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Torwart-Streit: Kahn kontert Lehmann-Vorwürfe

Zwischen den deutschen Pfosten knirscht es mal wieder laut: Diesmal fühlt sich Jens Lehmann von einer "Bayern-Lobby" benachteiligt. Der angegriffene Kahn verweist achselzuckend auf sein Können.

Neuer Wirbel im Torhüter-Duell: Oliver Kahn hat mit Vehemenz Vorwürfe seines Konkurrenten Jens Lehmann zurückgewiesen, dass eine "Bayern-Lobby" Kahns Ambitionen in der Nationalelf unterstütze und Lehmann Steine in den Weg lege.

"Ich weiß nicht, was das nun wieder soll", klagte der 36-jährige Kahn im "Kicker". "Ich glaube nicht, dass ich drei Mal Welttorhüter geworden bin, weil es eine Lobby gab; sondern ich habe mir das alles mit meiner Leistung erarbeitet." Der Bayern-Keeper sprach von Aussagen, "mit denen ich nichts anfangen kann".

Manager Oliver Bierhoff versuchte am Donnerstag im DFB-Teamquartier in Herzogenaurach, den Streit zu entschärfen. Kahn habe lediglich klargestellt, dass sein Ruf als Torwart auf seiner Leistung beruhe. "Jeder weist eben auf seine Stärken hin."

Zugleich gab Bierhoff aber indirekt Lehmann recht: Wenn man wie der 35-jährige Lehmann im Ausland bei Arsenal London spiele, habe man in Deutschland weniger Unterstützung, "also keinen Verein und insbesondere keine Medien-Lobby". Das kenne er aus eigener Erfahrung, sagte Bierhoff, der lange Jahre in Italien gespielt hat.

"Es wird weiter ausprobiert und rotiert."

Zum persönlichen und professionellen Verhältnis der beiden Streithähne sagte der Manager: "Völlige Harmonie kann es unter Torhütern nicht geben." Wenn man aber allein die sportlichen Leistungen Kahns und Lehmanns betrachte, bleibe festzuhalten: "Sie haben sich gegenseitig hochgezogen." Dass es dann noch mehr weh tut, wenn einer pausieren müsse, sei völlig normal, sagte Bierhoff.

Bierhoff stellte klar, dass es noch keine Vorentscheidung des Trainerstabs in der Torhüterfrage zu Gunsten Kahns gebe. "Es hat sich nichts verändert in den vergangenen zehn Monaten. Es wird weiter ausprobiert und rotiert."

Gemäß der jüngsten Anordnung Klinsmanns spielt Lehmann am Samstag im Halbfinale gegen Brasilien; Kahn wird am Mittwoch im Finale oder im Spiel um Platz drei antreten. Das letzte Gruppenspiel gegen Argentinien hatte überraschend der "dritte Mann" Timo Hildebrand bestritten; es war das dritte Länderspiel für den 26-Jährigen vom VfB Stuttgart.

Kahn sagte im "Kicker" zu der Rotationsregelung: "In einem Turnier ist es schon ein bisschen komplizierter, gerade wenn man es gewohnt war, da zu spielen und einen gewissen Rhythmus aufzunehmen. Aber gut, ich muss es eben so nehmen, wie es zurzeit ist."

Torsten Holtz/AP / AP

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