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Kiefer/Schüttler: Silber nach Fünf-Satz-Drama

Nicolas Kiefer und Rainer Schüttler haben nach einem Fünf-Satz-Drama Olympia-Gold verschenkt.

Zwölf Jahre nach Boris Becker und Michael Stich in Barcelona schafften sie es trotz vier Matchbällen im vierten Satz nicht, den Olympiasieg zu wiederholen. Der 27 Jahre alte Holzmindener und der 28-Jährige Korbacher verloren in der Nacht zum Sonntag das Finale gegen die leidenschaftlich um das erste Olympia-Gold für ihr Land kämpfenden Chilenen Fernando Gonzalez/Nicolas Massu mit 2:6, 6:4, 6:3, 6:7 (7:9), 4:6. Um 2:39 Uhr Athener Zeit verwandelten die Südamerikaner ihren dritten Matchball.

Obwohl die im Einzel früh gescheiterten Kiefer und Schüttler, anders als ihre Gegner nach einem Ruhetag mit frischen Kräften ins Finale gingen, fanden sie bei ihrer Nachtschicht vor halb leeren Rängen zunächst nicht ihren Rhythmus. Das Match hatte erst um 22:55 Uhr Ortszeit Zeit begonnen, weil Fernando Gonzalez im Kampf um Einzel-Bronze 3:25 Stunden gebraucht hatte, um Taylor Dent (USA) mit 6:4, 2:6, 16:14 nieder zu ringen. Nicolas Massu war tags zuvor ins Einzel-Finale eingezogen.

Bei Aufschlag Schüttler gelang den Chilenen sofort ein Break. Es dauerte 18 Minuten, bis Kiefer/Schüttler das erste Spiel gewinnen konnten. Doch es war zu spät, um den ersten Satz noch zu retten. Wut entbrannt schleuderte der völlig von der Rolle geratene Schüttler seinen Schläger auf den Boden. Er konnte von Glück reden, dass er den wie entfesselt wirkenden Kiefer an seiner Seite hatte. Der war der Chef auf dem Platz und puschte ihn nach einer gemeinsamen Toilettenpause vor dem zweiten Durchgang förmlich in das Match.

Mit dem Satz-Ausgleich hatten Kiefer und Schüttler jenes Niveau erreicht, mit dem sie zuvor wider Erwarten Doppel-Spezialisten wie die Australier Wayne Arthurs/Todd Woodbridge oder Mahesh Bhupathi/Leander Paes aus Indien ausgeschaltet hatten. Im Tie-Break des vierten Satzes sahen die beiden Deutschen bei einer 6:2-Führung wie die sicheren Sieger aus, aber selbst vier Matchbälle reichten nicht zum «goldenen» Punktgewinn. Im fünften Satz führten die Deutschen erneut mit 3:1 - und verspielten auch diesen Vorsprung.

Bei den Damen krönte Justine Henin-Hardenne ihr Comeback auf großer Bühne mit dem Olympiasieg. Vor den Augen ihres Landsmannes, IOC-Präsident Jacques Rogge, gewann die Weltranglisten-Erste aus Belgien gegen die Französin Amelie Mauresmo mit 6:3, 6:3. Für die 22- Jährige, die am Pfeiffer’schen Drüsenfieber erkrankt war und mit Ausnahme der French Open seit April kein Turnier bestritten hatte, ist der Olympiasieg der vierte große Titel nach den French Open (2003), den US Open (2003) und den Australian Open (2004). Bronze ging an die Australierin Alicia Molik, die French-Open-Siegerin Anastasia Myskina aus Russland mit 6:3, 6:4 bezwang.

Von Ines Reichelt/DPA

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