HOME

Stern Logo WM 2010

Vuvu-Tela - Die WM im TV: Kompakter Kick-off für WM-Tage

Um über die Fußball-WM auf dem Laufenden zu bleiben, muss man nicht unbedingt stundenlang vor der Glotze hocken. In aller Frühe liefern die Morgenmagazine von ARD und ZDF die WM in kompakter Form - und das gar nicht mal schlecht. Die Tour des MoMa-Busses im Ersten ist sogar ein kleines Highlight.

Von Dieter Hoß

Wer einen Eindruck davon bekommen möchte, wie kalt es derzeit in Südafrika werden kann, der muss früh aufstehen. Dann kann man sehen, wie ZDF-Mann Thomas Skulski im Mantel vor dem Quartier der deutschen Mannschaft bibbert oder sich Peter Großmann in der ARD in dicker Jacke vor überfrorenen Wiesen warm redet. Kick-off für den WM-Tag im Fernsehen ist lange bevor sich Jogis Jungs aus den Federn schälen. Schon ab 5.30 Uhr liefern die Morgenmagazine der Öffentlichen-Rechtlichen aktuelle Ergebnisse, aktuelle Entwicklungen und allerhand WM-Schnickschnack. Und, ja, so früh ist es noch dunkel in Südafrika. Es ist ja Winter.

Mit dem Schlusspfiff ins Bett und gleich nach dem Aufstehen wieder das Neuste vom deutschen Team? Man kann es natürlich mit der Fußball-Liebe auch übertreiben. Aber: Für diejenigen, die selten die Chance haben, die Spiele live zu verfolgen, und für jene, die immer schon die kompakte Sportschau der ausufernden Sky-Konferenz vorgezogen haben, ist die WM im Morgenmagazin ein echter Geheimtipp. Denn obwohl die Magazine so verschieden sind wie ihre Sender, schaffen es beide, umfassend über die WM zu informieren. Alle Tore, alle Verletzungen, alle Skandale - und das in 15-Minuten-Happen. Wer zuvor fast tagelang Rudi Cerne, Lutz Pfannenstiel, Reinhold Beckmann oder die inzwischen ausgenudelten Delling und Netzer verfolgt hat, der empfindet das als ziemlich erfrischend. Ganz abgesehen davon, dass so manches Spiel im Zusammenschnitt deutlich gewinnt - wir kennen das aus der Bundesliga nur zu gut.

Die Gute-Laune-Bär-Manie nervt

Dass die Berufs-Frühaufsteher mit ihrer Gute-Laune-Bär-Manie auch mächtig nerven, hat sich durch die WM natürlich nicht geändert. Im Gegenteil: ZDF-Frühsportlerin Jenny Wellmer, die bisher nicht weiter auffällig ihrer Arbeit nachging, wirft sich auf einmal mächtig ans Publikum, an Interview-Gäste und an den Experten ran. Da fragen sich nicht nur Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher, der die Geschicke der deutschen Kicker analysiert, und der weiter nach seinem Platz in der Sendung suchende Neu-Kollege Wulf Schmiese, ob man denn auf einmal wirklich so gut befreundet ist. Dass Wellmers Live-Kommentierung im zwischen Comedy und Albernheit angesiedelten lebenden Kicker-Spiel zum Schluss der Sendung nicht ohne freundliche Beleidigungen der Akteure auskommt, scheint da nur konsequent.

Auch im Ersten gilt es zunächst, die fröhlich-pfeifenden Anmoderationen der künftigen ARD-Fragespiel-Waffe, Sven „Machen Sie was draus“ Lorig, zu überstehen. Doch dann folgt tatsächlich ein kleines Highlight im großen Weit der WM-Programme. In einem Bus sind Moderator Peter Großmann und zwei Ex-Nationalspieler im Land der Weltmeisterschaft unterwegs: Nia Künzer, Schützin des Golden Goal im Endspiel der Frauen-WM 2003, und Gerald Asamoah, 2006 Mitglied des WM-Kaders. Dabei geht es natürlich um Fußball, aber tatsächlich auch um Land und Leute. Halt macht das MoMa-Vehikel nicht nur in den Spielorten, sondern die drei spüren auch abseits der großen Städte der WM-Stimmung nach - und finden sie in kleinen Dörfern, in Nationalparks, auf Farmen, in einer südafrikanischen Großmütter-Mannschaft oder schlicht am Straßenrand. Künzer, geboren in Botswana, und Asamoah, gebürtiger Ghanaer, bringen dabei alles mit: Sie kennen den Fußball, sie wissen wie es ist, Teil eines WM-Kaders zu sein, und sie kennen Afrika. Zusammen schaffen sie es, die WM auch für den Zuschauer auf der anderen Seite der Welt nach Südafrika zu bringen. Alle Tore, alle Verletzungen und alle Skandale gibt es natürlich auch.

Kick-off zum WM-Tag ist also in aller Frühe. Wie bei den Spielen selbst ist der Start noch ganz lebendig - ehe das Geschehen mit zunehmender Spieldauer eher verflacht. Auf dem Platz wie auf dem Sender.

(In der kommenden Woche kommt das Morgenmagazin vom ZDF, der ARD-WM-Bus fährt wieder ab dem 5. Juli.)

Liebe Leser, leider ist uns in der ersten Version dieses Artikels ein Fehler unterlaufen: Nia Künzer wurde nicht, wie ursprünglich behauptet, in Namibia geboren sondern in Botswana - so steht es auch auf ihrer Homepage. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen, d. Red.

Wissenscommunity