HOME

Spieler stirbt nach Fan-Attacke: Das große Drama um Star-Stürmer Albert Ebossé

In Algerien bewerfen randalierende Fans die Akteure des eigenen Vereins mit Steinen. Der Spieler Albert Ebossé stirbt an einer Kopfverletzung. Nun kommen Details über die Fan-Szene ans Licht.

Von Felix Haas

Wenige Stunden bevor sie ihn töteten, jubelten sie ihm noch zu. Albert Ebossé, 24, Torschützenkönig der algerischen Liga, Stürmer des beliebten Teams Jeunesse Sportive de Kabylie, erzielte den 1:1-Ausgleich im Spiel gegen USM Alger - und die Fans feierten ihn. Ebossé tanzte um die Eckfahne, die Fans lagen sich in den Armen. Doch die heile Welt währte nur kurze Zeit. Mit dem Schlusspiff brach sie zusammen.

JSK hatte noch einen Treffer kassiert, am Ende stand eine 1:2-Niederlage. Die Laune der Fans im Stadion von Tizi Ouzou, dem Hauptort der Kabylei, kippte schon während des Spiels. Nach dem Abpfiff randalierten die Anhänger im Stadion. Sie brüllten, machten ihrem Unmut Luft - sie warfen mit allem, was sie finden konnten. Mit Papierkugeln, mit Plastikbechern. Und mit Steinen. Einer davon traf Ebossé am Kopf. Der Spieler hatte keine Chance, konnte den Geschossen von der Tribüne nicht ausweichen. Er sackte zusammen - und wachte nie wieder auf.

Fußballverband stellt Ligabetrieb ein

In Algerien hat der Skandal eine gewaltige Diskussion ausgelöst. Die Medien beklagen sich, der Fall sei eine logische Folge der unkontrollierten Fan-Szene. Es heißt, in Algeriens Stadien würden Fan-Proteste toleriert, um soziale Proteste auf der Straße zu vermeiden. Nach dem Motto: Sollen sie doch lieber im Stadion ein bisschen wüten, als den ganzen Staat zu erschüttern. Selbst die Polizei sei eingeweiht, offenbar überlässt sie randalierende Fans weitestgehend sich selbst.

Der nationale Fußballverband reagierte umgehend und stellte den Ligabetrieb vorerst komplett ein. Die Entscheidung betreffe auf unbestimmte Zeit alle Stadien im gesamten Land, teilte der Verband mit. Außerdem sollen Ebossés Familie 100.000 US-Dollar überwiesen werden. Das enstpreche der Summe, die Ebossé während seiner Vertragslaufzeit bei Kabylie noch verdient hätte.

Stadion eine Baustelle

Der Präsident des afrikanischen Fußballverbandes CAF, Issa Hayatou, kündigte Sanktionen an. "Der afrikanische Fußball darf nicht zum Nährboden für Hooligans werden. Gewalt hat keinen Platz im afrikanischen Fußball und im Sport." Man werde alles tun, um Gewalt und alle Formen von Unsportlichkeit auf dem Kontinent zu verhindern. "Zunächst sind meine Gedanken aber bei der Familie und bei den Freunden des jungen Mannes”, sagte Hayatou.

Das algerische Innenministerium kündigte umfassende Untersuchungen zu Ebossés Tod an. Laut der BBC sei das Stadion in der Hauptstadt Algier zum Zeitpunkt des Spiels eine Baustelle gewesen, die wütenden Anhänger seien daher zu einfach an herumliegende Steine und Betonteile gelangt.

Verein weist Schuld von sich

Ebossés Verein JSK steht vor den schwersten Stunden seiner Geschichte. Der Verband denkt darüber nach, das Team von der Meisterschaft auszuschließen. Welche Sanktionen die Mannschaft aus der Region Kabylei gegen die eigenen Fans verhängt, ist noch unklar. Bislang hatte sich der Verein in der Öffentlichkeit verteidigt und die Schuld von sich geschoben: "Es ist nicht der JSK, der die Sicherheit im Stadion gewährt, sondern es ist eine Angelegenheit der Nationalen Sicherheit und damit der Polizei", sagte Club-Vertreter Rachid Azouaou gegenüber französischen Medien, "Steinwürfe kommen nicht nur in Tizi Ouzou vor, sondern in ganz Algerien."

Das könnte Sie interessieren:

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity