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Panini-Album zur Fußball-WM: Wo ist Jorge Claros?

Die Bundesliga in den letzten Zügen, die WM am Horizont – der perfekte Moment, um sich Fußballerbildchen zuzuwenden. stern.de-Autor Ingo Scheel über den Start mit dem neuen Panini-Album.

Gebt mir ein P! Gebt mir ein A! Gebt mir ein N! Nein, nicht Panathinaikos – Panini ist die Parole. Zugegeben, ich bin nicht wirklich früh dran. Wer die Zeit mit dem Tabellenrechner verbringt, um wie im Wahn das Schicksal des HSV durchzuspielen, hat eben keine Zeit für Klebebildchen. Bislang jedenfalls nicht. Nun denn - auf Facebook verabreden sich schon die Kumpanen zum Bildertausch, posten Fotos von Stapeln, um die die Hand kaum herumkommt. Alles Doppelte. Ich muss was tun. Das Album! Muss! Her!

Am Wochenende verpeile ich es noch, am Montag ist es soweit. Im Zeitungsregal grinst mich zwischen "Micky Maus", "Toggo Magazin" und "Filly" das Sammelalbum an. Wieso liegt das denn eigentlich bei den Kinderzeitschriften? Und warum ist das alles eingeschweisst? Allein durch meinen Kauf dieser riesigen Plastikfolie mache ich mich an der Verschmutzung weiter Teile der Ostsee schuldig. Egal – das Ding muss mit. Den 8er-Pack Tüten gleich noch mit dazu. Auch der steckt in Folie. Macht nichts.

Hat Prinzessin Lillifee die Verpackung entworfen?

Eine Stunde später lasse ich mich auf der heimischen Couch nieder und versenke die ersten WM-Spieler in den Tiefen des Albums. Stéphane Mbia, Kamerun. Wilhelm Carvalho, Portugal. Yuto Nagatomo, Japan. Da passiert schon der erste Patzer. Kwadwo Asamoah verlege ich mal eben aus dem ghanaischen Team in die Reihen der USA. 563 statt 536. Mann, das ist aber auch knifflig. Vier Jahre Einkleb-Pause, wie soll man das einfach so wegstecken? Überhaupt – irgendwie ist Panini bei mir noch nicht wieder so richtig angekommen. Kein Vergleich mit Zeiten, da man Charakterköpfe wie Trifon Ivanov, Goycochea oder Valderrama einklebte.

Allein, wie die Seiten des Albums aussehen: Als hätte Prinzessin Lillifee im Halbschlaf die Verpackung für ein chinesisches Anti-Ziep-Shampoo entworfen. Überall Sterne, Strahler, Pfeile und Regenbogen. Mann, wir sind doch nicht zum Spaß hier. Zumindest klappt meine neue Einklebetechnik - links vom Rand anfangen, anstatt wie sonst seit 1974, von oben nach unten - tatsächlich bestens. Dafür sehen die Flächen der Stadion-Doppelmotive auf Seite zwei und drei schon ohne Bild aus, als wären sie schief festgebappt. Warum sind zudem die Spielerinfos im Bild senkrecht am Rand, in 3pt-Schriftgröße, versteckt? Und warum muss ich bei Betrachten des Albumtitels immer an die Bundesgartenschau denken?

Brasilianische Lebensfreude

Mein Kumpel Sven klärt mich auf: Das soll brasilianische Lebensfreude symbolisieren. Na, wenn das so ist, dann freu ich mich schon auf 2018. Die WM in Russland. Das Panini-Album dazu in nüchtern-sachlichem Layout, klar und übersichtlich. Ganz im Stile der großen, russischen Konstruktivisten Stepanowa, Rodtschenko oder Yermilow. Und hinten drin Wodka-Werbung. Ok, das ist Zukunftsmusik. Im Moment läuft hier noch Samba und der Spaß geht ja gerade erst los. Die verstörenden Erkenntnisse reißen nicht ab. Messi etwa ist zwischen 2010 und 2014 glatt um einen Zentimeter geschrumpft. Wenn das denn alles so stimmt, was man da mit Lesebrille am Bildrand mühsam entziffert.

Zum Mittagessen mit besagtem Sven überlege ich schließlich, meine Doppelten mitzunehmen. Drei sind es erst bisher. Bei zehn Tüten ein guter Schnitt. So kann es weitergehen. Also los, Aleksandr Kokorin, Igor Akinfev und ... Moment, wo ist Jorge Claros? Der erste ist also schon verschwunden. Zwei Bildchen lohnen ja nun gar nicht. Die Dinger bleiben zu Hause. Am Abend finde ich Claros wieder. Im Stickerbuch meiner Tochter hütet er auf dem Bild mit dem Bauernhof jetzt die Schafe und hat eine Vase mit Tulpen auf dem Kopf.

Von Ingo Scheel
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