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Beachvolleyball: Verschärfte Spiele

"Astricius, acutius, iucundius" (straffer, schärfer, anziehender): Beachvolleyballerinnen propagieren das neue olympische Motto. Zuschauer sind begeistert, andere Athleten entnervt.

Früher hieß es übrigens "citius, altius, fortius" (schneller, höher, stärker. Knackige Frauenkörper in knappen Bikinis gehören jetzt im FOSC-Stadion von Faliron vor dem Hafen von Piräus zu den unübersehbaren Markenzeichen eines Turniers, bei dem es für einen Großteil der Zuschauer um ganz anderes geht als Punkte, Siege und Medaillen.

Ein schlechtes Gewissen brauchen männliche Zuschauer dabei nach Meinung der deutschen Beachvolleyballerin Stephanie Pohl nicht zu haben. "Ich guck doch bei den Männern auch hin", meint die 26- Jährige, während sie konzentriert ein Vorrundenspiel ihrer Mannschaftskollegen Christoph Dieckmann und Andreas Scheuerpflug verfolgt. Deren Männlichkeit allerdings wird für weibliche Fans durch weite Hosen und etwas schlabbrige Muskel-Shirts mehr verborgen als enthüllt.

Bald Männer im Mini-Tanga?

"Warum vergattert man die Männer denn nicht auch zu kleinen, engen Badehosen und sonst gar nichts?", fragt eine selbst nicht aktive deutsche Zuschauerin in Athen und findet die strengen Weltverbands- Regeln bei den Beachvolleyballerinnen "einseitig". Die Frauen dürfen nur im Bikini antreten und dabei Höschen von maximal fünf Zentimeter Breite an den Seiten tragen. 85 Prozent aller männlichen Zuschauer, so ergaben Erhebungen nach TV-Übertragungen, sind beim "Baggern und Pritschen" der attraktiven Volleyballerinnen im Sand nicht in der Lage, sich auf die sportlichen Künste der wahrlich hart arbeitenden Spielerinnen zu konzentrieren.

Gogo-Girls für die Pause

In Athen tun die Veranstalter, wie im Beachvolleyball üblich alles, damit diese Quote mindestens gehalten wird. Bei Spielpausen hüpfen 12 junge Gogo-Tänzerinnen auf dem Sand herum, die mit ihren noch knapperen Slips und überwiegend ausladenden Oberweiten die allgemeine Aufmerksamkeit auch nicht unbedingt auf spieltaktische Probleme lenken. Diese Mädels seien gegenüber früheren Auftritten "noch schlanker und schöner" geworden, kommentiert die deutsche Spielerin Susanne Lahme (33) das Begleitprogramm völlig entspannt und teilt fachliches Lob aus: "Die Choreografie ist weiter gereift."

Pech für Musliminnen

Allgemeines Achselzucken gibt es bei der Frage, wie man denn mit den für die Vermarktung so wichtigen Kleidungsvorschriften bei einer Olympiaqualifikation von Frauen aus islamischen Ländern verfahren würde. Bei den Volleyballerinnen in der Halle, die aus denselben Gründen laut Weltverbandsregeln hautenge Shirts tragen und ihre Oberschenkel ganz entblößen müssen, wurden schon Ausnahmen für die ägyptische Nationalmannschaft gemacht. Die Spielerinnen "durften" bei internationalen Begegnungen mit Kopftuch spielen und verhüllten den gesamten Körper bis auf Finger und Gesicht.´

Von Thomas Borchert/DPA

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