Vierter WM-Triumph Italiener im Weltmeister-Party-Rausch

Der Jubel kennt keine Grenzen: 500.000 Fans versammelten sich in der Nacht am Circus Maximus in Rom. Sie feierten mit den Helden der Squadra Azzurra den WM-Pokal. Viele "Tifosi" haben seit dem Abpfiff des Finales kein Auge zugemacht.

Die triumphale italienische Fußballmannschaft hat am Montag stolz ihren WM-Pokal in der Heimat präsentiert. Mindestens 500.000 Fans versammelten sich am Montagabend rund um den Circus Maximus in Rom, um gemeinsam mit dem Team den Weltmeisterschaftstitel zu feiern. Tausende säumten den Bus der Squadra Azzurra, der auf seinem Weg vom Flughafen nur im Schritttempo vorankam. Als Kapitän Fabio Cannavaro schließlich den Pokal in die Höhe hielt, kannte der Jubel keine Grenzen. "Wir sind stolz, Italiener zu sein", war auf einem Plakat unter einem Balkon zu lesen, auf dem die vom vielen Feiern heiseren Spieler die Nationalhymne sangen.

"Wer nicht springt, ist ein Franzose", sangen sie dann zur Melodie eines italienischen Volksliedes und ließen die Menge hüpfen. Viele Spieler hatten sich die Nationalflagge um die Köpfe gebunden, einige wirkten sehr erschöpft. Die Kunstflieger-Staffel der Luftwaffe malte nach der Landung der Mannschaft grün-weiß-rote Streifen in den Himmel. Zuvor hatte die Mannschaft die Glückwünsche von Ministerpräsident Romano Prodi entgegengenommen. Prodi dankte den Spielern bei einem Empfang für ihre Leistung. Sie hätten die jungen Leute daran erinnert, dass gute Ergebnisse "nur mit harter Arbeit, Schweiß und Einsatz" erzielt werden könnten. Im Hinblick auf den Schiedsrichterskandal, der das ganze Land erschüttert, sagte Prodi: "Danke, dass Sie dem Fußball die Würde zurückgegeben haben, die er verdient."

Schon auf dem Militärflughafen Pratica di Mare bei Rom warteten tausende Fans auf die siegreiche Truppe rund um Kapitän Fabio Cannavaro - und auf den begehrten Pokal, den Italien zuletzt 1982 geholt hatte. Hunderttausende Tifosi waren bereits seit dem Nachmittag in den antiken Circus Maximus gezogen, um der geplanten Mega-Party mit der gesamten Mannschaft beizuwohnen. "Campioni del Mondo!" ("Weltmeister!"), riefen sie immer wieder wie im Delirium. Auch die Nationalhymne ist wieder "in" wie seit Jahren nicht mehr und schallt aus Kneipen und jubelnden Fan-Mündern. "Wir sind im siebten Himmel", sagte Nationaltrainer Marcello Lippi.

Auch am Tag nach der Zitterpartie gegen Frankreich konnten einige Tifosi dabei noch nicht so recht an ihr Glück glauben. Kommentatoren und Sport-Experten sparten hingegen nicht mit Superlativen. "Die Welt gehört uns!", schrieb die römische Zeitung "La Repubblica". Und auch der "Corriere dello Sport" stimmte ein in den überschwänglichen Jubelchor: "Die ganze Welt liegt unseren Champions zu Füßen!"

Feiern bis in die Puppen

Nach einer durchfeierten Nacht fuhren auch am Montag zahlreiche laut hupende Autos durch die Innenstädte, so mancher war mit einem schweren Kater aufgewacht. "Stark alkoholisierte und leicht bekleidete Jungs und Mädels sprangen überall in die Brunnen", beschrieb ein Journalist das nächtliche Szenario in der Siegesnacht. Das Feiern bis zum Morgengrauen sei die einzige Möglichkeit gewesen, die über 120 Minuten Spannungen abzubauen, hieß es.

Schier endlose Autokorsos schoben sich durch die Zentren der Metropolen, kreischende Fans hängten sich aus den Wagenfenstern und brüllten ihre Freude frei heraus: "Siamo noi! Siamo noi!" ("Wir sind es!"). Der Platz vor der französischen Botschaft in Rom wurde vorsichtshalber gleich von der Polizei abgesperrt. Dennoch gab es auch Schattenseiten: Rund ein Dutzend Randalierer wurde allein in Rom verhaftet, nachdem sie Autos und Busse angezündet und sich Zusammenstöße mit der Polizei geliefert hatten.

Dennoch: Es war eine "Notte Magica" - eine magische Nacht - und das gleichnamige Lied von Gianna Nannini, das die Rockröhre für die WM 1990 in Italien geschrieben hatte, dröhnte mehr als einmal aus den Lautsprecherboxen. Nach dem Sieg umarmten sich einander wildfremde Tifosi, Erleichterung brach aus - es war, als fiele ganz Italien ein Zentner schwerer Stein vom Herzen.

In Rom und über der Piazza del Duomo in Mailand erleuchteten Feuerwerkskörper den schwarzen Nachthimmel, Sektkorken knallten, Freudentränen flossen. In vielen Städten tanzten die Italiener spontan auf den Straßen und schwenkten die grün-weiß-rote Nationalflagge. In Kneipen und auf den Piazzas stimmten die überglücklichen Fans immer wieder spontan die italienische Hymne an. "Endlich, endlich, haben wir wieder einmal etwas ganz, ganz Großes gewonnen", schwärmte eine Tifosa mit azurblauem Stirnband.

"Ein ganz wichtiger Sieg für Italien, voller Symbolkraft. Und was für eine spannende Partie - den Unterschied hat ein einziger Lattenschuss ausgemacht", meinte Ministerpräsident Romano Prodi, der das Spiel in den eigenen vier Wänden mit Freunden und Familie verfolgt hatte. Der Partyrausch könnte am Dienstag schon ein jähes Ende finden. Voraussichtlich am Dienstagabend oder erst im Laufe des Mittwoch sollen die Urteile im Manipulationsskandal fallen, das den hauptangeklagten Rekordmeister Juventus Turin, dem mehrere Nationalspieler angehören, zum Abstieg in die 3. Liga (Serie C) oder eine noch tiefere Liga zwingen könnte.

DPA DPA

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