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Karneval, Ferien, WM Wann arbeiten die Brasilianer eigentlich?


Neun von zwölf Monaten im Jahr sind in Brasilien mit Festen, Partys, Ferien oder der Fußball-WM vollgestopft. Manch einer fragt sich da, ob am Zuckerhut überhaupt genug geschafft wird.
Von Jan-Christoph Wiechmann

Es gibt in Brasilien einen sehr speziellen Kalender für das Jahr 2014. Er heißt Calendário Brasileiro. Er zeigt die Monate, in denen gearbeitet wird. Zählt man sie zusammen, kommt man auf drei: August, September, November. Die anderen neun sind belegt mit Partys, Karneval, Ferien, Fußball-WM.

Neulich traf ich in Rio einen zerknirschten deutschen Manager. Er arbeitet für ein Erdölunternehmen. Er hält den Kalender für ziemlich realistisch. Er hat da eine dunkle Vorahnung: In diesem Jahr wird das mit dem Aufschwung in Brasilien trotz WM nichts mehr. Es wird einfach zu wenig geschafft.

Im Januar und Februar waren Sommerferien, da liegt Brasilien am Strand. Dann kam Karneval, da läuft sowieso nichts. Danach, im März, müssen sich Brasilianer vom Karneval erst mal erholen. Im April beginnt dann schon die mentale Vorbereitung auf die WM. Da werden die Partien schon mal am Strand durchgespielt.

Dauerparty bei WM-Sieg

Ab Mai gehen die Menschen zum Protestieren gegen die hohen WM-Kosten auf die Straße. Und im Juni geht das Spektakel los, da ist an Arbeit sowieso nicht zu denken, auch Schulen werden geschlossen. Wie, bitteschön, soll man arbeiten oder lernen, wenn die Spiele vom Vortag noch analysiert werden müssen?

Der Calendário Brasileiro ist nicht ganz ernst gemeint. Natürlich arbeiten Brasilianer hart, vor allem die ärmeren - Straßenfeger, Bauarbeiter, Putzfrauen, Polizisten. Aber der deutsche Manager will so recht nicht dran glauben.

Gewinnt Brasilien die WM im Juli, so vermutet er, werden die Menschen vier Wochen feiern und die hohen Kosten vergessen. Wenn nicht, werden sie vier Wochen trauern und die hohen Kosten anprangern. Dann ist schon August. Im August werden Schulen und Ämter mal offen sein. Das ist dann der erste "mes útil", ein brauchbarer Monat.

Im September beginnt das Aufwärmen für die Präsidentschaftswahlen im Oktober, und dann ist fast schon Dezember "und wir haben wieder Sommerferien", stöhnte der Manager.

Der Manager kommt aus Baden-Württemberg. Er ist anderes gewohnt. Er hat erwogen, das gesamte Jahr 2014 in Deutschland zu verbringen, um dort richtig zu schaffen, und erst 2015 nach Rio zurückzukehren. Aber dann, befürchtet er, beginnt schon die mentale Vorbereitung der Brasilianer auf die Olympischen Spiele 2016.

Von Jan-Christoph Wiechmann

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