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Paraguay: Fußball - aus purer Lust am Sport

In der kleinen südamerikanischen Fußball-Nation Paraguay ist die Begeisterung für die WM 2006 in Deutschland schon riesengroß. Zwar erwartet im Land kaum jemand, dass die Nationalelf den WM-Titel heimbringen könnte, aber das Erreichen des Achtelfinales gilt als Pflichtübung.

Fast täglich berichten die Medien von der Mannschaft, den Spielern und ihren Vorbereitungen. Paraguay spielt in der Gruppe B zusammen mit den starken Gegnern England und Schweden. Am 10. Juni treffen die Südamerikaner in Frankfurt zunächst auf England.

Von dieser Begeisterung hatte schon Franz Beckenbauer berichtet, nachdem er im Februar auf seiner Einladungs-Reise zu den qualifizierten WM-Teilnehmern rund um die Fußballwelt auch Paraguay besucht hatte. Dort war ihm die höchste Auszeichnung des südamerikanischen Fußball-Verbandes Conmebol, der große Verdienstorden am Bande, verliehen worden. "In Paraguay hat sich noch diese wundervolle Naivität erhalten, Fußball aus purer Lust am Sport zu spielen", bekennt ein argentinischer Fan etwas neidisch.

Fußball ist billig

Fußball ist für die 5,7 Millionen Bürger tatsächlich noch immer die größte sportliche Passion. Dem nationalen Fußballverband APF gehören 47 Clubs an. In der Fußballunion UFI sind noch einmal weitere 200 weitere Provinzvereine organisiert. Trotz des oft extrem heißen Klimas in dem gemächlichen Binnenstaat spielen Hunderttausende regelmäßig Fußball. Entweder in Vereinen oder einfach nur mit Freunden auf dem Bolzplatz.

Fußball ist in der Ausübung eine der billigsten Sportarten, es braucht nur ein freies Feld und einen Ball. Bei 40 Prozent Armut und einem Bruttoinlandsprodukt von durchschnittlich nur etwa 1000 Euro pro Kopf und Jahr ist das ein gewichtiges Argument. Platz gibt es auch genug in dem von Landwirtschaft geprägten Land, das größer als Deutschland und die Schweiz zusammen ist.

Paraguay ist für jeden Gegner gefährlich

Die Gesellschaft Paraguays ist stärker als etwa im Nachbarland Argentinien von Indios geprägt. Die von Ureinwohnern abstammende Bevölkerung umfasst 78.000 Menschen, die 17 verschiedenen Völkern angehören. Ihre Sprache Guaraní ist neben dem Spanischen offizielle Landessprache und wird von 90 Prozent aller Paraguayer im täglichen Leben benutzt. Sollte Nationaltrainer Aníbal Ruíz, der auf den Spitznamen "El Maño" (Bürschchen) hört, seinen Mannen von der Seitenlinie aus auf Guaraní Anweisungen zubrüllen, würden selbst sprachgewandte Gegner nur Bahnhof verstehen.

Für die WM qualifizierte sich Paraguay zusammen mit Brasilien, Argentinien und Ecuador an vierter Stelle. Sein Fußball wird als kraftvoll, zäh, ausdauernd, selbstbewusst und technisch gewandt beschrieben. Qualitäten, die die deutschen Fans bei den Bundesliga-Profis Roque Santa Cruz (Bayern München) und Nelson Valdez (Werder Bremen) bestätigt sehen, während das im Winter nach München transferierte Talent Julio dos Santos vorerst noch ein Versprechen ist. Die Mannschaft Paraguays gilt für jeden Gegner als gefährlich. Am 1. März spielte sie in Cardiff.0:0 gegen Wales. Bis zur WM stehen noch Vorbereitungsspiele gegen Mexiko, Norwegen, Dänemark und Georgien an.

Vom 18. Mai bis 4. Juni wird die Nationalmannschaft in Salzburg trainieren und anschließend ihr WM-Lager im bayerischen Oberhaching aufschlagen. Die Fans zu Hause können sich auf Live-Übertragungen freuen. Und zwar nicht nur im teuren Kabelfernsehnetz, sondern als Fußball auch für die Armen per guter alter Dachantenne.

Jan-Uwe Ronneburger/DPA / DPA

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