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Fußball-WM-Vorrunde: Italien - Paraguay: Keine Angst vorm Weltmeister

Zweimal haben Italien und Paraguay schon bei einer Fußball-WM gegeneinander gespielt. Gewonnen haben die Südamerikaner noch nicht. Trotzdem geben sie sich vor ihrem WM-Auftakt entspannt.

Wer hat Angst vor Weltmeister Italien? Paraguay jedenfalls nicht. "Wir sind so stark wie noch nie", prahlte der sonst eher stille "Guarini"-Coach Gerardo Martino vor dem Spiel gegen die "Azzurri" - und dem Titelverteidiger schlottern angesichts solch mutiger Töne tatsächlich die Knie. "Ehrlich gesagt haben wir schon etwas Angst", gab sogar Italiens "Rambo"-Verschnitt Gennaro Gattuso zu. Allein Trainer Marcello Lippi glaubt weiter fest an einen Auftaktsieg und den erneuten Einzug ins Finale.

Verunsichert, ersatzgeschwächt und in die Jahre gekommen, startet der viermalige Weltmeister in Kapstadt seine Operation Titelverteidigung, die viele für eine "Missione impossibile" halten. Kapitän Fabio Cannavaro beschwört deshalb den "Geist von Berlin" und fordert gegen die offensiv und hart zur Sache gehenden Südamerikaner die Besinnung auf alte Tugenden - Kampf und Defensive.

Was vor der WM passiert, zählt nicht

Die Skepsis vieler Beobachter hält Lippi jedoch für unbegründet: "Ich kann diese Einschätzung nicht teilen. Alle können sich sicher sein, dass es in der Mannschaft einen großen Willen gibt, ein gutes Turnier zu spielen." Die schwachen Auftritte in den Testspielen beunruhigen ihn nicht: "Was ich bisher gelernt habe ist, dass alles, was vor so einer WM passiert, nichts zählt. Du kannst zehn Spiele vorher gewinnen, und dann kommt doch alles ganz anders. Ein großes Team holt sich sein Selbstvertrauen während eines Turniers. Wie wir 2006 in Deutschland."

Auch Cannavaro erinnerte an die Stärken des Teams. "Wir haben keinen Ronaldo und keinen Messi und wir können auch nicht so spielen wie Brasilien oder Spanien. Dafür kann keiner verteidigen wie wir", sagte der 36-Jährige Abwehrchef. Schön spielen sollen andere, Italien will im dritten WM-Spiel gegen die "Albirroja" (Weiß-Roten) nichts anderes als den dritten Sieg.

Pirlo fällt aus

2006 startete Italien mit einer eingespielten Stammelf in die WM, diesmal tüftelt Lippi bis zur letzten Sekunde. "Wir haben noch keine Ahnung, wie wir spielen", gab Gianluca Zambrotta zu, einer von neun Weltmeistern im Team. Der wichtigste neben Weltklassetorwart Gianluigi Buffon und Abwehrchef Cannavaro aber fehlt wegen einer Wadenzerrung: Regisseur Andrea Pirlo. "Ich wäre froh, wenn er im dritten Spiel wieder zur Verfügung steht. Pirlo selbst hofft, es bis zum zweiten Spiel zu schaffen", sagte Lippi. Den "Unersetzlichen" vertritt Riccardo Montolivo im Mittelfeld.

Vorne hat Lippi die Qual der Wahl. Vincenzo Iaquinta soll aus dem linken Mittelfeld heraus zusammen mit Sturmspitze Alberto Gilardino die nicht immer sattelfeste Abwehr der Paraguayer durcheinander wirbeln. "Leidenschaftlichen Kampf", fordert der ungebrochen optimistische Lippi von seinen Spielern unterm Tafelberg.

Paraguay setzt voll auf seinen Sturm

Italien tastet sich vorsichtig in die WM hinein, Paraguay dagegen stürmt nach seiner besten WM-Qualifikation mit Siegen gegen Brasilien und Argentinien mit breiter Brust ins Turnier. "Wir gewinnen 2:0", protzte Ex-Bayern-Stürmer Roque Santa Cruz, der wohl zusammen mit dem Dortmunder Lucas Barrios eine Doppelspitze bilden wird. "Italien ist zwar der große Favorit, aber so stark waren wir noch nie", sagt auch Borussen-Stürmer Nelson Valdez, der wohl für Barrios Platz machen muss. Auch der Wolfsburger Mittelfeldspieler Jonathan Santana hält "eine Überraschung für möglich".

Coach Martino setzt voll auf Angriff. Die Sturm-Armada mit Barrios, Valdez, Oscar Cardozo (Benfica Lissabon) und ihm werde "die WM-Überraschung", prophezeite Santa Cruz. Paraguays WM-Trumpf könnte Italiens Alptraum werden, fürchtet die "Gazzetta dello Sport". Sie nennt "Paraguays gefährlichste Stürmer" ehrfurchtsvoll: "Il Bello" (Santa Cruz), "Il Gigante" (Cardozo) und "Il Killer" (Barrios).

DPA / DPA

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