VG-Wort Pixel

Zum Tode von Wolf-Dieter Ahlenfelder "Diese saumäßigen Kameras gehen mir so auf die Kirsche"


Fußball-Deutschland trauert um Wolf-Dieter Ahlenfelder. Ende letzten Jahres gab er dem stern eines seiner seltenen Interviews. Er fand die deutlichen Worte, für die man den Kult-Schiri liebte.

Das Interview mit Wolf-Dieter Ahlenfelder erschien in der stern-Printausgabe Nr. 46 vom 7.11.2013

Herr Ahlenfelder, was machen Sie so den Tag?

Das hat normalerweise keinen zu interessieren, ich bin Privatmann und danke dem lieben Gott jeden Tag.

Man erinnert sich ja nicht an viele Schiedsrichter. An Sie schon.

Die alte Geschichte, wie ich die erste Halbzeit Bremen gegen Hannover ’ne Viertelstunde zu früh abgepfiffen habe, wird wohl was damit zu tun haben.

Und die Tatsache, dass Sie dabei zart einen intus hatten.

Ja, dat kriegt man wohl nicht mehr aus der Welt. Wenn du heute in Bremen in die Kneipe gehst und einen „Ahlenfelder“ bestellst, bekommst du ein Pils und einen Malteser. Ich sach offen: Das ehrt mich!

Was Sie direkt nach dem Spiel nicht so gesehen haben, oder?

Nee, ich hab gedacht, die Welt geht unter! Aber der DFB hat zum Ahlenfelder gehalten. Die haben sich gesagt: So einen Schiedsrichter können wir nicht in die Versenkung schicken.

Das gibt es heute sicher nicht mehr, dass sich ein Schiedsrichter vor dem Spiel zum Mittagessen einen genehmigt.

Keine Ahnung, wie die heute betreut werden. Ob die nur Sinalco trinken? Ich bin da raus.

Wenn Sie am Samstag im Fernsehen die Stadionkulisse sehen …

… laufen da schon so manche Tränen. Ob Sie das glauben oder nicht: Bei mir rufen wildfremde Leute an und sagen: „Ahlenfelder, pfeif doch noch mal ein Bundesligaspiel!“ Aber in meinem Alter!

Bedauern Sie etwas?

Ich bin zu früh geboren. Bei mir hat’s nur zu 106 Spielen gereicht. Heute pfeifen die Jungs locker das Doppelte oder Dreifache.

Sind Sie denn mit den heutigen Schiedsrichtern zufrieden?

Die tun mir leid. Mit diesen ganzen saumäßigen Kameras und wat nicht alles. Denken Sie nur an das Phantomtor. Dat geht mir so auf die Kirsche! Auf der anderen Seite ist das Niveau der Schiedsrichter aber auch stark zurückgegangen. Die pfeifen Elfmeter und Abseits, da kann ich nur mit dem Kopf schütteln. Dabei gibt’s inzwischen sogar extra zwei Torrichter, die in der Nase bohren, und so einen Sesselfurzer, der als vierter Mann Täfelchen hochhält. Wir haben das früher mit drei Mann hingekriegt!

Und was verdient?

24 Mark. Wenn ich ’ne Runde geschmissen habe, war der Samstag schon ein Minusgeschäft. Die Kerle kriegen heute dreieinhalbtausend pro Spiel. Euro!

Angeblich gucken Sie ja nur noch englische Spiele.

Da wird der ehrlichste Fußball gespielt: kick and rush. Die Tommies werden gefoult, schütteln sich dreimal und stehen wieder auf. Wenn ich dagegen unsere hier mit ihrer Rudelbildung sehe!

Es wird zu viel diskutiert?

Zu viel gejammert! Wir haben ʼne tolle Nationalmannschaft, nur zu viele Weicheier dabei. Die kriegen rechts einen drauf, halten sich links den Fuß und rollen damit kunstvoll über den Rasen. Bei so Szenen bin ich früher dazwischen und habe denen Freiräume versprochen: Allein in der Kabine duschen ist ganz herrlich!

Werden wir 2014 Weltmeister?

Wenn wir Glück mit den Schiedsrichtern haben.

Christoph Wirtz print

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker