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Athen 2004 die Gastgeber: Geburtsort der Demokratie

Wer auf die Akropolis steigt, taucht tief in die Geschichte. Am Fuße der 156-Meter-Anhöhe liegt all das, was als die Wiege der westlichen Kultur gilt.

In der Agora, dem antiken Markt, entwickelten die alten Athener die ersten Ideen der Demokratie. Daneben, auf dem Hügel Pnyx, versammelten sich die Bürger und setzten von 505 v. Chr. an diese Ideen in die Tat um. Wenige Meter weiter liegt der Areopag-Hügel, auf dem der Apostel Paulus predigte. Diese Glanzzeiten des klassischen Altertums sind längst vorbei.

Doch rund 2000 Jahre später steht die Weltmacht der Antike und heutige Vier-Millionen-Metropole erneut im Blickpunkt der Welt. Das Symbol ist auch von der Akropolis nicht zu übersehen: Im Norden der Stadt blinkt die monumentale Überdachung des neuen Olympiastadions in der griechischen Sonne.

Die Stadt, die den Namen der antiken Göttin der Weisheit Athena trägt, ist durch schwierige Zeiten gegangen. In der späten Antike war sie nur noch ein geistiges Zentrum im Reich Alexanders des Großen. Das Zentrum um die Akropolis zerfiel aber immer mehr. Während der byzantinischen Zeit verlor Athen jede Bedeutung. Während der 400- jährigen Herrschaft der Osmanen drohte der völlige Untergang. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden gar die am besten erhaltenen Teile des Frieses aus dem Parthenon-Tempel auf der Akropolis demontiert und ins Britische Museum nach London gebracht. Die Rückgabe ist noch immer ein heftiger Streitpunkt zwischen London und Athen.

1834 war der Wendepunkt in der neueren Geschichte Athens. Vier Jahre nach Ende eines erfolgreichen, blutigen Unabhängigkeitskrieges (1821-1830) beschloss der aus Bayern stammende griechische König Otto I., die griechische Hauptstadt wieder zu einem Begriff für die Welt zu machen. Aus der zum Dorf verkommenen Metropole des Altertums wurde nach und nach die Stadt, die 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit ausrichten konnte. Die Griechen versäumten es damals jedoch, die Pläne der bayerischen Berater von König Otto umzusetzen. Die Stadt wuchs planlos. Heute sind im Zentrum Athens nur noch Bruchteile der einstigen Stadtplanung zu erkennen. Allein die breite Universitätsstraße, die den Syntagma-Platz, das moderne Zentrum Athens, mit dem Omonoia Platz verbindet, ist erhalten. Blickfang sind die neoklassizistischen Gebäude der Akademie, der Universität und der Bibliothek.

Den städtebaulich schwersten Schlag erlitt Athen, als nach dem Zweiten Weltkrieg und einem Bürgerkrieg (1946-1949) hunderttausende vom Krieg und dessen Folgen geplagte, arbeitslose Menschen in die sichere Hauptstadt strömten. Von rund 600 000 Einwohnern im Jahr 1940 wuchs die Bevölkerung Anfang der 60er Jahre auf zwei Millionen. Der Zuwandererstrom aus den Provinzen riss auch in den folgenden zwei Jahrzehnten nicht ab. Dabei wurde «nach oben und auf die Schnelle» gebaut. Überall wurden kleine Gartenhäuser abgerissen. An ihrer Stelle wuchsen mehrstöckige Bauklötze, die Athener «Polykatoikia»: Athen ist heute ein Zementmeer.

Der Beitritt Griechenlands in die EU (1981) brachte nach und nach Wohlstand nach Athen. Es folgte der Konsum-Boom. Mehr als zwei Millionen Autos und etwa 1,5 Millionen Motorräder fahren auf den Straßen Athens. Das Verkehrschaos ist alltäglich präsent.

Für die Athener stellten die Olympischen Spiele 2004 die letzte Hoffnung dar, dass die notwendigen Infrastrukturprojekte in die Tat umgesetzt werden. Einiges ist in der Tat verwirklicht worden. Es gibt zwei U-Bahn-Linien und eine neue Straßenbahn. Eine Vorstadtbahn zum Flughafen soll kurz vor Beginn der Spiele eröffnet werden. Auch eine 72 Kilometer lange dreispurige Umgehungsautobahn wurde gebaut. Doch weil der Athener sein Auto liebt und sich ungern mit Bus oder U-Bahn bewegt, ist das Verkehrsproblem längst nicht gelöst.

Takis Tsafos / DPA

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