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NFL in München Der König von München: Tom Brady heizt der größten Party Bayerns richtig ein

Ein Wink vom Superstar: Tom Brady verabschiedet sich nach dem ersten NFL-Spiel auf deutschem Boden von den Fans.
Ein Wink vom Superstar: Tom Brady verabschiedet sich nach dem ersten NFL-Spiel auf deutschem Boden von den Fans.
69.000 Fans feiern ein ausgelassenes Football-Fest in München. Die NFL feiert ihre Premiere und begeistert die Massen. Über allem thront aber ein Mann: Tom Brady

München ist im NFL-Fieber. Nach der großen Pre-Party am Samstag ist es endlich so weit: Die Tampa Bay Buccaneers und die Seattle Seahawks bestreiten das erste Spiel auf deutschem Boden. München und Deutschland sind bereit – und wie. Bereits fünf Stunden vor Spielbeginn platzt die U-Bahn aus allen Nähten. Immer wieder muss der Fahrer darauf hinweisen, dass die Leute bitte noch enger zusammenrücken müssen. "Das ist doch koan Kindergarten hier, jetzt rückt’s mal z’sammen", ermahnt er immer wieder. Die Stimmung ist famos, obwohl erste Nachwirkungen der Partytage zu verspüren sind. "Wir sind seit Freitag hier und ich habe bislang kaum geschlafen. Lange stehen kann ich nicht mehr", sagt ein Seahawks-Fan zu seinem Kumpel.

An der Allianz-Arena hat die NFL groß aufgefahren. Gleich mehrere Foodcourts verpflegen die Fans, vor dem NFL-Shop warten bereits Stunden vor Spielbeginn tausende Anhänger auf ihre Gelegenheit, Fanartikel zu kaufen. An mehreren Stationen können sich die Besucher am Rookie-Test probieren. Hochsprung, Weitsprung, Präzisionswürfe, Bälle fangen – auf der Esplanade werden die Anhänger eingebunden. Beim 40-Yard-Dash, einem Geschwindigkeitstest, liefern sich zwei Väter ein Wettrennen – mit dem Kinderwagen. Bundesliga-Legende und Seahawks-Fan Claudio Pizarro versucht sich am Field Goal – und schafft es erst beim zweiten Versuch. Auf einer Bühne sucht ein Moderator die Anhänger aller 32 NFL-Teams, nach wenigen Minuten hat er mit einem Fan der Washington Commanders auch den letzten gefunden. Tausende Fans sind bereits weit vor Spielbeginn da, die Arena macht erst zwei Stunden vor Kick-Off auf. Viele von ihnen sind ohne Tickets, sind vor allem für das Event da.

Die NFL kommt nach München und Tom Brady startet die Party

Im Stadion herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Die Betreuer der Mannschaften bereiten die Spielerbänke vor. Im Gegensatz zum Fußball sind die Teams auf gegenüberliegenden Seiten. Das hat vor allem logistische Gründe. 53 Mann umfassen die Kader der Mannschaften, nur elf von ihnen stehen gleichzeitig auf dem Feld. Mit Betreuern, Trainern und anderen Teammitgliedern sind beide Teams mit jeweils rund 150 Personen angereist.

Im Presseraum herrscht dagegen schon reges Treiben, es wird sehr viel Englisch gesprochen. Verizon, Fox Sports, das NFL Network, sie alle haben die Reise über den großen Teich angetreten. Das erste Spiel in Deutschland ist ein Großevent, Medienvertreter aus Italien, Großbritannien, Frankreich, Dänemark und Spanien sind vor Ort. Im Stadion steht Mike Dugall und ist sprachlos. "Die Plätze sind unglaublich, in den NFL-Stadien sitzt man fast schon in der letzten Reihe", sagt der Reporter, der für die Sportwebseite "The Athletic" die Seahawks bei jedem Spiel begleitet. In München sitzt er auf Höhe der Mittellinie nur 20 Meter von der Spielerbank der Buccaneers entfernt. Mindestens genauso begeistert ist er von München. "Die Stimmung hier in den vergangenen Tagen war grandios – das Bier auch", sagt er mit einem Grinsen. Mittlerweile steht auch Jason Myers auf dem Feld. Der Kicker der Seattle Seahawks ist der erste Spieler, der den Rasen betritt und sich die Arena ansieht.

