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Vorspiel: Es wird heiß werden

Sorgen um Nowotny und Rätselraten über den Gegner - doch mehr als die Personalprobleme und den Kontrahenten Lettland fürchtet Völler beim zweiten EM-Spiel die äußeren Bedingungen.

"Es ist sehr heiß, und das kann ein ganz großer Gegner sein", sagte der Teamchef, der mit seinen Nationalspielern am Freitagmittag nach dem knapp einstündigen Flug aus Faro bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen von 25 Grad in der nordportugiesischen Stadt eintraf.

Nowotny wieder mit Knieproblemen

Den Prognosen der Meteorologen auf eine Abkühlung bis zum Anpfiff am Samstag (18.00 Uhr/ARD) wollte Völler nicht trauen. Stattdessen bereitete der 44-jährige mit zuletzt zwei Trainingseinheiten zur Anstoßzeit um 17.00 Uhr Ortszeit sein Personal auf den bevorstehenden Kraftakt gegen den Turnier-Neuling vor. An dem kann sich Abwehrchef Nowotny höchstwahrscheinlich nicht beteiligen. Der Defensivspieler von Bayer Leverkusen klagt seit dem 1:1 beim EM-Auftakt gegen die Niederlande über Beschwerden im zwei Mal operierten rechten Knie.

Über Schwere und Ursache der Verletzung machten die Beteiligten widersprüchliche Angaben. Völler sagte, der Verteidiger habe gegen die Niederländer einen Schlag aufs Knie erhalten, es sei "im Prinzip nichts Tragisches". Nowotny sprach dagegen von einer rein vorbeugenden Maßnahme: "Ich bin vorsichtiger geworden. Schmerzen, die ich früher als belanglos angesehen habe, nehme ich inzwischen ernster", sagte der Abwehrchef.

Für den 30-Jährigen wird wohl der Bremer Frank Baumann vom Mittelfeld ins Abwehrzentrum rücken und gemeinsam mit Arne Friedrich, Christian Wörns und Philipp Lahm die Viererkette bilden. Der Berliner Außenverteidiger Friedrich musste zwar im Training ebenfalls kürzer treten, ist aber nach Aussage von Völler fit: "Er kann spielen." Im Mittelfeld muss Michael Ballack, gegen die Niederlande noch die Offensivkraft neben Kuranyi, an der Seite von Torsten Frings und Bernd Schneider sowie abgeschirmt von Dietmar Hamann mehr defensive Aufgaben übernehmen. Dabei muss der Münchner kühlen Kopf bewahren, denn ebenso wie Kuranyi würde er bei einer weiteren Verwarnung im Gruppenfinale gegen Tschechien ausfallen.

"Die klassischen Gesetze im Fußball"

Mit einem ausführlichen Videostudium machte Völler seine Mannschaft mit den namenlosen Letten bekannt und warnte eindringlich davor, die gegen die Niederlande erarbeitete Ausgangsposition durch einen laschen Auftritt zu gefährden. "Es sind die klassischen Gesetze im Fußball, dass man nach einem guten Spiel nicht leichtsinnig werden darf", sagte Völler. Angesichts der befürchteten Bedingungen müsse jeder bereit sein, den inneren Schweinehund zu besiegen. "Da ist nicht nur Spielkultur angesagt, sondern ganz großer Charakter." Wer den nicht zeige, setze seinen Platz für das EM-Gruppenfinale am Mittwoch gegen Tschechien aufs Spiel. "Wenn die Voraussetzungen nicht stimmen, wird es beim übernächsten Spiel eine Überraschung geben. Wir spielen hier nicht gegen Malta", mahnte der gereizt wirkende Völler.

Hoffen auf ein schnelles Tor

Weil die Elf aus dem Baltikum aber auch nicht zur ersten Kategorie Europas zählt, wird der Vize-Weltmeister mehr Initiative in der Offensive zeigen müssen als gegen die Niederländer. "Die stehen knochenhart hinten drin. Das wird nicht einfach", befürchtete Fredi Bobic, der als zweite Spitze neben Kevin Kuranyi eingebaut werden dürfte: "Ein schnelles Tor würde uns enorm helfen."

Nowotny fürchtet eher ein zähes Ringen um den zum Weiterkommen bitter nötigen Sieg. "Es wäre fahrlässig zu glauben, gegen Lettland klappt es im Hurra-Stil, die putzen wir mal eben weg. So geht es nicht", meinte der 44-malige Nationalspieler: "Wir dürfen auf keinen Fall den Fehler begehen, auf Kosten der Disziplin nach vorn zu stürmen." Auch Völler schwor seine Elf auf einen Kraftakt ein und machte ihr bewusst, dass bei einem Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied schon ein Remis gegen die Tschechen zum Viertelfinal- Einzug genügen würde.

Denn in der Schlussphase, so die Rechnung im DFB-Stab, liegen die körperlichen Trümpfe beim dreimaligen Europameister. "Man muss topfit sein bei einem solchen Turnier. Das sind wir", meinte Völler. Auf der anderen Seite waren die Letten bereits gegen Tschechien in der Nachmittagssonne von Aveiro nach einer Stunde eingebrochen. Da hatten sie noch mit 1:0 geführt - am Ende stand es 1:2.

Oliver Hartmann und Jens Mende/DPA / DPA

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