Stefan Effenberg exklusiv Sex-Skandal nicht Schuld an Ribérys Ausraster

Nach dem verdienten 1:0-Erfolg der Bayern gegen Lyon gab es vor allem ein Aufregerthema: Die Rote Karte für Franck Ribéry. stern.de-Experte Stefan Effenberg hat dazu eine klare Meinung - genauso wie zu Mario Gomez.

Ja, die Bayern können wirklich stolz sein über den 1:0-Sieg gegen Olympique Lyon. Das war eine starke Vorstellung der Mannschaft von Trainer van Gaal, der sein Team taktisch optimal eingestellt hat. Auch in Unterzahl hatte ich nie das Gefühl, dass die Münchener das Spiel noch aus der Hand geben könnten. Jetzt steht die Tür zum Finale einen Spalt weit auf und ich wünsche mir, dass der Club diese Chance nicht mehr aus der Hand gibt.

Leider ist der Sieg um mindestens ein Tor zu niedrig ausgefallen. Die Chancen waren vorhanden: Olic, Schweinsteiger, Müller - allein diese drei hätten für einen beruhigerenden Vorsprung sorgen können. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann das. In diesem Zusammenhang muss ich noch ein Wort über Mario Gomez verlieren. Der Nationalstürmer ist kein Spieler, der von der Bank kommt und Tore macht. Er braucht Einsatzzeit - und zwar von Beginn an. Gomez hat gar keinen Rhythmus, das war offensichtlich. Er war bemüht, mehr nicht. Für die Bayern existiert kein Problem 'Gomez', sie sind auch ohne ihn gut genug. Für Bundestrainer Löw sehe ich aber diesbezüglich große Probleme auf ihn zukommen. Aber das ist bekanntlich ein anderes Minenfeld.

Zur Person: Stefan Effenberg

Stefan Effenberg, geboren am 2. August 1968 in Hamburg, war einer der besten Mittelfeldspieler der Welt und eine der großen Reizfiguren des deutschen Fußballs. In der Bundesliga bestritt er 370 Spiele für Borussia Mönchengladbach, Bayern München und den VfL Wolfsburg. Von 1992 bis 1994 spielte Effenberg in Italien für den AC Florenz. Mit Gladbach gewann der "Tiger" 1995 den DFB-Pokal, seine erfolgreichste Zeit hatte er allerdings beim FC Bayern. Mit dem Rekordmeister gewann Effenberg als Kapitän drei deutsche Meisterschaften, DFB-Pokal und 2001 die Champions Legaue und den Weltpokal. Effenberg lebt in Miami, USA, und arbeitet als Champions-League-Experte für den TV-Bezahlsender "Sky".

Zurück zur Champions League: Lyon hat mich enttäuscht. Die Franzosen haben miserabel gespielt, vielleicht lag es ja doch an den Reisestrapazen wegen der Aschewolke. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass "OL" zuhause in einer Woche ganz anders auftreten wird. Sie haben in dieser Champions-League-Saison Real und Liverpool sowie Bordeaux bezwungen, so schlecht können sie nicht sein. Und so schlecht sind sie auch nicht. Trotzdem glaube ich in der Endabrechnung an meinen Ex-Club. Denken Sie mal an die wichtigen Spiele der Bayern zuletzt: In Florenz, zweimal auf Schalke, in Leverkusen - der FC Bayern war immer auf den Punkt konzentriert und bereit. Jetzt haben die Spieler ein Finale in der Königsklasse vor sich, da ist die Spannung noch einmal mal um ein Vielfaches höher.

Eines noch zum Schluss: Ich habe mir gestern am Spielfeldrand natürlich auch meine Gedanken zu Franck Ribéry gemacht - besonders nach seinem Feldverweis. Bis zu seiner Roten Karte war er meiner Ansicht nach der beste Bayern-Spieler. Dass das eine harte Woche für ihn war, ist ja unbestritten. Eine mögliche Verstrickung in einen Sex-Skandal und eventuelle strafrechtliche Folgen lassen keinen Menschen kalt. Ich hatte aber nicht das Gefühl, dass ihn diese Geschichte auf dem Platz in irgendeiner Form belastet hat. Offensichtlich konnte er das ausblenden. Das spricht für ihn - als Fußballer. Insofern sollte man jetzt auch nicht das Foul, das zu Recht mit Rot geahndet wurde, in irgendeinen Zusammenhang mit seinem psychischen Zustand stellen. Das wäre kompletter Unsinn.

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