Traumstart in die WM in Südafrika Deutschland verwirrt die Welt


Die DFB-Elf sorgt im Ausland für Irritationen. Die spielerische Leichtigkeit des 4:0-Sieges zum WM-Auftakt gegen Australien hinterlässt eine große Frage: Sind das wirklich die Deutschen?

Die Welt ist beeindruckt. Die WM in Südafrika ist erst vier Tage alt und schon hat die deutsche Mannschaft eine Visitenkarte der edelsten Art abgegeben. Während die anderen namhaften Teams enttäuschende Remis ablieferten wie Frankreich und England oder einen Minimalsieg einfuhren wie Argentinien, sorgte Deutschlands spielerische Leichtigkeit allerorten für Begeisterung, Respekt – aber auch für Verwirrung. Das Ausland fragt irritiert: Was ist aus dem Teutonen-Panzer geworden?

Ein "neues Deutschland" hat beispielsweise die spanische Sportzeitung Marca ausgemacht, während die italienischen Kollegen von "Gazetta della Sport" von einem "deutschen Spektakel" schreiben. Auch "Corriere della Serra" erkennt das DFB-Team kaum wieder: "Das neue Deutschland schickt die Fantasie an die Macht."

Die britischen Medien leiden unter dem Fehlstart ihrer eigenen Mannschaft. Ihnen müssen die vier deutschen Tore mitten ins Mark gegangen sein. Voller Neid blickt man aus London über die Nordsee. Das Krawallblatt "Sun" hat eine Frage an Fifa-Chef Josef Blatter: "Können wir die WM neu starten?" Für das britische Boulevardblatt ist es geradezu grausam, den "alten Feind" so spielen zu sehen, während das eigene Team nicht nur unter seinem dilettantischen Torhüter leidet. "Löws Mannschaft zeigte jedem, wie das Spiel gespielt werden sollte – beeindruckend."

"Das war nicht das Deutschland, das wir kennen"

Auch die Reporter von als seriös geltenden Zeitungen auf der Insel reiben sich die Augen – vor allem aufgrund der Spielweise der deutschen Mannschaft, die nichts mehr mit den auf Kampf und Athletik basierenden deutschen Tugenden vergangener Jahrzehnte gemein hat. Der "Guardian“ meint, dass Deutschland mit einem Stil gewonnen habe, der in der Vergangenheit "nicht immer mit ihnen assoziiert wurde". Auch bei der "Times“ ist man verwundert: "Das war nicht das Deutschland, das wir kennen." Das DFB-Team habe eher an "Ballerinas als an Bulldozer" erinnert. "Tempo, Kraft und Technik" macht die BBC bei den Deutschen aus – und prognostiziert: "Es braucht ein sehr starkes Team, um die Deutschen zu schlagen."

Nicht ganz so euphorisch sind die Kommentatoren jenseits des Großen Teiches. Die "New York Times" mag nicht in den Jubelchor um den neuen, deutschen Stil einstimmen – und sieht den Grund des 4:0-Spektakels eher beim Gegner. Nüchterner Kommentar der Amerikaner: "Der Sieg war keine Überraschung." Die Australier seien schließlich ein überaltertes Team ohne einen starken Stürmer, dessen Spieler in der Regel in zweitklassigen Ligen ihr Geld verdienten.

Für die schwedische Tageszeitung "Aftonbladet" spielt der Gegner dagegen keine Rolle: "Deutschland wird noch andere Mannschaften als Australien demütigen." Die Skandinavier sind sich sicher: "Die jüngste WM-Elf hat noch längst nicht alles gezeigt. Aber mehr als alle anderen."

ben

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