamtes in Gorzow Wielkopolski (Landsberg). "Leider könnten darunter viele sein, für die der Sport zweitrangige Bedeutung hat."

Bereits mehrere Tote bei Hooligan-Kämpfen in Polen

Schon seit Ende vergangenen Jahres versucht ein Sonderstab der polnischen Polizei in Zusammenarbeit mit den deutschen Behörden, ein Gewaltproblem bei der WM zu verhindern. Doch die Zeit drängt und kaum ein Wochenende vergeht in Polen ohne neue Berichte über brutale Auseinandersetzungen rivalisierender Fußballfans. In den Kämpfen der Hooligans gab es bereits mehrere Tote. Die Ordnungsdienste in den Stadien bekommen es oft selber mit der Angst zu tun, wenn sie während des Matches einschreiten müssen. In vergangenen Jahren machten Hooligans Schlagzeilen, die ein Polizeirevier belagerten und zu stürmen versuchten, um die Freilassung festgenommener Gewalttäter zu erpressen.

Der polnische Justizminister Zbigniew Ziobro will die gewalttätigen Fans mit härteren Gesetzen abschrecken. Das polnische Parlament muss über einen Gesetzentwurf entscheiden, der die Einführung von Schnellgerichten vorsieht. Innerhalb von 24 Stunden sollen sich Gewalttäter dauerhaft hinter Gittern finden. Der polnische Fußballverband begrüßt das Projekt. Verbandspräsident Michal Listkiewicz dachte bereits laut über Gefängniszellen und Gerichtsräume in den Stadien selbst nach.

Der Ligaverband will nicht zurückstehen: Er reichte eigene Vorschläge für eine Verschärfung der Gesetze ein. Wer Gegenstände auf das Spielfeld wirft, muss danach mit bis zu zehn Jahren Haft rechnen. Außerdem will Liga-Präsident Andrzej Rusko Gewalttäter an den Pranger stellen - die Bilder von Hooligans sollen auf der Internetseite der polnischen Polizei landesweit veröffentlicht werden. Mit einem weltweiten Stadionverbot und der Pflicht, sich während des Spiels auf dem zuständigen Polizeirevier melden zu müssen, will der Ligaverband gewaltbereite Fans zusätzlich abschrecken.

Eva Krafczyk/DPA / DPA

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