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Olympia-Bilanz: Goldenes Wochenende mit Fehlern

Fünf Mal Gold, vier Mal Silber, drei Mal Bronze: Nur die aberkannten Goldmedaillen der Vielseitigkeitsreitern trübte die deutsche Freude am zweiten Olympia-Wochenende. Der Teamsprecher der Military-Reiter forderte das IOC leidenschaftlich auf, das Urteil zu revidieren.

Fünf Mal Gold, vier Mal Silber, drei Mal Bronze - aber auch bittere Tränen der Enttäuschung. Am zweiten Wochenende der Spiele in Athen durchlebte die deutsche Olympia-Mannschaft ein schier unglaubliches Wechselbad der Gefühle. Während die Ruderinnen, die Dressur-Equipe, die Radsprinter um Jens Fiedler und Pistolenschütze Ralf Schumann ihre Olympiasiege feierten, herrschte bei den Vielseitigkeitsreitern Verbitterung. Nach der Aberkennung der Goldmedaillen für die Mannschaft und Bettina Hoy im Einzel aus formalen Gründen durch den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) steht die deutsche Equipe mit leeren Händen da.

Gold für deutsche und französische Vielseitigkeitsreiter?

Unterdessen forderte das Military-Team IOC-Präsident Jacques Rogge im Sinne des Fair Play dazu auf, das Urteil zu ändern und mit Frankreich und Deutschland zwei Teams zu Olympiasiegern zu erklären. "Wir akzeptieren nicht, dass uns die Medaillen vom Hals gerissen werden wie Dopingsündern", sagte Hinrich Romeike als Team-Sprecher. Unterstützung erhielt er auch von Bundesinnenminister Otto Schily, der am Sonntag in der Olympia-Stadt eintraf.

Als erste Siegerin der Spiele wurde die russische Kugelstoßerin Irina Korschanenko des Dopings überführt. Bestätigt die B-Probe das Ergebnis, erhält die Drittplatzierte Nadine Kleinert Silber. Nach 155 er 301 Entscheidungen belegt das deutsche Team in der erneut von China (21/13/10) angeführten Medaillen-Wertung mit acht Gold-, neun Silber- und zwölf Bronzeplaketten Rang fünf.

Die Dressurreiter verlängerten ihr Gold-Abonnement und feierten ihren elften Olympiasieg mit der Mannschaft. In der Einzel- Konkurrenz liegt Ulla Salzgeber auf Goldkurs. Mit zwei Mal Gold durch Katrin Rutschow-Stomporowski im Einer und dem Frauen-Doppelvierer wurden die Ruderinnen auf dem See von Schinias den hohen Erwartungen gerecht. Jeweils Silber steuerten die Frauen-Doppelzweier bei. Ralf Schumann wurde mit der Schnellfeuerpistole zum dritten Mal nach 1992 und 1996 Olympiasieger. Im olympischen Sprint fuhr das deutsche Rad- Trio zu Gold.

Für einen erfolgreichen Abschluss der Schwimm-Wettbewerbe im Aquatic Center sorgten beide deutsche Lagenstaffeln, die jeweils Europarekord schwammen. Die Frauen mit Franziska van Almsick holten Bronze, die Männer sogar Silber. Ebenfalls Platz zwei belegte das Tennis-Doppel Nicolas Kiefer/Rainer Schüttler, das mit seiner Final- Niederlage allerdings die Chance verpasste, in die Fußstapfen der 92er Olympiasieger Boris Becker und Michael Stich zu treten. Auf dem Trampolin sprang Henrik Stehlik auf den Bronzerang. Die Degen-Herren besserten die magere deutsche Fecht-Bilanz mit Bronze im Team- Wettbewerb auf.

Als erfolgreichster Olympia-Starter von Athen steht jetzt schon der Amerikaner Michael Phelps fest, der im Schwimmstadion sechs Mal Gold und zwei Mal Bronze holte. Marathon-Olympiasiegerin im antiken Panathinaikon-Stadion wurde die Japanerin Mizuki Noguchi. Die Weißrussin Julia Nesterenko krönte sich als 100 m-Siegerin zur schnellsten Frau der Welt. Während der fünffache Weltmeister Lars Riedel die Diskus-Entscheidung erreichte, schied 400 m-Europameister Ingo Schultz im Halbfinale aus.

Die bereits für das Viertelfinale qualifizierten Handballer verpassten durch ein 22:27 gegen Frankreich den Gruppensieg. Die Hockey-Damen zogen dank niederländischer Schützenhilfe ins Halbfinale ein. Das deutsche Team besiegte Südkorea mit 3:2 und profitierte am Abend vom 1:0-Erfolg der Oranje-Auswahl gegen Australien. Die Volleyballerinnen benötigten nach ihrem 3:0 gegen die Dominikanische Republik ebenfalls Unterstützung von dritter Seite zum Weiterkommen.

Jörg Obergethmann, DPA / DPA

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