HOME

Trapattoni-Interview: "Ich hege keinen Verdacht"

Nach dem vorzeitigen Aus bei der EURO 2004 spricht der gescheiterte italienische Nationaltrainer Giovanni Trapattoni über seine Enttäuschung und seine Zukunftspläne.

Italien ist mit einem 2:1-Sieg gegen Bulgarien ungeschlagen ausgeschieden. Ist das nicht eine enorme Enttäuschung?

Giovanni Trapattoni: Die Enttäuschung ist natürlich sehr groß. Wir hätten mehr erreichen können bei dieser Europameisterschaft. Wir sind durch ein Hackentor der Schweden ausgeschieden. Das hat uns psychisch nachgehangen. Auch das Auftaktspiel ist immer sehr wichtig. Da haben wir 0:0 gegen Dänemark gespielt. Gegen Bulgarien hatten wir den Sieg verdient. Die Bedingungen waren schwierig. Der Regen hat den Platz tief gemacht. Schwieriger noch wurde alles, weil wir vom Ergebnis des Spiels Dänemark gegen Schweden abhingen. Wir fahren aber erhobenen Hauptes nach Hause."

Ist beim 2:2 zwischen Dänemark und Schweden alles mit rechten Dingen zugegangen?

Das Spiel ist so ausgegangen, wie viele befürchtet haben. Ich hege aber keinen Verdacht. Der italienische Fußballverband wird in keiner Weise gegen dieses Unentschieden bei der UEFA vorgehen.

In Italien sind Sie für viele Sündenbock. Tragen Sie Mitschuld am EM-Aus?

Der Trainer wird immer für alles verantwortlich gemacht. Man kann über alles diskutieren, auch über Auswechslungen, taktische Formationen und Nominierungen. Wir haben sehr viele Torchancen herausgespielt und haben sie nicht genutzt. Wir sollten in Italien aber die Situation von allen Seiten betrachten.

Sie haben Italien um Francesco Totti und Christian Vieri herum aufgebaut, zum wichtigsten Mann aber wurde Antonio Cassano.

Cassano ist Italiens Zukunft. Es war eine große Ehre für mich, ihn mit geformt und an seiner Karriere mitgewirkt zu haben.

Wie sieht Ihre Zukunft aus? Werden Sie als Nationaltrainer zurücktreten?

Mein Vertrag endet am 15. Juli, also praktisch mit dieser Europameisterschaft. Was würde es da für einen Sinn machen, wenn ich jetzt in einem symbolischen Akt zurücktreten würde? Ich danke meinen Jungs. Ich sehe die Zukunft immer als neue Chance. Ich bin für alles bereit.»

Wie lautet eine erste Bilanz Ihrer Karriere als Nationaltrainer so kurz nach dem Ausscheiden bei dieser Europameisterschaft?

Wenn ich mir anschaue, wie diese Europameisterschaft und davor die Weltmeisterschaft gelaufen sind, muss ich schon darüber nachdenken, wie viel Glück ich mit meinen Vereinen hatte und wie durchwachsen es mit der Nationalmannschaft war. Was meine Spieler heute spielerisch und kämpferisch gezeigt haben, hat mich für vieles, was in der letzten Zeit über den Trainer und die Mannschaft gesagt wurde, entschädigt. Die Mannschaft hat die Antwort auf dem Platz gegeben.

Bernhard Krieger/DPA / DPA

Wissenscommunity