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Eröffnungsfeier: Ein Deutscher macht das Licht an

Den deutschen Fahnenträger Dirk Nowitzki kennt jeder, aber wer ist Andree Verleger? Hierzulande ist der Düsseldorfer Lichtkünstler nur Eingeweihten bekannt. In China dagegen ist der Düsseldorfer ein Star - und setzt heute die Eröffnungsfeier der Spiele von Peking ins rechte Licht.

Die Nervosität beim Düsseldorfer Multimediakünstler Andree Verleger steigt vor seiner Olympia-Premiere von Tag zu Tag. "Das Lampenfieber kommt in Wallungen", sagte der 49-Jährige, der als einziger Deutscher an der Gestaltung der Eröffnungsfeier der 29. Sommerspielen in Peking mitwirkt. "Wir werden Großartiges zu sehen bekommen", versprach er, bevor sich am Freitag der Vorhang zum größten Sportereignis des Erdballs hebt. Etwa 100 Tage hat Verleger in Peking zugebracht, seit er im Oktober 2007 überraschend für diesen Job engagiert wurde.

So etwas hat die Welt noch nicht gesehen

Was das Milliarden-Publikum weltweit im Fernsehen und live in Chinas Metropole erleben wird, darf er nicht verraten. "Ich möchte China auch wieder verlassen dürfen", sagte der in Deutschland weithin noch unbekannte Künstler, der jedoch anfügte: "Was wir dort machen mit der Masse an technischem Gerät, hat noch keiner auf der Welt gemacht." Sein Team durfte Verleger nicht aus Deutschland mitnehmen: "Die Chinesen haben den Anspruch, das selbst zu schaffen."

In Peking arbeitete Verleger vor allem mit dem Star-Regisseur Zhang Yimou (Rote Laterne) zusammen, der die Eröffnungsfeier inszeniert. "Ich bin als Inspirator und wegen meiner Kreativität hier", berichtete er. Bei der Vorbereitung der Olympia-Show waren auch viele Hürden zu überwinden. "Wenn man etwas Großes haben will, muss man auch kämpfen."

Engagement in Peking durch glückliche Umstände

Warum er als bis dato in seiner Heimat weitgehend unbekannter Künstler nach Peking eingeladen wurde, ist eine komplizierte Geschichte. "Das war eine Kettenreaktion", sagt der ehemalige Musikproduzent. Es begann mit der sonderbaren Illumination eines mehrstöckigen Wohnhauses am Düsseldorfer Hauptbahnhof: In der Dunkelheit konnten Passanten durch die Fenster sehen, wie das Haus scheinbar voll Wasser läuft - Stockwerk für Stockwerk - und eine Schwimmerin seelenruhig ihre Bahnen zog.

Von dieser Installation hat Mark Fisher erfahren, der der Architekt großer Bühnenshows für die Rolling Stones, Pink Floyd und U 2 ist und mit Regisseur Yimou die Eröffnungszeremonie entworfen hat. Einen Teil davon, "einen nicht unwichtigen", hat Verleger beigesteuert.

Verleger hofft auf interessante Aufträge nach den Spielen

Das unverhoffte Olympia-Abenteuer hat dem Rheinländer, der sich in seiner Jugend in allen Sportarten ausprobierte, viel gebracht. "Ich habe viele Erfahrungen gemacht und viele Kontakte geknüpft. So etwas kann man nicht kaufen", sagte Verleger, "ob es PR für mich ist, wird man sehen. Doch das ist für mich zweitrangig." Im Nahen Osten hat er seine Bildwelten bereits mehrfach vor großem Publikum gezeigt, etwa zur Eröffnung der neuen Formel-1-Rennstrecke und des neuen Großflughafens in Dubai. Verleger hätte aber nichts dagegen, wenn die Olympischen Spiele helfen würden, seine künstlerischen Pläne zu verwirklichen. "Ich träume von einer großen Show, einem eigenen Bildtheater", hofft er.

DPA / DPA

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