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Ertls Olympia-Tagebuch: Riesenslalom wird zum Nervenspiel

Wetter-Chaos bei Olympia: Mal schneit es, mal regnet es, mal hängt dichter Nebel über den Pisten. Der zweite Lauf im Riesenslalom musste verschoben werden. stern.de-Kolumnistin Martina Ertl schildert anhand persönlicher Erfahrungen das Nervenspiel für die Athletinnen.

Der Riesenslalom der Damen mit unseren drei Mitfavoritinnen Katy Hölzl, Viktoria Rebensburg und Maria Riesch gerät zur Geduldsprobe. Der erste Lauf dürfte wohl am ehesten die Nerven der amtierenden Weltmeisterin und Goldfavoritin Katy Hölzl strapaziert haben, die mit der nicht sehr vorteilhaften Startnummer 1 in das Rennen gehen musste. Als erste Läuferin hatte sie es bei Schneefall noch mit einer leicht bremsenden Auflage zu tun, später wurde die Piste etwas schneller.

Auch ein psychologischer Nachteil bestand vielleicht. Katy befuhr diesen Hang zum ersten Mal, während andere Starterinnen den Hang und sein Gelände durch vorherige Wettbewerbe schon kannten. Ich denke, dass unsere Weltmeisterin doch etwas Respekt vor der Piste und den Bedingungen hatte und mit der "Handbremse" im Kopf fuhr. Platz 10 für sie nach dem ersten Lauf, kann für sie nur noch bedeuten, im zweiten Lauf unbedingt auf Angriff zu fahren. Vielleicht ist dies aber gut für die Nerven, man braucht nicht mehr über den rechten Weg nachzudenken, man hat keine Wahl mehr- alles oder nichts!

Die Führenden dagegen werden sich aufgrund der Verzögerung schon Gedanken machen, was ihre gute Ausgangsposition bedeuten könnte. Ich erinnere mich an einen meiner Weltcup-Slaloms, bei dem ich auch das Rennen an zwei Tagen ableisten musste. Nach dem ersten Lauf war ich die Führende und nahm diesen Gedanken an einen möglichen Weltcupsieg mit in die Nacht, was eher aufregte als beruhigte. Wie wird es also Viktoria Rebensburg als junger Athletin, die jetzt in Nähe der Podestplätze rangiert, damit gehen? Auch Maria Riesch überlegt vielleicht ein wenig, ob in der von ihr nicht so geliebten Disziplin Riesenslalom nicht doch olympisches Edelmetall erreichbar wäre.

Die Wetterbedingungen in Whistler fordern nicht nur die Nerven der Athleten. Auch Funktionäre dürften im Moment gebannt auf die Prognosen der Meteorologen schauen. Wird auf Grund der Wetterbedingungen der zweite Lauf wieder nicht durchgeführt, könnte der Wettbewerb sogar ohne Wertung gestrichen werden, wie gestern aus diversen Besprechungen der Organisatoren durchsickerte. Daran dürfte keiner Interesse haben. Die Fuktionäre nicht, die Fans nicht und zuallerletzt die deutschen Fahrerinnen. Schließlich wollen sie noch aufs Podest springen.

Viele Grüße
Martina Ertl

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