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Interview mit Cafú: "Das ist keine Revanche"

Acht Jahre nach dem legendären verlorenen Finale trifft Brasilien bei einer WM wieder auf Frankreich. Kapitän Cafú über das Spiel, Ronaldo und die Kritik am brasilianischen Auftreten bisher.

Ist das Viertelfinal-Spiel am Samstag gegen Frankreich die Chance für Brasilien, die 0:3-Niederlage vom Endspiel 1998 wettzumachen?

Cafú: "Nein, das ist keine Revanche. Die Gefühle von 1998 sind überwunden. Es wäre nicht gut, wenn wir mit Rachegelüsten auf den Platz gehen würden. Seit 1998 ist viel passiert. Brasilien ist 2002 Weltmeister geworden und steht nun 2006 im Viertelfinale. 1998 hat Frankreich den Titel verdient gewonnen, 2002 Brasilien. Jetzt treffen wir erneut aufeinander und wollen ein großes Spiel zeigen."

Von damals sind noch einige Spieler übrig geblieben: Sie zum Beispiel, Ronaldo und Zinedine Zidane. Kann man die beiden Mannschaften mit 1998 vergleichen?

Cafu: "Nein, das ist unmöglich. Das sind zwei völlig verschiedene Realitäten. 1998 hat Frankreich besser gespielt, was nicht heißt, dass sie die Besten waren. Aber in diesem Spiel waren sie besser und haben 3:0 gewonnen. Beides sind großartige Mannschaften mit Tradition."

Trotz allem sinnen die Fans auf Revanche

Cafu: "Wir Spieler nicht, das kommt von außen. Intern - und da bin ich mir absolut sicher - redet niemand von Revanche. Wir reden nicht einmal vom Endspiel 1998."

Nach den mysteriösen Vorfällen um Ronaldo gab es damals sogar Verschwörungstheorien. Was sagen Sie heute dazu?

Cafú: "So etwas hat es nie gegeben und wird es nie geben, schon gar nicht bei einer Weltmeisterschaft. Wenn das passieren würde, dann hätte der Fußball seine Glaubwürdigkeit verspielt. Damals machten Gerüchte und Geschichten die Runde, aber passiert ist nur eines: Frankreich hat gewonnen."

Bei einer Niederlage von Frankreich wäre die fantastische Karriere von Zidane zu Ende. Denken die Brasilianer daran?

Cafú: "Es wäre schade, wenn er aufhört. Aber er kann ja seine Meinung noch ändern - unabhängig davon, was Frankreich bei der Weltmeisterschaft widerfährt."

Warum hat Brasilien noch nicht geglänzt?

Cafú: "Wenn wir unser Auftaktspiel gegen Kroatien mit dem Achtelfinale gegen Ghana vergleichen, dann sieht man, dass es eine Entwicklung gegeben hat. Brasilien verbessert sich schrittweise bei diesem Turnier. Wir hoffen, dass wir noch besser werden, aber dafür müssen wir auch weiterkommen."

Können Sie als Kapitän Ronaldinho helfen, damit er seinen Ballzauber zeigen kann?

Cafú: "Ich stelle mich vor alle, sogar vor meine Kinder, wenn sie etwas ausgefressen haben. Auch Ronaldo leistet einen großen Beitrag in der Auswahl, genauso wie Adriano, der zwei Tore gemacht hat, und natürlich auch Ronaldinho. Sie bewegen sich viel, versuchen die sensationellen Dinge zu zeigen, die sie beherrschen. Sie spielen exzellent und machen, was der Trainer will. Für mich spielen sie eine gute WM."

Aufgezeichnet von Ulrike John und Diana Renée, dpa

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