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Debatte um Neymar-Verletzung Tacklings im Grenzbereich gehören zum Fußball


Die Debatte darüber, dass die Schiedsrichter an Neymars Verletzung eine Mitschuld tragen, geht zu weit. Verletzungen passieren leider. Und Fußball lebt von Tacklings - auch im Grenzbereich.
Ein Kommentar von Felix Haas

Kein Mensch wünscht sich Verletzungen. Man will nicht, dass einem beim Skifahren das eigene Kreuzband reißt - und man möchte auch nicht, dass ein Superstar wie Neymar die großen Spiele einer WM verpasst, weil ihm ein anderer Spieler in den Rücken gesprungen ist. Doch die Debatte darüber, dass die Schiedsrichter an Neymars Verletzung eine Mitschuld tragen, geht zu weit und ist in Teilen sogar heuchlerisch.

Verletzungen passieren. Hier, heute, im Alltag, in der Welt, und erst recht bei einem Kontaktsport wie Fußball. Da ändert auch ein - wie von vielen nun gefordert - härteres Durchgreifen der Schiedsrichter nichts dran. Das Foul hätte genauso passieren können, wenn Schiedsrichter Carlos Velasco vorher schon drei Spieler mit Gelb verwarnt hätte, oder gar schon jemanden vom Platz gestellt hätte.

Es gab schon schlimmere Szenen

Die Diskussion dreht sich seit Zunigas Foul um die sportliche Grundsatzfrage: Sollen die Schiedsrichter oft durchgreifen - und damit das Spiel wiederholt unterbrechen? Oder soll das Spiel weniger unterbrochen - und damit flüssiger werden? Auf diese Frage hat die Fußball-Welt längst eine Antwort gegeben: Für den Fußball und auch für die Spieler ist es gut, wenn möglichst wenig gepfiffen wird. Wenn der Schiedsrichter jede Kleinigkeit pfeift, geht der Spielfluss flöten. Rasante, temporeiche Begegnungen, wie wir sie bei dieser WM gesehen haben, würde es seltener geben. Verletzungen würden dennoch weiter vorkommen.

Natürlich hätte es für Zunigas Aktion eine gelbe Karte geben müssen, und vielleicht sogar eine rote. Doch weder wollte Zuniga Neymar absichtlich verletzen, noch war es ein außerordentlich brutales Foul. Da gab es bei dieser WM schlimmere Szenen. Letztendlich war es eine unglückliche Situation und eine individuelle Fehlentscheidung eines sonst sehr zuverlässigen Schiedsrichters.

Ohne Tacklings wird keiner Weltmeister

Wenn ein Experte wie Mehmet Scholl die Debatte verallgemeinert und sagt, es sei ein Gladiatorenkampf gewesen, das hätte nichts mehr mit Fußball zu tun gehabt, dann wirkt er wie ein Kind, dem man das liebste Spielzeug genommen hat. Scholl und Co. müssten es eigentlich besser wissen: Der Fußball lebt von schnellen Kontern und schönen Spielzügen, ja. Aber er lebt eben auch von intensiven Tacklings und Zweikämpfen. Ohne einen Einsatz im Grenzbereich wäre noch keine Mannschaft Weltmeister geworden. Dass man mit leidenschaftlichem, zweikampfbetontem Spiel weit kommen kann, macht ausgerechnet das Team vor, das Neymar am meisten vermisst: Brasilien.


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