Blick in die Allianz Arena beim NFL-Spiel Tampa Bay Buccaneers gegen Seattle Seahawks
Volles Haus: Über 69.000 Besucher waren in der ausverkauften Allianz Arena, drei Millionen Anfragen nach Tickets gab es.

Bis aber richtig Stimmung aufkommt dauert es ein wenig, dann aber eskaliert sie. Tom Brady betritt um 14.33 Uhr den Rasen zum Aufwärmen, rennt von einer Endzone in die andere und heizt den Fans gleich richtig ein. Es dreht sich ohnehin viel um den Superstar, der das Gesicht der Buccaneers und auch der NFL in Deutschland ist. Brady ist auf fast jedem Plakat und in jedem Spot auf den Videowänden im Stadion, begrüßt dort die Fans mit einem "Auf geht’s Deutschland".

Die Fans dagegen wirken manchmal etwas überfordert mit der Amerikanisierung einer Sportart. Schüchtern winken die meisten in die "Fan Cam", als diese durch die Arena schwenkt. Gucken etwas irritiert, als ein Paketbote ein Päckchen zum Schiedsrichter bringt, in dem der Spielball liegt. Dann doch lieber die bekannte La Ola, die Runde um Runde durch die Arena schwappt.

Pfeifkonzert für den FC Bayern München

Laut ist es über das ganze Spiel im Stadion. Obwohl es offiziell ein Heimspiel der Bucs ist, haben die Seahawks-Fans die Oberhand. Seattle aber bekommt in der ersten Halbzeit keinen Fuß auf den Boden, Brady brilliert dagegen und Tampa Bay führt 14:0 zur Pause. Richtig laut wird es dann aber auch nochmal in der Arena, als die Spieler des FC Bayern München eingeblendet werden. Ein gellendes Pfeifkonzert begrüßt die Bayern, das dürfte Thomas Müller und Co. auch noch nicht so häufig passiert sein. "Die Stimmung war elektrisierend", lobt Todd Bowles das ausverkaufte Stadion nach dem Spiel. Die Fans seien überragend gewesen. "Nur irgendwie waren es ganz schön viele Anhänger der Seahawks", sagt Bowles.

Brady bleibt so etwas wie der Alleinunterhalter, wirft in der zweiten Halbzeit einen weiteren Touchdown, spielt einmal sogar auf der Position des Passempfängers – ein Trickspielzug, der in einem von Seattle abgefangenen Ball endet.

Acht Minuten vor dem Ende drehen die Seahawks-Fans durch. Geno Smith findet Tyler Lockett in der Endzone, es ist der erste Touchdown der Seahawks, dem sie kurz darauf noch einen zweiten folgen lassen. Es reicht am Ende aber nicht, Brady und die Buccaneers siegen 21:16 (Den Spielbericht lesen Sie hier). Kurz vor dem Ende schallt ein "Oh, wie ist das schön" minutenlang durch die Allianz Arena, dann stimmt der DJ "Sweet Caroline" an. Brady nimmt sich die Zeit für einige Fans, knippst mit ihnen Selfies, schüttelt Hände – dann ist der Superstar in der Kabine verschwunden. Ob man ihn nochmal in Deutschland sehen wird? Brady ist 45, das Karriereende steht vor der Tür. Aber beim Quarterback sollte man niemals nie sagen, er zählt weiterhin zur Elite der NFL. "Ich weiß nicht, was die Zukunft bereithält, es war eine lange Reise", sagt Brady. Erstmal wolle er den Moment genießen, denn an dieses Spiel werde er sich lange erinnern. "Das war eine der besten Erfahrungen, die ich je hatte – und das sagt viel, wenn man 23 Jahre in der Liga spielt." Als die Fans am Ende "Sweet Caroline" und "Country Roads" gesungen hätten, sei das "episch" gewesen.

Mit Spielende ist die Party aber nicht vorbei. Sebastian Vollmer und Markus Kuhn, zwei ehemalige deutsche NFL-Profis, leiten die After-Show-Party ein, verlosen Tickets für zukünftige NFL-Spiele in Deutschland. Das nächste steigt im kommenden Jahr in Frankfurt, die Main-Metropole kann sich jetzt schon auf ein riesiges Fest freuen.

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