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Vorletzter Olympia-Tag: Britische Sprinter besiegen US-Stars

Sensation im 4x100 m-Herren-Finale: Das britische Sprintteam gewann hauchdünn vor den favorisierten USA. Das deutschen Athleten holten ihre Medaillen wieder im Kajak. Zweimal Gold und einmal Silber retten die heimische Medaillenbilanz.

Es war die größte Überraschung am vorletzten Tag der Leichthletik-Entscheidungen. Die britische 4x100 m-Staffel gewann sensationell mit einem Minimalvorsprung von 1/100 Sekunde mit mit einer Zeit von 38,07 vor den favorisierten USA die Goldmedaille. Die amerikanischen Laufwunder Shawn Crawford, Coby Miller, Justin Gatlin und Maurice Green hatten Gold fest im Visier. Ein verhängnisvoller Wechselfehler kostete wertvolle Zeit.

"Wir hatten im Team einige Probleme. Jeder wollte schnell laufen, da hat die Abstimmung nicht geklappt", erklärte 100-m-Sieger Gatlin nach dem Rennen selbstkritisch, "ein bisschen mehr Training könnte nicht schaden." Die amerikanische Staffel gewann von den letzten 20 Starts 15 Rennen, vier Niederlagen resultierten aus Disqualifikationen, nur gegen Kanada gab es 1996 in Atlanta die einzige echte Pleite.

Kanuten retten deutsche Medaillenbilanz

Den Kanuten verdankte die deutsche Olympia-Mannschaft am Sonntagmorgen eine neuerliche Medaillenflut. Mit Gold für Canadier-Fahrer Andreas Dittmer und den Kajak-Zweier mit Ronald Rauhe und Tim Wieskötter, Silber für Birgit Fischer und Carolin Leonhardt untermauerten sie ihre internationale Vormachtstellung. Insgesamt gewannen die deutschen Paddel-Asse in den zwölf Finals auf dem See in Schinias vier Mal Gold und drei Mal Silber. Mit jetzt acht Gold- und vier Silbermedaillen rückte Birgit Fischer auf Platz fünf der ewigen olympischen Bestenliste vor.

24 Stunden nach Silber über 1000 m siegte Andreas Dittmer im Canadier-Einer auf der halben Distanz und gewann sein insgesamt drittes Olympia-Gold. Auch Ronald Rauhe und Tim Wieskötter wurden ihrer Favoritenrolle im Kajak-Zweier über 500 m gerecht. Birgit Fischer fügte ihrer imposanten Medaillensammlung Silber im Kajak- Zweier hinzu. Mit ihrer Vereinskollegin Carolin Leonhardt musste die 42-Jährige lediglich Olympiasieger Ungarn den Vortritt lassen.

Mit 14 Mal Gold, 15 Mal Silber und 18 Mal Bronze erhielt sich das deutsche Team einen Tag vor der Schlussfeier die Chance, Japan (15/10/10) durch einen Sieg im Handball-Finale doch noch vom fünften Platz der Medaillenwertung zu verdrängen. Platz eins ist dem Team der USA bei 34 Gold-, 38 Silber- und 27 Bronzeplaketten in den letzten 18 Entscheidungen der Spiele praktisch nicht mehr zu nehmen.

Historischer Sieg von Hicham El Guerrouj

In den übrigen Leichtathletik-Entscheidungen spielte das deutsche Team keine Rolle. Im Hochsprung siegte die Russin Jelena Slesarenko mit der Weltjahresbestleistung von 2,06 m. Das Speerwerfen gewann der norwegische Außenseiter Andreas Thorkildsen. Über 1500 m feierte die Britin Kelly Holmes ihren zweiten Olympiasieg nach den 800 m.

Über 800 m trat der Russe Juri Borsakowski die Nachfolge von Nils Schumann an, der 2000 in Sydney Gold gewonnen hatte. Im Rennen über 5000 m feierte Hicham El Guerrouj seinen zweiten Olympiasieg in Athen nach den 1500 m. Der Marokkaner ist damit der erste Läufer seit dem Finnen Paavo Nurmi 1924, dem auf diesen beiden Strecken das goldene Double gelang. Die Staffelsiege über 4 x 400 m holten sich jeweils die Quartette aus den USA. Die DSV-Männer mit Ingo Schultz als Startläufer kamen auf Rang sieben.

Argentinien holt Fußball-Gold

Argentiniens Fußballer holten für ihr Land den ersten Olympiasieg seit den Sommerspielen 1952 in Helsinki. Im Finale besiegte der Turnier-Favorit Paraguay mit 1:0. Im Basketball-Endspiel der Damen triumphierten die Amerikanerinnen. Das US-Dreamteam gewann im kleinen Finale der Männer gegen Litauen und holte nach drei Olympiasiegen in Serie Bronze. Im Frauen-Volleyball sicherte sich China erstmals seit 1984 Gold. Sieger im Mountainbike wurde der Franzose Julien Absalon. Manuel Fumic belegte als bester Deutscher Platz acht. Jeweils zwei Siege feierten Kuba und Russland in den ersten Box-Finals.

Erneuter Doping-Fall

Der ungarische Gewichtheber Ferenc Gyurkovics hat Silber in der Gewichtsklasse bis 105 kg verloren. Nach IOC-Angaben wurde der 24- Jährige positiv auf das Anabolikum Oxandrolon getestet. Auch Hammerwurf-Olympiasieger Adrian Annus droht der Verlust von Gold. Der Ungar wurde für Sonntag zur Anhörung vor die Disziplinarkommission des IOC geladen.

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