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Rechteverkauf: Premiere abonniert Champions League

Ab der nächsten Saison werden die Champions-League-Spiele nur noch bei Premiere zu sehen sein. Der Bezahlsender hat die Rechte an der Fußball-Königsklasse gekauft - überlegt allerdings, Spiele im neuen, eigenen Free-TV-Sender zu zeigen.

Die Fußballfans müssen sich auf eine reduzierte TV-Berichterstattung von der Champions League einstellen und können von 2006 an viele Topspiele nicht mehr im frei empfangbaren Fernsehen schauen. Der Bezahlsender Premiere hat sich am Dienstag sämtliche deutschen Live-Rechte bis 2009 gesichert und will zukünftig die wichtigste Partien jedes Spieltages ausschließlich im Pay-TV senden. Spitzenbegegnungen wie Bayern München gegen Chelsea oder Real Madrid können dann nur noch wenige Anhänger sehen.

Während Premiere-Chef Kofler gutgelaunt einen eigenen Free-TV- Kanal ankündigte, warnte der bisherige Champions-League-Sender Sat1 vor einem Ausschluss vieler Anhänger. "Das ist schade für uns, aber auch für den Fußballfan", so Kristina Faßler, Sprecherin von Sat1: "Es wird einen Großteil Zuschauer geben, die künftig von der Champions League ausgeschlossen sind, weil sie sich kein Premiere leisten können oder den Free-TV-Sender nicht sehen können."

Der neue Rechteinhaber will einen frei empfangbaren Sender kaufen oder aufbauen, um dort 13 Spiele live und ohne zusätzliche Gebühren zu zeigen. "Ein reichweitenstarker Sender ist nicht auf dem Markt", sagte Faßler. "Wir haben eine Hand voll Optionen", sagte Premiere- Chef Georg Kofler der Nachrichtenagentur DPA.

"Für den deutschen Fußball ist der Abschluss eine gute Nachricht", sagte Kofler weiter. Die deutschen Spitzenmannschaften könnten sich auf höhere Ausschüttungen aus dem Uefa-Topf einstellen. Über den Kaufpreis vereinbarten der Europäische Fußballverband und Premiere Stillschweigen. Nach Schätzung in Branchenkreisen könnte der neue Lizenznehmer etwa zehn bis 15 Prozent mehr bezahlen als Sat1 und Premiere bisher gemeinsam für die Rechte ausgeben haben. Damit würde das Drei-Jahres-Paket insgesamt an ein Volumen von 200 Millionen Euro heranreichen.

Von der Saison 2006/2007 an kann sich Premiere - wie derzeit noch Sat1 - die Top-Begegnung des Spieltages herauspicken und im Bezahlsender für die Abonnenten exklusiv zeigen. Eine weitere Partie soll im frei empfangbaren Fernsehen live übertragen werden. Auch hier hat der Premiere-Konzern für seinen geplanten neuen Sender die freie Wahl.

Premiere an Verknappung des Angebots interessiert

Laut Kofler muss es sich dabei nicht unbedingt um ein Spiel mit einer deutschen Mannschaft handeln. Premiere sei zwar an einer Verknappung des Angebots interessiert, um sein Pay-TV zu stärken. Dennoch sei man aber durchaus daran interessiert, dass auch im freiempfangbaren Fernsehen ein attraktives Spiel zu sehen ist. "Es ist auch unser Interesse, dass die Popularität der Champions League da ist."

Im Anschluss an die Live-Spiele soll es künftig eine große Zusammenfassung der anderen Spiele bei Premiere geben. Erst danach werden wohl die übrigen Zuschauer eine Chance haben, etwas von den anderen Spielen zu sehen.

In den vergangenen Monaten war immer wieder spekuliert worden, dass Premiere das Deutsche Sportfernsehen (DSF) kaufen könnte. Theoretisch könnte Premiere aber auch einen anderen kleinen Sender kaufen und zu einem Sportsender machen. Sollte Premiere keinen Sender kaufen oder aufbauen, hat die Uefa die Option, die Lizenz für Free-TV-Spiele an einen anderen Sender weiter zu geben.

Michael Rossmann, Axel Höpner/DPA / DPA

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