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Olympia-Skidamen: Zielsprung entschärft nach spektakulären Stürzen

Im Ziel schlug "Gold-Girl" Lindsey Vonn die Hände vors Gesicht und wandte sich entsetzt ab: Der spektakuläre Sturz von Mitfavoritin Anja Pärson beim Zielsprung führte allen drastisch die Gefährlichkeit der Olympia-Abfahrt vor Augen, verteufeln wollte die anspruchsvolle Piste aber niemand.

Im Ziel schlug "Gold-Girl" Lindsey Vonn die Hände vors Gesicht und wandte sich entsetzt ab: Der spektakuläre Sturz von Mitfavoritin Anja Pärson beim Zielsprung führte allen drastisch die Gefährlichkeit der Olympia-Abfahrt vor Augen, verteufeln wollte die anspruchsvolle Piste aber niemand. "Das ist eine Strecke, wie sie immer alle haben wollten: Schwierig und anspruchsvoll", sagte der deutsche Alpin-Direktor Wolfgang Maier nach dem Rennen am Mittwoch (Ortszeit) und auch Bundestrainer Mathias Berthold meinte: "Das war eine würdige Olympia-Abfahrt". Maria Riesch beteiligte sich gar nicht an der Strecken-Diskussion. Sie sei "einfach nicht gut gefahren".

Doch nicht nur der mit Prellungen an Wade und Rücken wohl noch glimpflich ausgegangene Crash der siebenmaligen schwedischen Weltmeisterin Pärson rückte "Franz's Run" in den Blickpunkt. Auf eisiger Oberfläche rasten die Athletinnen deutlich schneller dahin als im einzigen Training - die Spitzengeschwindigkeiten von Weltcup- Abfahrten wurden aber nicht erreicht.

Fast 60 Meter war Pärson so beim Zielsprung durch die Luft gesegelt, bevor sie hart auf der Piste aufschlug - obwohl diese letzte Kante nach dem einzigen Training bereits entschärft worden war. "Wenn man den Sturz sieht, ist es verwundernd, dass sie überhaupt gehen kann. Sie ist froh, den Sturz so zu überstanden haben, wie sie es tat", sagte Coach Ulf Emilsson. Für die Kombinations-Abfahrt am folgenden Tag wurde der Zielsprung auch mit Blick auf die Slalom-Fahrerinnen noch ein weiteres Mal abtragen. "Das ist wie bei den Skispringern, wenn sie zu weit springen, geht man eine Luke nach unten", sagte Renndirektor Atle Skaardal.

Maria Riesch haderte zwar etwas mit den Unterbrechungen durch den Sturz der direkt vor ihr gestarteten Pärson und den Blitz-K.o. der davor losgefahrenen Französin Marion Rolland. In Ausreden über die Strecke flüchtete sie sich nach ängstlich wirkender Fahrt auf Platz acht aber nicht. Elisabeth Görgl (Österreich), die hinter Vonn und Julia Mancuso (USA) Bronze holte, fand die Piste nicht zu schwer: "Es war ein spektakuläres Rennen. Ich würde Läufe wie diesen im Weltcup bevorzugen."

Doch es gab weitere heftige Stürze auf dem fast drei Kilometer langen Kurs. Die Schweizerin Domique Gisin verlor ebenfalls an dem mächtigen Zielsprung die Kontrolle, Edith Miklos rauschte in die Fangnetze und wurde mit dem Hubschrauber abtransportiert. Die Rumänin erlitt eine Knieverletzung. Rolland die sich beim Anschieben auf den ersten Metern allerdings selbst aus dem Gleichgewicht gebracht hatte, einen Kreuzbandriss. Die Italienerinnen Daniela Merighetti und Elena Fanchini kamen bei spektakulären Stürzen wohl mit dem Schrecken davon.

"Keine Frage, der Kurs war von oben bis unten sehr fordernd und es waren sehr lange Laufzeiten. Solche Strecken könnten wir nicht an jedem Weltcup-Wochenende fahren. Aber ich denke, es war akzeptabel", sagte Skaardal. Auch der zweigeteilte Testlauf sei nicht ideal gewesen, weil Vonn, Riesch & Co. den Zielsprung nicht in vollem Tempo hatten ausprobieren können. Angesichts des Wetters und der Herren-Abfahrt hatten die Organisatoren aber nur so überhaupt den vorgeschriebenen Testlauf durchführen können.

Michael Becker und Christian Kunz, DPA / DPA

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