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WM 2006: Teure Schönheits-OP für WM-Stadien

Mit einem Investitionsvolumen von über 1,5 Milliarden Euro hat Deutschland zwölf Fußball-Tempel in Top-Form gebracht. Pünktlich zu Beginn des Confederations Cups ist auch der teuerste der zwölf WM-Austragungsorte startklar.

Die neue Allianz-Arena in München hat am 30. Mai ihre Tore geöffnet. Während der WM 2006 muss sie aber auf ihren Sponsorennamen verzichten. "Fifa WM-Stadion München" heißt dann die 341 Millionen teure Sportstätte, die für Bayern-Präsident Karl-Heinz Rummenigge schon "fast WM-tauglich" und "das schönste Stadion der Welt" ist. Die Namensregelung gilt auch für die Arenen in Frankfurt, Hamburg und Köln.

Von der Steinzeit in die Zukunft

Fast alle Arenen sind fertig, meist müssen nur noch Kleinigkeiten verbessert werden. "Für den Fußball haben wir die beste Infrastruktur auf der ganzen Welt bekommen", sagte Wolfgang Niersbach, Vize-Präsident des Organisationskomitees, der eine rechtzeitige Fertigstellung der Arenen erfolgreich angemahnt hatte: "Es ist vorgesehen, dass wir in allen Stadien ein Jahr zum Eingewöhnen haben werden."

Anders als bei der WM 1974 haben sich jetzt die reinen Fußball-Arenen durchgesetzt. "Was die Stadien betrifft war die WM 1974 im Vergleich zu heute wie die Steinzeit. Damals gab es ein Fußball-Stadion, jetzt sind es neun", sagte Niersbach. Eine Laufbahn haben nur noch Berlin, Stuttgart und Nürnberg.

Die "Steinzeit" ist vor allem auf den Rängen vorbei. Immer mehr Komfort macht nicht nur Vorfreude auf die Weltmeisterschaft, sondern lockte in der vergangenen Bundesliga-Saison auch deutlich über 11 Millionen Fans an. "Die Zuschauerrekorde in der Bundesliga haben auch etwas mit den neuen Stadien zu tun", erklärte Niersbach und hob gerade die Unterschiedlichkeit der Sportstätten hervor: "Jedes Stadion hat seinen eigenen Charakter, es gab einen gesunden Wettkampf unter den Städten."

Extra-Wurst für die Schwaben

Den "gesunden Wettkampf" beenden die Schwaben entgegen ihrer sonstigen Gepflogenheiten voraussichtlich als Letzte. Die für 53 Millionen Euro ausgebaute Gegengerade des Stuttgarter Stadions wird erst im Dezember in Betrieb genommen. Bis 2001 war bereits die Haupttribüne aufwendig saniert und ausgebaut worden. Eine Ausnahmeregelung gibt es für das Gottlieb-Daimler-Stadion beim Namen. Der Automobilhersteller Daimler hatte vor der Leichtathletik-WM 1993 die Namensrechte des damaligen Neckarstadions gekauft und es umbenannt, die Fifa erkannte den Namen für die WM an.

Zwar war die Erweiterung des Fritz-Walter-Stadions mit 48,3 Millionen Euro die preiswerteste Investition mit Blick auf die WM, doch gab es in der Pfalz mit die größten Schwierigkeiten. Allen Finanzierungsproblemen zum Trotz, die auch zum Rückzug der Bewerbung als Austragungsort für den Confederations Cup führten, soll die schmucke WM-Arena rechtzeitig fertig sein. "Wir werden alle Auflagen von Fifa und OK fristgerecht erfüllen", sagte René C. Jäggi, Vorstandschef des 1. FC Kaiserslautern.

Energie für einen ganzen Ort

Besondere Anforderungen werden an die Stadien hinsichtlich der Stromversorgung gestellt. So muss zum Beispiel die Hamburger Arena für jedes Spiel fünf Millionen Watt Energie bereitstellen, in der Bundesliga reichen zwei. Mit der Energiemenge könnte in der vergleichbaren Zeit ein Ort mit 5000 Einwohnern versorgt werden.

Christian Kunz/DPA / DPA

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