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Bronze-Duo: Mit Spaß ins Nass

Sie holten die erste Olympia-Medaille für Deutschland: Synchron sprangen Ditte Kotzian und Heike Fischer aus drei Metern ins Wasser und gewannen Bronze. Hätte es eine Goldmedaille für Spaß an der Springer-Freude gegeben, wäre sie an das deutsche Duo gegangen.

Lachend sprangen Ditte Kotzian und Heike Fischer aus drei Metern synchron ins Wasser, lachend zogen sie Bronze an Land. "Traumhaft, ein schönes Gefühl, dass es die erste Medaille für Deutschland ist, einfach toll" - Heike Fischer konnte ihr Glück kaum fassen. Fast andächtig nahm die Leipzigerin das Stück Edelmetall in die Hand, schaute ungläubig drauf, als wollte sie fragen, ob sie es auch behalten dürfe. Die Berlinerin Ditte Kotzian hüpfte derweil wie ein kleines Kind auf der Stelle: "Ich mach's immer mit einem Lachen, weil mir das Freude gibt."

Ausgelassenheit und Vertrauen

Die Medaillen-Premiere der deutschen Olympia-Sportler in Peking war ein Produkt kontrollierter Ausgelassenheit, riesigen Vergnügens und blinden Vertrauens in das Können des Anderen. "Der Funke ist übergesprungen", schilderte die erfahrene 29-jährige Ditte Kotzian das Geheimnis des Erfolgs. Sie ist die Lachende des eleganten Duos, die vier Jahre jüngere Heike Fischer eigentlich die Hippelige. Im "Wasserwürfel" von Peking riss die eine die andere mit, sie inspirierten sich gegenseitig, ließen sich zum Erfolg treiben.

Doch die Vergabe der Bronzemedaille vom Dreimeterbrett war auch ein kleiner Thriller. Punktgleich lagen die WM-Zweiten aus Deutschland und die Amerikanerinnen Kelci Bryant/Ariel Rittenhouse vor dem letzten der fünf Durchgänge auf Rang drei. Der zweieinhalbfache Auerbachsalto, rückwärts gesprungen, musste bei Kotzian/Fischer über Blech oder Bronze entscheiden. Die von 10.000 Zuschauern umjubelten Weltmeisterinnen Guo Jingjing/Wu Minxia (China/343,50 Punkte) und die russischen Europameisterinnen Julia Pachalina/Anastasia Posdnjakowa (323,61 Punkte) waren zu weit entfernt.

Die Spaß-Olympiasiegerinnen

Und dann war plötzlich "alles schön, alles toll", wie Heike Fischer das gemeinsame Glücksgefühl schilderte, als aus Adrenalin Endorphine wurden. "Der fünfte Sprung ist ein Punktebringer", sagte die Leipziger Sportsoldatin Fischer. Hopp oder topp - am Ende bedeuteten 4,5 Zähler Differenz zu den US-Girls bronzene Gewissheit. "Wir wussten nicht, dass wir nach dem vierten Durchgang gleichauf lagen", räumte Ditte Kotzian ein. Doch der Tag war einer, an dem nichts schiefgehen konnte. Heike Fischer: "Wir brauchten uns nur anzuschauen."

Hätte es eine Goldmedaille für Spaß an der Springer-Freude gegeben, wäre sie an Kotzian/Fischer gegangen. Chinas Olympiasiegerinnen verbeugten sich artig-höflich nach jedem Durchgang, die Russinnen wirkten trotz der Silbermedaille sauer, die Deutschen grinsten sich einen: "Wir haben überall gelächelt - unter und über Wasser", ließ Heike Fischer wissen, dass deutsche Kunstspringerinnen an guten Tagen zu Erstaunlichem in der Lage sind: synchron zu springen, synchron zu lachen, synchron zu "Spaß-Olympiasiegerinnen" zu werden.

Dietmar Fuchs und Richard Janssen, DPA / DPA

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