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Leichtathletik: Hicham El Guerroujs Lauf in die Geschichte

Historisches Doppel-Gold für Hicham El Guerrouj: Nach dem Zittersieg über 1500 Meter holte sich der Marokkaner über 5000 Meter seine zweite Goldmedaille. Dieses Double gelang einem Läufer zuletzt vor 50 Jahren.

Hicham El Guerrouj wandelt nach seinem historischen Doppelsieg bei den Olympischen Spielen in Athen auf den Spuren des legendären Paavo Nurmi. Der 29 Jahre alte Marokkaner wehrte am Samstagabend im 5000-m-Rennen alle Angriffe der Kenianer ab und holte sich in 13:14,39 Minuten seine zweite Goldmedaille nach dem Zittersieg auf seiner Lieblingsstrecke über 1500 m. Dieses Double hatte letztmals vor 80 Jahren der finnische Wunderläufer Nurmi geschafft. Der kenianische 10 000-m-Olympiasieger Keninisa Bekele (13:14,59) musste sich diesmal geschlagen geben. Bronze holte sein Landsmann Eliud Kipchoge (13:15,10).

Bis auf die vier Männer der langen Sprintstaffel schauten die Deutschen am Samstagabend nur zu, die Medaillen gewannen andere: Nachfolger von Sydney-Sieger Nils Schumann wurde über 800 m überraschend Juri Borsakowski. Mit einem unwiderstehlichen Spurt riss der Russe in 1:44,45 Minuten auf den letzten 50 Metern noch Gold aus dem Feuer. Zweiter wurde der Südafrikaner Mbulaeni Mulaudzi (1:44,61), der die erste Leichtathletik-Medaille für sein Land bei diesen Spielen erkämpfte, vor Weltrekordler Wilson Kipketer aus Dänemark (1:44,65).

Seinen Traum vom vierten Speerwurf-Gold hintereinander musste der Tscheche Jan Zelezny begraben. Mit 80,59 m reichte es für den 38 Jahre alte Tschechen nur zum neunten Platz. Sein Weltrekord steht seit acht Jahren bei 98,48 m.

Nach ihrem Olympiasieg über 800 m holte die Britin Kelly Holems auch über 1500 m Gold: In der Weltjahresbestzeit von 3:57,90 Minuten vollendete sie das Doppel, das zuletzt vor acht Jahren der Russin Swetlana Masterkowa gelungen war. Zweite wurde die Russin Tatjana Tomaschowa in 3:58,12 vor Maria Cioncan aus Rumänien (3:58,39). «Worte können nicht ausdrücken, was ich fühle. Die 800 Meter waren ein totaler Schock für mich - heute bin ich einfach nur geflogen», sagte die nun doppelt glückliche Britin.

Dem ungarischen Hammerwurf-Olympiasieger Adrian Annus droht indes die Aberkennung seiner in Athen gewonnenen Goldmedaille. Die Disziplinarkommission des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) hat den 31-Jährigen für Sonntag zur Anhörung in Athen geladen. Abgeben musste bereits sein Landsmann, der Gewichtheber Ferenc Gyurkovics, seine in Athen gewonnene Silbermedaille. Wie das IOC mitteilte, wurde der 24-Jährige nach dem Wettkampf in der Gewichtsklasse bis 105 kg positiv auf Oxandrolon getestet.

Für Gyurkovics rückt der Russe Dimitri Berestow auf den Gold-Rang. Der Ukrainier Igor Rasoronow erhält nachträglich Silber, Gleb Pisarewskij (Russland) Bronze. Ebenfalls eines Anabolika-Vergehens schuldig machte sich die Ringerin Mabel Fonseca (Puerto Rico). Bei der Olympia-Fünften wurde nach den Kämpfen in der Gewichtsklasse bis 55 kg die Einnahme von Stanozolol festgestellt.

Ulrike John und Martin Kloth, DPA / DPA

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