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USA: Hoffen auf ein Wunder in "Good old germany"

Die US-Boys sind in den letzten Jahren unter ihrem Trainer Bruce Arena zu einem geschlossenen und ernst zunehmenden Team gereift. Trotzdem werden sie es in einer Gruppe mit Italien und Tschechien schwer haben sich durchzusetzen.

Träumen ist Pflicht. Zumindest wenn US- Nationaltrainer Bruce Arena zu Lehrgängen einlädt. "Nur wer ans Unmögliche glaubt, kann es auch schaffen", philosophiert Arena vor der fünften WM-Teilnahme in Folge. Hollywood lässt grüßen. Das Land der unbegrenzten Möglichkeiten träumt vom "Miracle in Germany" (Los Angeles Times), und selbst der neue Präsident des US-Verbandes, Sunil Gulati, prophezeit "positive Begegnungen, Schwingungen und Auswirkungen" und scheint sich in der Rolle als Traumdeuter pudelwohl zu fühlen: "Zahlen lügen nicht." Fußball, Verzeihung Soccer, stehe vor einem Boom.

18 Millionen Menschen können sich nicht irren. So viele aktive Fußballspieler gibt es inzwischen in den USA. Tendenz steigend. Die Profiliga Major League Soccer (MLS) begann Anfang April ihre elfte Saison, und sogar ein Salzburger Getränkeunternehmen (Red Bull) hat sich inzwischen in die MLS eingekauft. Wenn da nur nicht diese historischen Fan-Umfragen nach den beliebtesten Sportarten wären, in denen selbst die Profi-Bowling-Tour der Frauen in der Popularitätsskala besser abschneidet als die schönste Nebensache der Welt.

Fußball für Fortgeschrittene oder Fußball-Entwicklungsland?

"Warum sollen wir eigentlich nicht Weltmeister werden", fragte ausgerechnet Freddy Adu. Zum Wunderkind hochgelobt, hat der 16 Jahre alte Einwanderer aus Ghana in der MLS längst seine Platz-Reife bewiesen und wird nun als großer Hoffnungsträger einer goldenen Zukunft angepriesen. Dabei ist der Hochbegabte aus Afrika der beste Beweis für das ständige Hin und Her im US-Fußball zwischen Ambition und Sorge, zwischen ewiger Verheißung und trügerischer Hoffnung. Fußball für Fortgeschrittene oder doch kaum mehr als ein Fußball- Entwicklungsland?

"Wir stehen in der Weltrangliste auf Position fünf, und wir stehen zurecht dort. Wer uns immer noch unterschätzt, wird von uns bestraft", sagt Ex-Bayer-Profi Landon Donovan (Los Angeles Galaxy) fast trotzig, und auch er stellt die Frage in den Raum: "Warum sollen wir eigentlich nicht Weltmeister werden?" Deutlich verbesserte Strukturen im Verband, 47 Tage Trainingslager am Stück, ein hochmodernes Trainingszentrum im wetterfesten Kalifornien und Fußball-Kenner Sunil Gulati als neuer starker Mann im Verband sorgen für Aufbruchstimmung und sollen den Betriebsausflug nach "Deutschländ" zur unvergesslichen Dienstreise machen.

Sportfischen hat höhere Einschaltquoten

Die US-Frauen haben es vorgemacht. Mia Hamm und Co. wurden durch ihre Olympiasiege 1996 und 2004 und die WM-Titel 1991 und 99 unsterblich. "Das können unsere Männer auch schaffen. Sie sind wesentlich besser als ihr Ruf. Sie brauchen einfach nur einen großen Erfolg, dann bekommt Soccer in den USA einen Riesenschub", meint Mia Hamm. Bis es soweit ist, wird beim WM-Sender ESPN wohl weiter Sportfischen höhere Einschaltquoten haben als König Fußball.

Trotz der weiterhin relativ geringen Wahrnehmung im eigenen Land, sind die Sicherheitsvorkehrungen des Außenseiters weltmeisterlich. Eine ungenannte Zahl an Bodyguards und sogar FBI-Agenten sollen das Team beim WM-Abenteuer in Deutschland beschützen. Die US-Delegation lässt sich im Zentrum Hamburgs nieder und will von dort aus die Fußball-Welt erobern. Großes Interesse haben die offiziellen US- Reiseveranstalter bei ihren sündhaft teuren WM-Paketen bisher noch nicht vermeldet. Dafür ist die Euphorie bei US-Altstars wie Alexi Lalas und Tony Meola umso größer. Sie werden als Team-Maskottchen und Inspirationsfiguren mitfahren. "Alles ist möglich", erklärte Lalas grinsend, "wartet nur mal ab. Wer nicht träumt, der nicht gewinnt."

Sven Busch, DPA / DPA

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