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Schalke-Krise: Im Land der Ahnungslosen

Der einstige Ruhm vergessen, die Gegenwart chaotisch, die Zukunft grau - der FC Schalke 04 steckt in den Wochen der Wahrheit. Der Aufsichtsrat sucht einen neuen Manager und Trainer, teure Spieler haben keine Zukunft, die Fans haben die Nase voll. Jetzt braucht es perfekte Entscheidungen. So schnell wie möglich.

Ein Kommentar von Jens Fischer

Wer als Fan des runden Leders schon einmal "Auf Schalke" war, wird das sein Leben nicht vergessen. Die "Veltins-Arena" – eine Kultstätte des Fußballs, die Fans im Ruhrpott unvergleichlich. Nun ist das einstige Paradies zum Land der Ahnungslosen verkommen. Verantwortliche wie Präsident Josef Schnusenberg und Aufsichtsratboss Clemens Tönnies haben es fertig gebracht, innerhalb eines knappen Jahres den FC Schalke 04 ins Chaos zu stürzen.

Andreas Müller wurde im Rahmen eines medialen Schaulaufens zum Ex-Manager und Sündenbock degradiert. Trainer Fred Rutten wurde nach einem peinlichen Hick-Hack erst gefeuert, als er im Alleingang vor der Presse bekannt gab, dass er gehen muss. Tönnies und Schnusenberg wirkten überrascht von Ruttens Medien-Offensive und zogen erst am späten Abend die Reißleine. Viel zu spät.

Rutten – ein schräger Abgang

Und auch die wackelige Mannschaft wird überrascht gewesen sein. Die Spieler werden sich ihre Gedanken machen. Wer soll sie jetzt führen? Wer kommt? Wie geht es weiter? Jetzt machen es wieder die alten Bekannten Mulder, Büskens und Reck. Keine gute Basis für den weiteren Saisonverlauf.

Schalke im Nebel. Müller und Rutten sollten schon länger weg. Nach internen Informationen weigerten sich beide. Ein einmaliger Vorgang, der das Durcheinander in der Schalker Führungsetage verdeutlicht. Es ist keine klare Linie zu erkennen. Hat Schalke überhaupt eine Zukunft?

Weg mit den teuren Stars!

Ein knappes Jahr ist vergangen seit dem Champions-League-Viertelfinale gegen den großen FC Barcelona. 40 Millionen haben die Schalker 2008 in der Königsklasse eingespielt, aktuell haben sie sieben Punkte Rückstands auf einen Uefa-Cup-Platz, gar elf auf Platz drei und die Champions-League-Berechtigung. Zudem sind sie in allen Wettbewerben ausgeschieden. Eine Horrorbilanz.

Kein Wunder, dass das momentan 55 Millionen Euro schwere Gehaltsvolumen, das die Schalker zur momentan zweitteuersten Bundesliga-Mannschaft macht, auf 35 Millionen Euro reduziert werden soll. Da müssen ein Kevin Kuranyi oder Rafinha weg – vorbei die Zeiten des Starensembles. Und das auf Schalke!

Ein Fleischfabrikant im Sololauf

Ein Manager und ein Trainer werden jetzt gesucht – aber wer will schon diesen Scherbenhaufen übernehmen? Meisterschaft und Champions League sind ab sofort Tabuthemen, sagt der Aufsichtsratsboss Tönnies, der Fleischfabrikant, der mittlerweile alles im Alleingang macht.

Ein Oliver Kahn, ein Ehrgeiz-Tier, aber ohne Erfahrung am Schreibtisch. Schwer vorstellbar, dass der das packt. Kahn müsste eine komplett neue Mannschaft bauen, ohne große Stars, mit jungen Leuten, perspektivisch denken und über Jahre hinaus. Will Kahn das? Renommierte Alternativen Arsene Wenger oder Otto Rehhagel kämen einer Sensation gleich.

Macht es Veh?

Und dann die Trainerfrage. Sicher eine reizvolle Aufgabe. Tönnies & Co. stehen unter enormen Zeitdruck. Fast zeitgleich mit dem neuen Manager muss ein neuer Trainer her. Armin Veh könnte es werden, meinen viele. Zumindest ist der Stuttgarter Meistercoach einer, der mit jungen Spielern umzugehen weiß. Schließlich sind Neuer, Höwedes, Jones und Westermann die Zukunft bei den Königsblauen.

Schalke braucht den Wandel. Vielleicht ist es jetzt die letzte Chance, die Umkehr noch zu schaffen. Ein professionellerer Führungsstil, perspektivischeres Denken, dazu ein integrer Mannschaftsgeist – so heißen die Herausforderungen. Nicht gerade einfach zu bewältigen. Umso wichtiger ist es, die richtigen Leute ans Ruder zu bekommen. Schalke brodelt. Die Gefahr einer Explosion ist groß.

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