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Bundesliga im Check: FC Schalke 04: Ein bisschen Magath und ganz viel Raúl

Vergangene Saison war der Trainer noch der Star auf Schalke. Nun blicken alle Augen auf Raúl und nicht auf Felix Magath. Der Spanier gilt als größter Transfer der Vereinsgeschichte. Doch ein Raúl alleine wird nicht reichen - die Königsblauen haben einige Baustellen.

Von Daniel Barthold

Was ist neu?
Einiges. Nirgends wurde so prominent ein-und verkauft wie auf Schalke. So konnte der Vize-Meister den bisher spektakulärsten Transfer der Saison an Land ziehen: Stürmer Raúl kam von Real Madrid. Auch Ex-Nationalverteidiger Christoph Metzelder wechselte von den Königlichen nach Gelsenkirchen. Der torgefährliche Erik Jendrisek kam aus Kaiserslautern, Tim Hoogland zog es von Mainz 05 zurück zu Schalke. Aus Piräus wurde der griechische Abwehrspieler Kyriakos Papdopoulos verpflichtet.

Etwas überraschend ließ Trainer Felix Magath Heiko Westermann ziehen. Der Franke wechselte für 7,5 Millionen Euro zum Hamburger SV. Ebenfalls gen Hamburg zogen Gerald Asamoah und Zambrano – allerdings zum FC St. Pauli. Abwehrspieler Marcelo Bordon schnürt die Schuhe nun in Katar bei Al-Rayyan, Kevin Kuranyi wechselte ablösefrei zu Dynamo Moskau und Rafinha verließ Schalke in Richtung Genua.

Wichtige Neuerung außerhalb des Platzes: In der sportlichen Führung wird Horst Heldt neben Felix Magath verantwortlich sein. Heldt ist wie Magath auch Mitglied des Vorstandes.

Was ist gut?
Mit Felix Magath ist ein absoluter Erfolgstrainer am Werk, der seinen Kader hundertprozentig im Griff hat. Er hat der Mannschaft Geduld eingeimpft: Auch wenn es nicht rund läuft, macht sich Schalke nicht verrückt, spielt seinen Stiefel runter bis zum 1:0 oder 2:1.

Mit jungen Spielern wie Höwedes, Baumjohann, Neuer oder Rakitic schaffte es Magath so immerhin zum Vizemeistertitel. Ein Vorteil der starken Saison: Die Champions League bringt den Schalkern viel Geld und der Klub ist nun auch bei internationalen Stars beliebt. Der Transfer von Raúl könnte trotz dessen fortgeschrittenem Alter ein Glücksgriff gewesen sein. Der Stürmer traf bereits im Ligacup und bringt eine Menge Erfahrung mit.

Und wenn es aus dem Spiel heraus nicht läuft: Die Ausbeute bei Standards ist sensationell auf Schalke. Nur Werder Bremen kann da mithalten.

Manuel Neuer entwickelt sich prächtig. Unnötige Ausflüge aus dem Tor unternimmt er kaum noch, die gute WM wird ihn weiter stabilisieren. Auch andere Youngster werden sich weiterentwickeln und in diesem Jahr noch stärker spielen als 2009/10.

Was ist schlecht?
Das Offensivspiel und die Torausbeute. Von den vier besten Teams hatte Schalke in der Vorsaison das schlechteste Torverhältnis. 53 Tore sind eines Vizemeisters nicht würdig, und mit Kuranyi ist der einzige Torjäger weg. Raul allein ist zu wenig Sprich: Jefferson Farfan und Jendrisek stehen in der Pflicht.

Zudem ist die in der vergangenen Saison so starke Abwehr kräftig durchmischt. Bordon, Westermann und Rafinha sind weg, Christoph Metzelder muss sich erst einspielen. Somit ist die Abwehr vom Sicherheitsgaranten zur Baustelle geworden.

Ebenfalls bedenklich: Aufsichtsratschef Clemens Tönnies und Felix Magath eckten in der Vorbereitung bezüglich Investitionen in Spieler mehrmals an. Weitere Ungewissheit: Wie verkraftet Schalke die Doppelbelastung? Die hatte Schalke in der vergangenen Saison nicht.

Was ist möglich?
Magath hat die Entwicklung des FC Schalke voll im Griff. Junge Spieler gepaart mit erfahrenen Leadern sind eine gute Mischung. Finanziell scheint der Klub trotz Schulden doch größere Sprünge wagen zu können. Doch es gibt viele Unsicherheiten und offene Fragen: Wie findet die Abwehr zusammen? Wie wirkt sich die Champions-League-Teilnahme aus? Ist Raul schon zu alt? So wird es kaum noch einmal für Platz 2 reichen. Für den Titel fehlt ihnen ohnehin das Bayern-Gen – aber das will in Gelsenkirchen ja auch keiner.

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