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Wissenschaft: Jubelposen sind angeboren

Stolzgeschwellte Brust und in die Luft gerissene Arme - diese Jubelpose haben Sportler sich nicht abgeguckt. Sie ist angeboren. Auch die hängenden Schultern nach einer Niederlage zeigen sich nach einer amerikanischen Studie bei Sportlern aller Nationen und selbst bei blinden Menschen.

Blinde Sportler zeigen ihren Stolz oder ihre Enttäuschung mit den gleichen Gesten wie nichtblinde Athleten. Obwohl Menschen, die von Geburt an blind sind, noch nie eine Siegerpose gesehen haben, reißen sie nach einem Sieg genau wie Sehende ihre Arme in die Höhe. Auch die Enttäuschung nach einer Niederlage zeigten sie ähnlich wie ihre sehenden Sportlerkollegen, berichten kanadische Forscher. Dies deute darauf hin, dass der Ausdruck von Stolz und Scham nicht durch Nachahmen erlernt werde, sondern angeboren sei, schreiben die Psychologen Jessica Tracy und David Matsumoto von der University of British Columbia in Vancouver im Fachmagazin "PNAS".

Auch Sportler aus unterschiedlichen Kulturen zeigen ihre Gefühle nach einem Sieg oder einer Niederlage ähnlich, stellten die Forscher fest. Sie hatten für ihre Studie Fotos von Athleten analysiert, die an den Olympischen und Paralympischen Spielen im Jahr 2004 teilgenommen hatten. Dabei verglichen die Wissenschaftler Gestik und Körpersprache von Judokämpfern aus über 30 verschiedenen Ländern. Die Sportler waren entweder von Geburt an blind, im Lauf ihres Lebens erblindet oder konnten normal sehen.

Automatisch werden die Arme hochgerissen

Unabhängig von Sehbehinderung und Herkunft zeigten die Sportler ihren Stolz über einen Sieg stets auf ähnliche Weise: Sie rissen die Arme in die Höhe, dehnten ihre Brust und warfen den Kopf nach hinten. Auch die Reaktion bei einer Niederlage war bei blinden und sehenden Judokämpfern ähnlich. So verbargen die Verlierer häufig ihr Gesicht und ließen die Schultern hängen, so dass ihre Brust schmaler wirkte.

Allerdings zeigten sehende Athleten ihre Gefühle bei einer Niederlage je nach Herkunftsland unterschiedlich stark, stellten die Psychologen fest. So neigten Teilnehmer aus westlichen, eher individualistischen Kulturen wie den USA und Europa dazu, ihre Scham über die Niederlage weniger stark zu zeigen als beispielsweise Teilnehmer aus asiatischen Ländern. Dagegen zeigten von Geburt an blinde Athleten unabhängig von ihrer Herkunft vergleichbare Reaktionen. Dies deutet darauf hin, dass sehende Sportler aus westlichen Ländern ihre Scham kulturell bedingt weniger stark zeigen.

Die Posen sind nicht erlernt

"Von Geburt an blinde Menschen haben niemals beobachtet, wie andere sich verhalten, wenn sie stolz sind oder sich schämen", sagte Tracy. "Daher gehen wir davon aus, dass diese Gesten angeboren sind." Tracy und Matsumoto hatten bei ihrer Untersuchung die Gelegenheit, 15 Sekunden lange Bilderserien auszuwerten, die von einem offiziellen Fotografen unmittelbar nach jedem Kampf aufgenommen worden waren. So konnten sie die Reaktionen der Sportler sekundengenau beobachten und dabei die typischen Positionen von Kopf, Armen und Körper analysieren. "Unsere Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass sich die Posen für Stolz und Niedergeschlagenheit im Laufe der Evolution entwickelt haben, um den sozialen Status entweder zu aufzuwerten oder zu senken", sagte Tracy.

DDP / DDP

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