Ertls Olympia-Tagebuch Vom Aschenputtel zur Goldmarie


Es war der Tag der Stehauf-Frauen. Allen voran Maria Riesch, die ihren Abfahrtsfrust in Kombi-Gold umwandelte. stern.de-Kolumnistin Martina Ertl weiß: Solche Geschichten machen Olympia aus.

Neben Spaß, Spiel und Spannung hat der Leistungssport für mich immer Vorbildfunktion. Selbst die Kritiker dieser These mussten gestern einlenken, an diesem Tag der Tugenden. Gleich drei Stehauf-Frauen zeigten in Vancouver, dass man nicht in Niederlagen verharren sollte, sondern dass der Glaube an sich selbst und der Kampf für ein Ziel schnell auch wieder Früchte tragen kann. Die Hauptakteure dieses Lehrstücks waren Tora Berger, Anja Pärson und Maria Riesch.

Tora Berger hatte sich im Sprint - vielleicht auch bedingt durch nicht ganz so gutes Material - unter Wert verkauft. Statt das Gewehr in die Ecke zu werfen oder gar Nerven zu zeigen ob der vergebenen Chancen- auch das Verfolgungsrennen glückte dementsprechend nicht - ging sie wie ein wahrer Champion durch den Wettkampf, ließ keine Sekunde Zweifel an ihrem Siegeswillen aufkommen und triumphierte zum Schluss.

Wechselbad der Gefühle

Anja Pärson stürzte in der Abfahrt wie einst Herman Maier in Nagano. Jede andere wäre liegen geblieben. Nicht so das Kraftpaket aus Schweden - obwohl ihr alle Knochen von dem Sturz wehtaten, stellte sie sich selbst allein durch ihren unbändigen Willen wieder auf die Skier und wurde mit Bronze in der Kombination dafür belohnt.

Maria Riesch, nach ihrem achten Platz in der Abfahrt von vielen Experten wieder grobgetadelt, konterte nur einen Tag später, zeigte Nervenstärke und stieg auf in den Ski-Olymp. Vom Aschenputtel zur Goldmarie in nur 24 Stunden.

Beste Seite des Sports

Die sportlichen Leistungen dieser Stehauffrauen wurden für mich noch durch ihr Verhalten übertroffen, das sie im Moment ihres Triumphes zeigten. Tora Berger genoss ihr Glück eher still und tief erfüllt, Maria Riesch litt zunächst mehr mit Lindsay Vonn wegen ihres Sturzes, als dass sie sich über den Sieg freute. Die Gestürzte beglückwünschte ihrerseits die Siegerin herzlich, beide lächelten als "goldige" Freundinnen, und Anja Pärson war die Genugtuung anzusehen, die sie daraus zog, nicht aufgeben zu haben, und dies bei gleichzeitigem Respekt und Mitfreude hinsichtlich der Erfolge der anderen.

Der Sport hat sich gestern von seiner besten Seite gezeigt.

Viele Grüße

Martina Ertl


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