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Ex-Kommunikationsdirektor Katarischer WM-Whistleblower offenbar in Gefängnis gefoltert

Katar Whistleblower Abdullah Ibhais
Abdullah Ibhais kritisierte lange vor der WM in Katar die Zustände auf den Baustellen des Emirat
© Screenshot ARD Sportschau
Abdullah Ibhais kritisierte die unmenschliche Behandlung von Wanderarbeitern in Katar. Dafür wurde er verhaftet und sitzt eine Haftstrafe ab. Laut seiner Familie wurde er zum WM-Start gefoltert.

Der katarische Whistleblower Abdullah Ibhais, der in der Vergangenheit den unmenschlichen Umgang mit Wanderarbeitern im Wüstenstaat kritisiert hatte und dafür zu einer dreijährigen Haftstrafe verurteilt wurde, ist offenbar am Abend vor dem Beginn der Fußball-WM gefoltert worden. Seine Familie erhebt in einem offenen Brief schwere Vorwürfe, der von der Menschenrechtsorganisation "Fairsquare" veröffentlicht wurde.

Katar: WM-Whistleblower offenbar in Gefängnis gefoltert

Die Organisation fordert nun die Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen für willkürliche Inhaftierungen auf, zu intervenieren – in der Hoffnung, dass Ibhais aus dem Gefängnis entlassen wird.

Ibhais war Ex-Kommunikationsdirektor des katarischen WM-Organisationskomitees. Laut eigener Aussage sei er inhaftiert worden, nachdem er Bedenken geäußert hatte, weil das Oberste Komitee die Beteiligung von WM-Bauarbeitern an einem Streik in Doha leugnen wollte. An dem Protest seien 4000 bis 6000 Arbeiter beteiligt gewesen.

Ibhais hatte veröffentlicht, dass er während der Bauarbeiten für die WM-Stadien 200 Arbeiter im Education City Stadium und im Al Bayt Stadium angetroffen habe, die kein Trinkwasser hatten und seit vier Monaten nicht bezahlt worden waren.

Die katarischen Behörden beharren darauf, dass er 2019 wegen Betrugs im Zusammenhang mit einem Vertrag zur Produktion von Social-Media-Inhalten für die Fußball-WM seines Amtes enthoben und verurteilt wurde. Fairsquare widerspricht jedoch und behauptet, Ibhais sei zu einem Geständnis gezwungen worden, ein fairer Prozess sei ihm verweigert worden.

Ibhais soll vier Tage in völliger Dunkelheit und bei Temperaturen nahe des Gefrierpunktes verbracht haben

In dem Schreiben, das seine Familie nun veröffentlicht hat, beschreibt sie, dass Ibhais kurz vor Beginn der WM im Gefängnis körperlich angegriffen wurde, weil er an der Dokumentation "Qatar: State of Fear?" mitgewirkt habe. Daraufhin sei er in Einzelhaft verlegt worden. Er habe vier Tage "in völliger Dunkelheit in Einzelhaft verbracht". Dabei hätten die Beamten die Klimaanlage in seiner Zelle als Folterinstrument genutzt. "Er befand sich in einer zwei mal ein Meter großen Zelle mit einem Loch im Boden als Toilette und bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt." So habe es Ibhais selbst berichtet. Er habe zudem seiner Familie erklärt: "Ich hatte bereits mehrere blaue Flecken von den Übergriffen der Gefängniswärter und zitterte die ganze Zeit, da die kalte Luft, die auf mich gerichtet war, nie aufhörte. Ich habe in diesen vier Tagen kaum geschlafen."

Nicholas McGeehan von "Fairsquare" sagte, Ibhais habe sich vor seiner Verhaftung an die Fifa gewandt. Das berichtet der britische "Guardian". "Er hat direkt mit Mitgliedern des Menschenrechtsteams der Fifa gesprochen", so McGeehan. "Irgendwann verschwanden sie jedoch einfach. Sie haben ihn quasi geghostet weil sie nicht mehr wussten, was sie sagen sollten." Danach habe er keinen Kontakt mehr mit ihnen gehabt.

Ibhais' Familie übt in ihrem Schreiben auch direkte Kritik an der Fifa. "Die Fifa ist mitschuldig an Abdullahs Inhaftierung, und das Schweigen der Fifa zerreißt unsere Familie. Wir lehnen die gefühllose Gleichgültigkeit der Fifa ab, wir weigern uns, nachzugeben."

Laut "Guardian" habe die Fifa auf Anfrage bestätigt, dass sie Kenntnis über den Brief und seinen Inhalt besitzt.

Quellen: The Guardian, FairsquareDer Spiegel

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