Auch eine halbe Woche nach Beginn des amerikanisch-israelischen Angriffskrieges gegen das Regime der Islamischen Republik Iran ist es nach Ansicht des Sicherheitsexperten Christian Mölling noch keiner Seite gelungen, militärisch klar die Oberhand zu erringen. Zwar seien die Schäden durch Irans Gegenschläge gegen Israel und die arabischen Golfstaaten bisher geringer als befürchtet. Aber: „Der Iran hat noch ein ernst zu nehmendes Raketenarsenal“, warnt Mölling, Senior Advisor beim Brüsseler Thinktank European Policy Center in einer aktuellen Extra-Ausgabe des stern-Podcasts „Die Lage – International“ zum neuen Krieg am Persischen Golf.
Nach Möllings Ansicht war das iranische Regime gut vorbereitet auf die bewaffnete Konfrontation mit den Erzfeinden USA und Israel. „Die Iraner haben auf diese Situation immer hingearbeitet“, so Mölling. Bei längerer Dauer der Kämpfe aber könnten begrenzte Arsenale auf beiden Seiten zu Problemen führen. „Selbst in einem kurzen Konflikt, der nur auf eine Dauer von einigen Wochen angelegt ist, kann es passieren, dass der einen oder anderen Seite tatsächlich die Munition ausgeht“, sagt der Politologe und Rüstungsfachmann.
Allianz gegen den Iran: Je mehr Streitkräfte mitmischen, desto gefährlicher wird der Einsatz
Besonders akut könnte das Problem in Golfstaaten wie den Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar werden, die bereits in den ersten Tagen des Krieges einen erheblichen Teil ihrer teuren und schwer nachzurüstenden Luftabwehr-Munition verbraucht haben, um Metropolen wie Dubai oder Doha vor Angriffen durch Hunderte Drohnen und Raketen aus dem Iran zu schützen.
Die Ankündigung des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, die Luftwaffe seines Landes bei fortgesetzten Angriffen des Iran auf sein Land an der Seite der USA und Israel in den Kampf zu entsenden, hält Mölling für kaum umsetzbar. Der versehentliche Abschuss mehrerer US-Kampfjets über Kuwait durch „friendly fire“ zeige schon jetzt, wie schwierig es sei, Luftstreitkräfte mehrerer Staaten untereinander und mit Einheiten am Boden zu koordinieren. „Wenn jetzt noch eine Streitmacht, die deutlich weniger Einsatzerfahrung hat, eingreift, dann wird es nur gefährlicher“, sagt Experte Christian Mölling.