Was meinen Strunz? Ätsch bätsch, da sind wir wieder

Ja is denn heut scho Weihnachten? Noch nicht ganz, aber mit dem Urknall-Sieg gegen Real Madrid haben sich die Bayern auf jeden Fall schon mal selbst reichlich beschenkt. stern.de-Experte Thomas Strunz glaubt jetzt an einen Durchmarsch - und zittert vor ManU.

Die Bayern haben es also wieder einmal geschafft. Gegen ihren Lieblings-Gegner der vergangenen Champions-League-Jahre, Real Madrid, setzte sich der deutsche Rekordmeister in einem bis zur letzten Sekunde spannenden Achtelfinal-Rückspiel durch. Dabei erwischten die Münchener mit dem Blitztor von Makaay einen Auftakt nach Mass. In der Folgezeit waren die völlig verunsicherten Madrilenen hoffnungslos unterlegen, doch die Münchener verpassten es, schon frühzeitig für Beruhigung zu sorgen.

Erst nach 30 Minuten und der Auswechslung des katastrophal spielenden Brasilianers Emerson, der nur noch ein Schatten vergangener Tage ist, bekam Real Madrid das Spiel besser in den Griff. Angetrieben vom eingewechselten Guti und von Kapitän Raul erspielten sich die Spanier einen deutlichen Feldvorteil. Man merkte in dieser Phase, dass die Bayern anfingen, nachzudenken. Sie realisierten, dass man mit diesem Zwischenergebnis weiter wäre. Und genau das schlägt auf die Psyche. Ich erinnere mich selbst noch an diverse Spiele, in denen wir einen Rückstand aufholen mussten. Als dies gelungen war, gab es einem Bruch im Spiel und wir reagierten nur noch, anstatt weiter aktiv zu bleiben.

Alles ist drin für die Bayern

Als das 2:0 durch Lucio fiel, dachte jeder die Entscheidung wäre gefallen. Doch der FC Bayern zog sich wieder zurück und ließ die Spanier abermals aufkommen. Dennoch war es am Ende ein verdienter Sieg. Die Mannschaft zeigte sich im Vergleich zu den letzten Monaten deutlich verbessert. Insbesondere Lukas Podolski scheint durch die Hilfe von Ottmar Hitzfeld wie befreit und strahlt endlich wieder so etwas wie Spielfreude aus. Aber dazu später mehr.

Insgesamt wirkt das Team gefestigter und ich bin mir sicher, dass dieser Sieg gegen Real Madrid auch für die nationale Meisterschaft einen Schub auslösen wird. Die Mannschaft glaubt an die Vorgaben des Trainers und hat Erfolg. Dies führt zu einer positiven psychologischen Entwicklung. Diese Dynamik, die daraus in einem Team mit der Qualität des FC Bayerns entstehen kann, lässt auch für den Titelkampf in der Bundesliga noch alles möglich erscheinen.

Lyons Ausscheiden die größte Überraschung

Ich habe in meiner letzten Kolumne zum Hinspiel geschrieben, dass ich bei einigen Bayern-Spielern den absoluten Willen vermisst habe. Insbesondere bei Lukas Podolski. Den Zuspruch den der Ex-Kölner so lange vermisst hat, bekommt er jetzt durch den neuen Trainer Ottmar Hitzfeld, und er beginnt dies mit Leistung zurück zu zahlen. Hoffentlich geht er diesen Weg weiter und lässt sich nicht beirren. Noch hat er freilich nichts erreicht.

Die größte Überraschung gab es aus meiner Sicht nicht in Liverpool zu bestaunen, wo es den Briten gelang, den amtierenden Titelträger FC Barcelona auszuschalten, sondern in Lyon. Geheimfavorit Olympique Lyon musste gegen die Roma die Segel streichen. Damit konnte man gerade auch nach dem Hinspielergebnis (2:2) nicht rechnen. Über Barca braucht man eigentlich keine großen Worte mehr zu verlieren. Die Katalanen haben momentan einfach nicht die Form, um gegen ein starkes Team wie Liverpool zu bestehen.

Eindhoven blamiert Arsenal London

Unterm Strich bleibt nach dem Achtelfinale festzuhalten, dass sich noch kein Top-Favorit auf den Titelgewinn in der Königklasse herauskristallisiert hat. Auch der FC Chelsea mit seinem Millionen-Kader hat gegen das vermeintlich kleine FC Porto lange Zeit schlecht ausgesehen. Richtig Angst muss man vor der Truppe nicht haben. Erfreulich ist, dass auch ein Team aus unserem kleinen Nachbarland Holland das Viertelfinale erreicht hat. Der PSV Eindhoven, seit Jahren bekannt für erstklassigen Fußball, hat Jens Lehmanns "Gunners" die Grenzen aufgezeigt. Das macht mir Hoffnung, weil es mal wieder zeigt, dass es doch nicht nur das liebe Geld ist, das Tore schießen kann.

Nun warten wir alle gespannt auf die Auslosung an diesem Freitag. Als nächsten Bayern-Gegner tippe ich übrigens auf Manchester United. Das wäre dann die Neuauflage des Endspiels von 1999. Und da gilt es ja für meinen Ex-Klub noch einiges gut zu machen...


Mehr zum Thema



Newsticker