"Was machen Strunz?" - Teil 1 "Darauf können wir aufbauen"


Thomas Strunz, ehemaliger Fußballprofi und Europameister von 1996, kommentiert das WM-Geschehen für stern.de. Das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Costa Rica hat sich der Fußball-Experte ganz genau angesehen.

Endlich !!! Nach sechs Jahren Vorbereitung, Dutzenden Testspielen, endlosen Diskussionen über Trainerwohnort, Torwartfrage und Nominierungsentscheidungen ging es endlich los. Bei Traumwetter und einer finalreifen Stimmung im Stadion begann die deutsche Mannschaft wie im Rausch. Und das ohne Michael Ballack, der den Machtkampf mit Jürgen Klinsmann verlor und noch nicht mal im Kader stand, obwohl er sich selbst fit wähnte. Aus meiner Sicht hat der Bundestrainer hundertprozentig richtig entschieden. Ballack war gesund, aber sicher nicht fit.

Der Powerfußball ab der ersten Sekunde wurde bereits in der 6. Minute mit einem Traumtor von Philipp Lahm belohnt. So stellt man sich eine Heimmannschaft vor. Ohne zu zögern druckvoll in die Offensive. Die Mannschaft schaffte es sofort, die Zuschauer noch weiter zu emotionalisieren. Das war richtig gut und gibt Mut für den weiteren Turnierverlauf. Auch der zwischenzeitliche Ausgleich, der wieder einmal unsere Schwächen im defensiven Mittelfeld und der zentralen Verteidigung aufdeckte, ließ die Mannschaft nur kurz „wackeln“. Das zweite und das dritte Tor durch Klose war nur eine Frage der Zeit. Doch wiederum nutzte Costa Rica unsere Schwächen gnadenlos aus und kam völlig überraschend zum Anschlusstreffer. Doch mit Hilfe der Zuschauer blieb unser Team stabil und schaffte kurz vor Schluss die Befreiung.

Es gab viele positive Dinge in diesem Spiel. Die Mannschaft hat dem Druck der Favoritenrolle standgehalten, sie hat in der Offensive überzeugt und wird mit einem wiedergenesenen Michael Ballack noch stärker werden; die Zuschauer haben das Team fantastisch unterstützt und in entscheidenden Momenten zu unserer Elf gestanden. Das macht Mut.

ABER: Um den Titel zu gewinnen, müssen (!!!) wir defensiv stabiler werden. Und da ist das defensive Mittelfeld besonders gefragt. Torsten Frings hat mich trotz des Traumtores nicht überzeugt. Er gewinnt zuwenig Zweikämpfe und unterbindet keine Pässe in die Tiefe. Da fehlt uns die Aggressivität eines Eilts oder Buchwalds. Beide Gegentreffer fielen durch Pässe aus dem Mittelfeld heraus; nur den Innenverteidigern die Schuld zuzuweisen, ist falsch. Mein Favorit für diese Position heißt, und nicht erst seit heute, Sebastian Kehl. Dennoch: Auf diesen Beginn können wir aufbauen, wir haben drei wichtige Punkte geholt und können jetzt entspannt in die erste WM-Woche gehen.


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