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Haft wegen Steuerhinterziehung: Hoeneß beklagt sich: "Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen"

Nach Bekanntwerden seiner Steuer-Affäre zeigte sich Uli Hoeneß als reuiger Sünder. Heute scheint er die Dinge anders zu sehen.

FC-Bayern-München-Präsident Uli Hoeneß

Uli Hoeneß fühlt sich offenbar ungerecht behandelt

Früher mal tat Uli Hoeneß die ganze Sache entsetzlich leid. Kurz nach Bekanntwerden seiner Steuersünden legte der damalige Präsident des FC Bayern München ein mächtig schlechtes Gewissen an den Tag. Er bereue unendlich, was er getan habe, sagte Hoeneß damals in einem Interview mit der "Zeit". Jahrelang habe er das Konto in der Schweiz im Hinterkopf gehabt, die Sache immer wieder bereinigen wollen. Es sei ein "Riesenfehler" gewesen, den er so gut wie möglich korrigieren wolle.

Nun, eine Verurteilung, insgesamt 637 Tage im Gefängnis und eine Wahl zum Präsidenten des FC Bayern später, sieht der 65-Jährige die Dinge offenbar anders. Bei einer Gala-Veranstaltung in Liechtenstein blickte er auf die Geschehnisse zurück - und machte klar, dass er sich in der Sache offenbar ungerecht behandelt fühlt. "Ich bin der einzige Deutsche, der Selbstanzeige gemacht hat und trotzdem im Gefängnis war", sagte er der Schweizer Zeitung "Blick" zufolge bei der Veranstaltung "meet the president" in Vaduz. "Ein Freispruch wäre völlig normal gewesen. Aber in diesem Spiel habe ich klar gegen die Medien verloren". Täglich seien zehn bis zwölf Journalisten vor seinem Haus gewesen, das habe er seiner Familie nicht mehr zumuten wollen. "Wir hätten ja Revision am Bundesgerichtshof machen können. Das wäre vielleicht ein Jahr gegangen. Dann wäre es vielleicht wieder zurück ans Landesgericht gegangen. Dann wäre vielleicht wieder ein Jahr vergangen. So wäre ich vielleicht jetzt noch im Gefängnis."

"Die Medien machen ein Theater, wie wenn wir ein Altersheim hätten"

Am 13. März 2014 war wegen Steuerhinterziehung in Millionenhöhe zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden; am 29. Februar 2016 kam er vorzeitig aus der Haft. "Mein wirtschaftliches Ergebnis bei der Bank Vontobel von 2001 bis 2010 war minus drei Millionen Euro. Ich habe über 40 Millionen Strafe gezahlt, inklusive 18 Millionen Zinsen und 2 Millionen Kirchensteuer",  führte er nun aus. "Trotzdem entschied ich mich, ins Gefängnis zu gehen. Theater gab's nur, bis ich im Gefängnis war. Nach dem zweiten oder dritten Hausbesuch hat mich die Presse danach in Ruhe gelassen."

Auch übers Sportliche fand der 65-Jährige Worte - und auch hier zeigte er sich mit den Medien alles andere als zufrieden. Unter anderem äußerte er sich über das Alter der aktuellen Bayern-Mannschaft, die er nicht gerecht bewertet findet. "Die Medien machen ein Theater, wie wenn wir ein Altersheim hätten. Jedes Mal, wenn der Ribéry nach 70 Minuten raus muss, ruft er mich am Abend an und sagt: 'Jetzt habe ich genug, ich gehe!' Wir haben eine Mannschaft, die ein bisschen in die Jahre gekommen ist, aber für mich gibt's keine alten oder jungen Mannschaften, sondern nur gute und schlechte", erklärte er.


car/DPA

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