HOME

Stern Logo Athen 2004

Dressur-Reiter: Gold-Ritt auf dem Vulkan

Der Sekt sprudelte schon anderthalb Stunden vor dem Ende des Wettbewerbs. Überlegen und unangefochten siegte die deutsche Dressur-Mannschaft in Athen.

Noch neun Paare mussten am Samstag ins Viereck, als mit Ulla Salzgebers (Bad Wörishofen) Galavorstellung auf Rusty bereits feststand, dass Deutschland das Nonplusultra bei den Ballett-Tänzern des Pferdesports bleibt und die Equipe eine beispiellose Rekordserie fortsetzt: Seit 1973 ist die führende Dressur-Nation bei internationalen Großereignissen ungeschlagen und gewann in Athen zum insgesamt elften Mal bei Olympischen Spielen die Goldmedaille.

"Wir hatten keinen Ausfall, den Gefallen haben wir den anderen nicht getan", jubelte Heike Kemmer (Winsen/Aller) mit einem Glas Schaumwein in der Hand. Und Delegationsleiter Reinhard Wendt sagte grinsend: "Wir wollten hier keine andere Hymne hören." Angesichts der deutlichen Führung in der Einzelwertung besitzt Salzgeber glänzende Aussichten auf ein zweites Goldstück. "Dafür bin ich hier", sagte die Weltranglisten-Erste angriffslustig und kündigte an: "Ich werde kämpfen. Jetzt ist hier alles Spaß pur."

Gold im Abo

Überraschend kam das "sicherste Gold" des deutschen Olympia- Aufgebots nicht. Unerwartet war jedoch die Dominanz, mit der Salzgeber, Kemmer it Bonaparte und ihre Teamkameraden Martin Schaudt (Albstadt) mit Weltall und Hubertus Schmidt (Borchen-Etteln) mit Wansuela Suerte siegten. Bei einem Durchschnittswert von 74,653 Prozentpunkten lag die Equipe deutlich vor Spanien (72,917) und den USA (71,500).

"Damit war nicht zu rechnen", gab Bundestrainer Holger Schmezer zu: "Die anderen haben aufgeholt." Hätte etwa das hoch gehandelte US- Team seine im vergangenen Jahr gezeigten Leistungen in Athen wiederholt, wäre es spannend geworden. Doch Salzgeber sagte: "Das hat uns nur noch mehr angespornt." Viel stärker sei der Druck im eigenen Land, "weil jeder von uns Gold erwartet und alles andere eine Enttäuschung wäre".

Unangefochtene Weltspitze

Wie stark das Quartett mit den zwei Olympia-Neulingen Kemmer und Schmidt im Reitsportzentrum Markoupolo wirklich war, zeigte die Einzelwertung, in der alle vier Deutschen unter den ersten zehn liegen. Opfer dieser Leistungsstärke und -dichte ist nun Kemmer, da lediglich drei Starter pro Nation am Montag im Spezial und Mittwoch in der Kür um die Einzelmedaillen kämpfen dürfen.

Neben Salzgeber (78,208), die klar vor Beatriz Ferrer-Salat (Spanien) mit Beauvalais (74,667) und Anky van Grunsven (Niederlande) mit Salinero (74,208) führt, darf sich vor allem Schaudt noch Hoffnung auf eine Einzelmedaille machen. "Das wäre eine Zugabe" sagte der Schwabe und erzählte über sein Pferd. "Das ist bei ihm ein Ritt auf dem Vulkan. Man weiß nicht, geht er hoch oder nicht."

Am größten schien die Freude am Samstagnachmittag mit seinem Kollegen Schmidt. "Ich bin so glücklich", sagte der strahlende Debütant, "schließlich bin ja als letzter auf den Olympia-Zug gesprungen." Fassunglos fügte er an: "Und jetzt das!"

Von Michael Rossmann/DPA

Wissenscommunity