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Blitz-Wechsel "German School of Gegenpressing": Tuchel soll den FC Chelsea zurück zur Spitze führen

Das ging fix: Vier Wochen nach seiner Entlassung bei Paris Saint-Germain nimmt Thomas Tuchel seine Arbeit beim FC Chelsea auf
Das ging fix: Vier Wochen nach seiner Entlassung bei Paris Saint-Germain nimmt Thomas Tuchel seine Arbeit beim FC Chelsea auf
© Franck Fife / AFP
Der FC Chelsea London ist unter Trainer Frank Lampard ins Mittelmaß abgestürzt, jetzt soll Thomas Tuchel die "Blues" wieder zu einem Topteam formen. Die Voraussetzungen dafür sind gut.

Thomas Tuchel und sein neuer Arbeitgeber waren sich offenbar einig, dass der Deutsche seinen Job möglichst schnellt antreten sollte. Also setzte sich Tuchel ins Flugzeug und flog am Dienstag von Paris nach London. Einen Tag zuvor hatte der FC Chelsea die Trennung von Trainer Frank Lampard bekannt gegeben, Tuchel wurde 24 Stunden später als Nachfolger vorgestellt.

Die Zeit drängt. Unter Lampard ist der Londoner Klub ins Mittelmaß abgestürzt. Zuletzt gab es in den vergangenen acht Spielen fünf Niederlagen. Chelsea rutsche auf den neunten Rang ab – eine desolate Lage angesichts der 250 Millionen Euro, die die Vereinsführung unter Sportdirektorin Marina Granovskaia im Sommer in neue Spieler investierte, darunter die deutschen Nationalspieler Kai Havertz und Timo Werner.

Thomas Tuchel soll Chelsea wieder einen Plan geben

Tuchel soll dem Team wieder einen Plan geben und sollte deshalb schon am Mittwochnachmittag die erste Einheit im Trainingszentrum in Cobham vor den Toren Londons leiten. "Ich bin dankbar, jetzt Teil der Chelsea-Familie zu sein – es fühlt sich großartig an", sagte Tuchel laut Klubmitteilung über seine Aufgabe.

Einen Plan braucht die Mannschaft. Lampard scheiterte daran, dem teuren und hochbegabten Ensemble eine klare Spielidee zu vermitteln. Der 42-Jährige hatte erst vor anderthalb Jahren den Trainerjob übernommen. Er sollte Chelsea nach Jahren der gehobenen Mittelmäßigkeit endlich wieder nach ganz oben führen – so wie es er es schon als Spieler getan hatte. 429 Spiele absolvierte für die "Blues", Höhepunkt war der Champions-League-Gewinn 2012. Als Trainer sollte er dem Verein wieder so etwas wie eine eigene Identität verpassen. In der ersten Saison schaffte er es, eine Begeisterung zu wecken, mit der das Team den vierten Platz in der Meisterschaft erreichte. Aber nach den Millionen-Investitionen im Sommer gelang es ihm nicht, eine Ansammlung von Talenten zu einer Einheit zu formen. Offenbar mangelte es ihm an taktischen Gespür und Erfahrung.

Jetzt also Tuchel, der eine Art "Anti-Lampard" darstellt, wie die britische Zeitung "The Guardian" schreibt. Um den Lesern Tuchel zu erklären, charakterisierte sie den 47-Jährigen ironisch, aber passend als "Supernerd," zu dessen "erklärten Hobbys das nächtliche Trinken von Orangenschorle und ein Interesse an Möbeldesign" gehöre. Seine größte Stärke sei es, dass er nicht "Frank ist", gerade weil er professioneller und taktisch versierter sei. Tuchel gehöre er zur "German school of gegenpressing" und stehe für schnelles Umschaltspiel. Die Zeitung untermauerte den Gegensatz mit einem weiteren Unterschied: Tuchel war im Gegensatz zu Lampard kein erfolgreicher Profi und Nationalspieler. Er beendete seine Fußballerkarriere mit 24 Jahren verletzungsbedingt in der 3. Liga. Für ihn war der Job des Trainers immer "etwas, das man lernen und verstehen muss, und nicht etwas, das man macht, weil es sonst nichts mehr gibt oder weil es nach 400 Profispielen der logische nächste Schritt zu sein scheint", wie er es mal ausdrückte.

Tuchel bekommt eine hochtalentierte Mannschaft

Unabhängig von allen Unterschieden spricht viel dafür, dass der Deutsche Chelsea tatsächlich gut tun kann. Er verfügt mittlerweile über große Erfahrung. Mit Borussia Dortmund und PSG hat er zwei große Klubs trainiert. Aus Paris kennt er den Umgang mit Superstars wie Neymar oder Kylian Mbappé. Als einziger Coach gelang es ihm, PSG ins Champions-League-Finale zu führen. Und auch das spricht für ihn: Er hat sich zweieinhalb Jahre trotz aller größter Ansprüche und Widerstände gehalten. Der selbstbewusste Tuchel wird keine Probleme haben, mit der speziellen Chelsea-Kultur unter Besitzer Roman Abramowitsch klarzukommen: Chelsea hat unter Aufsicht des russischen Milliardärs in 17 Jahren für 18 Titel zwölf renommierte Cheftrainer verschlissen.

Ein Vorteil ist auch: Er hat es in seiner neuen Mannschaft nicht mit Diven wie Neymar zu tun, sondern vielfach mit jungen und sehr talentierten Spielern wie Havertz oder dem kreativen Mason Mount. Er trifft dazu auf langjährige Vertraute wie den früheren PSG-Kapitän Thiagao Silva. Mittelfeldspieler Jorginho wollte Tuchel schon nach Paris holen und Angreifer Christian Pulisic trainierte er bereits in Dortmund. Hinzu kommt: "Chelseas Kader bietet, was Tuchel mag: technisch gute und schnelle Spieler. Daraus lässt sich was formen", urteilte der "Kicker".

Quellen. "Süddeutsche Zeitung", "Kicker""The Guardian"


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