Schalke 04 Kuranyis Zeit läuft ab


Nur auf eines ist in diesen Tagen bei Schalke Verlass: Irgendein Spieler hat immer was zu mosern. Mit der Disziplin ist es bei den Königsblauen nicht weit her. Der jüngste Fall: Kevin Kuranyi dachte laut über seine Zukunft nach. Dabei besteht akute Absturz-Gefahr. Sportlich läuft es so schlecht wie seit Jahren nicht.
Von Tim Schulze

Kevin Kuranyi hat es dieser Tage nicht leicht. Sein Dienstherr ließ den Schalker Torjäger mit dem Wunsch ablitzen, den Club zu verlassen. Am vergangenen Wochenende, kurz vor Ende der Transferperiode, bat Kuranyi Manager Andreas Müller um die Freigabe. Müller, der gerade erst die Mittelfeldspieler Fabian Ernst und Albert Streit hatte ziehen lassen, blieb in der Personalie hart, schließlich braucht Schalke den ehemaligen Nationalspieler noch. Kuranyi ist der einzige Schalker Stürmer, der Tore schießt.

Dabei versucht Müller nach den vielen Fehleinkäufen, die ihm angelastet werden, und der miserablen sportlichen Bilanz, eine neuen Kurs zu fahren. Der Kader wurde in der Winterpause um fünf Spieler reduziert. Der Gelsenkirchener Club betätigte sich diesmal nicht als großer Einkäufer. Im Gegenteil: Es wurde kräftig ausgemistet, unzufriedene Profis durften gehen, die öffentliche Kritik an den eigenen Mitspielern während der Winterpause durch Jermaine Jones und Gerald Asamoah wurde geflissentlich überhört.

Keine Ruhe auf Schalke

Trotzdem kehrt keine Ruhe ein. Der offensichtlich gefrustete Kuranyi führte die Schalker Bosse jetzt öffentlich vor und zeigte, dass es mit der neuen Linie auf Schalke nicht weit her ist. Am Montag erschien im "kicker" ein Interview, in dem Kuranyi die Befürchtung äußerte, dass ihn der Club verkaufen wolle. Einen Tag später folgte der wohl erzwungene Rückzieher auf der Club-Homepage: "Für mich ist klar: Ich will mich hier bei Schalke durchsetzen und beweisen".

Aber der Versuch misslang, den lodernden Brandherd zu löschen. Fast gleichzeitig gab der redefreudige Torjäger im DSF zum Besten: "Wir werden sehen, ob der Verein auf mich zählt und ob ich auf dem Verein zähle." Die Tendenz ist klar: Kuranyi will weg, spätestens im Sommer macht der ungeliebte Stürmer den Abgang.

Sportlich droht der Absturz

Tatsache ist, dass es auf Schalke sportlich so schlecht wie seit Jahren nicht läuft. Nach dem Scheitern in der Champions-League-Qualifikation folgte das Aus in der Uefa-Cup-Zwischenrunde. Zum Rückrunden-Auftakt gab es eine Pleite gegen Hannover. Nach 18 Spieltagen liegt der Verein auf dem neunten Rang, weit entfernt von den internationalen Plätzen. Das Wort Meisterschaft ist bei den Königsblauen mittlerweile ein Tabu.

Im Sommer wollen Manager Müller und Trainer Rutten den Kader weiter umbauen: "Wir müssen frisches Blut rein bekommen. Neben Spielern wie Jones und Westermann muss eine Mischung aus Erfahrung und Hunger bestehen", sagte Müller der "Sport Bild". Sicher ist, dass kaum Geld für teure Spitzenspieler bereit steht. Die Qualifikation für die lukrative Einnahmequelle Champions League ist in weite Ferne gerückt. Der Etat soll von 55 Millionen um 20 Prozent auf 44 Millionen gesenkt werden. Wird Schalke sich den Spitzenverdiener Kuranyi in der nächsten Saison überhaupt noch leisten können?


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