WM 2010: Achtelfinale Mexiko fürchtet den argentinischen Floh


Vor dem Achtelfinale zwischen Argentinien und Mexiko brennt den argentinischen Fans eine Frage unter den Fingernägeln: Wann bricht Weltfußballer Lionel Messi endlich seinen Torbann? Die Mexikaner befürchten Schlimmes und haben ein Déjà-Vu vor Augen.

Es war ein enges Spiel. Und daran können sich alle Beteiligten gut erinnern. Vor allem Maxi Rodriguez: Mit einem fulminanten Schuss in den Winkel hatte der argentinische Mittelfeldspieler das Spiel entschieden. In der Verlängerung. Argentinien siegte 2:1 und stand im Viertelfinale. Mexiko musste die Heimreise antreten. Vier Jahre ist dieses Szenario alt, aber es könnte sich wiederholen. Im Jahr 2010 kommt es zur Neuauflage des Achtelfinales der WM 2006: Argentinien gegen Mexiko. Und die Vorzeichen sind ähnlich.

Wie schon 2006 überzeugte Argentinien auch in der 2010er Gruppenphase. Die Gauchos gehen als großer Favorit in das Spiel. Doch Coach Diego Maradona plagen Sorgen. Personalsorgen. Gegner Mexiko fürchtet dagegen ein Déjà Vu und natürlich einen argentinischen Spieler: Argentiniens Weltfußballer Lionel Messi, "la pulga"- der Floh, wie sie ihn in seiner Heimat nennen, will endlich seinen Torbann brechen und sein Team ins Viertelfinale schießen.

"Messi bestimmt unser taktisches Konzept"

Wer für Argentinien zum Klassiker am Sonntag im Soccer City-Stadium in Johannesburg auflaufen wird, konnte Maradona noch nicht verraten. "Wir wissen, dass es ein hartes Match wird, aber mit den Spielern, die wir haben, können wir weiterkommen", sagte der exzentrische Coach lediglich zur Personalsituation. Er ahnt nur zu genau, was auf ihn und das Team zukommt. Deswegen muss er wohl auf den angeschlagenen Abwehrchef Walter Samuel (Oberschenkelprobleme) verzichten.

Mexikos Coach Javier Aguirre hat bedeutendere Sorgen als Maradona. Die größte ist nur 1,69 Meter klein - und trägt den Namen Messi. Nach seinen Gala-Vorstellungen in der WM-Vorrunde will der 23-Jährige in Südafrika nun endlich ein eigenes Tor erzielen. "Natürlich bestimmt er unser gesamtes taktisches Konzept", sagte Aguirre.

"Wir spielen gegen Argentinien - ja und?"

Mit einer zermürbenden Manndeckung wie es Ex-Kollege Otto Rehhagel mit seinen Griechen versucht hatte, kann sich Aguirre offensichtlich nicht so anfreunden. "Wir werden versuchen, Messi die Räume eng zu machen und ihn so weit weg von unserem Strafraum fernzuhalten."

Messis mexikanischer Teamkollege vom FC Barcelona, Rafael Márquez, warnt seine Landsleute allerdings davor, mit zu viel Respekt oder gar Angst in die Partie zu gehen. "Wir spielen gegen Argentinien - ja und?", meinte Mexikos Kapitän flapsig. "Wir können das Spiel gewinnen. Es gibt immer Leute, die pessimistisch sind. Wir gehören nicht dazu." Den Optimismus zieht Márquez vor allem aus der guten Kenntnis seines Vereinskameraden. "Messi ist der beste Fußballer der Welt, aber niemand ist ohne Schwächen", meint er.

Samuel und Veron angeschlagen

Inwiefern das Ausfall von Samuel die bislang in drei Spielen dreimal siegreichen Argentinier schwächen wird, bleibt abzuwarten. "Wir wollen gar kein Risiko eingehen. Wenn ein langer Ball kommt, musst du ihn kriegen. Du kannst keinen Ball verloren geben", erklärte Maradona. Für Inter-Profi Samuel dürfte Nicolas Burdisso starten. "Ich suche wieder meine Gala-Mannschaft, meine echte Luxus-Mannschaft", betonte der 49-Jährige.

Offen ist auch, ob Antreiber Juan Sebastian Verón auflaufen wird. Der 35-Jährige laboriert an Problemen in der rechten Wade. Auch hinter Jonás Gutierrez, der gegen Griechenland gelb gesperrt gefehlt hatte und davor auf der rechten Seite nicht unbedingt überzeugen konnte, steht ein Fragezeichen. Im Sturm wird Maradona wohl wieder auf "Hattrick"-Mann Gonzalo Higauin und Carlos Tevez bauen. Gegen Griechenland wurden beide geschont.

Von solchen Luxusproblemen kann Aguirre nur träumen. Der kauzige Coach muss vielmehr erleben, wie in mexikanischen Medien eine Kampagne gegen Stürmer Guillermo Franco läuft. Fußballexperten und Sportkommentatoren forderten den Coach auf, den erfolglosen Angreifer aus der Mannschaft zu nehmen und das Jungtalent Javier Hernández, genannt "Chicharito" (Erbschen), aufzustellen. Hernández traf schon gegen Frankreich und war Manchester United zur neuen Saison zehn Millionen Euro wert. Franco hingegen hat bei der WM noch keinen Treffer erzielt und ist pikanterweise "nur" ein eingebürgerter Mexikaner. Der 33-Jährige wurde in Argentinien geboren.

Von Felix Haas mit Material der DPA

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